iPhone-Hersteller Chip-Engpässe und Corona-Ausfälle kosten Apple sechs Milliarden US-Dollar Umsatz

Der iPhone-Hersteller bekommt die Auswirkungen der Chipkrise zu spüren.
San Francisco Die globale Knappheit an Mikrochips trifft Apple mit zunehmender Wucht. Allein im abgelaufenen vierten Quartal gingen dem Technologiekonzern dadurch sechs Milliarden US-Dollar verloren, teilte der Konzern bei der Vorlage der Zahlen mit. Ein Teil der Ausfälle sei auch auf Corona-Schutzmaßnahmen in Südostasien zurückzuführen, wobei sich dieser Effekt in den vergangenen Wochen spürbar abgemildert habe.
Dennoch erzielte Apple zwischen Juli und September einen Rekordumsatz von 83,4 Milliarden US-Dollar, was eine Steigerung um rund 29 Prozent zum Vorjahr bedeutet. Auch der Konzerngewinn stieg um 62 Prozent deutlich. Unterm Strich schloss Apple das Quartal mit einem Periodenüberschuss von 20,5 Milliarden US-Dollar ab. „Die Nachfrage nach unseren Produkten war durchgängig stark“, sagte Apple-Chef Tim Cook.
Für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres, das bei Apple am 26. September begann, rechnet der Manager wegen der anhaltenden Lieferprobleme bei Chips allerdings mit einer Ausweitung der Umsatzverluste. So seien derzeit alle Apple-Produkte von den Engpässen betroffen. An der Börse wurden die Neuigkeiten mit Ernüchterung aufgenommen: Nachbörslich fiel der Kurs der Apple-Aktie zeitweise um vier Prozent.
Dabei hatte Cook ansonsten durchaus erfreuliche Ergebnisse zu berichten. So stieg etwa der Umsatz beim iPhone um 47 Prozent, beim iPad um 21 Prozent sowie im Geschäft mit Wearables (iWatch) und Smart-Home-Produkten um knapp 12 Prozent. Deutlich besser als erwartet schloss auch das Servicegeschäft ab, dessen Umsatz um 47 Prozent zulegte – während sich die Umsätze bei den Computern (Mac) des Konzerns hingegen kaum veränderten.
Inhalte werden wichtiger
Dabei werden auch die Inhalte-Angebote des Konzerns aus Cupertino immer wichtiger. Neben der Musikstreaming-Dienst Apple Music, den der Konzern kürzlich um eine rein sprachgesteuerte Variante zum Kampfpreis von rund fünf Euro erweitert hat, kann auch der Videodienst Apple TV+ immer mehr Nutzer verzeichnen. Über die verschiedenen Plattformen hinweg kommt Apple hier mittlerweile auf 745 Millionen Kunden, 45 Millionen mehr als im dritten Quartal.
Dass die Aktie dennoch mit deutlichen Verlusten reagierte, erklären Analysten vor allem mit den enttäuschten Erwartungen – und den Unsicherheiten, die aus den Lieferschwierigkeiten entstehen. So sagte Ed Snyder von Charter Equity Research dem Fernsehsender CNBC, derzeit herrsche am Markt eine Wartestellung, was die Apple-Aktie angehe – und zwar solange, „bis sich die Chip- und Lieferprobleme geklärt haben“.
Apple von Lieferproblemen betroffen – Aktie unter Druck
Dabei kommt dem Unternehmen allerdings zugute, dass sich die Nachfrage weiterhin robust entwickelt hat. Dan Ives, Analyst bei Wedbush Securities, betonte daher, die Chip-Engpässe seien aus seiner Sicht ein Übergangsproblem. „Die Nachfrage übersteigt das Angebot um zehn Millionen Geräte.“ Das entspricht der Menge der iPhones, die der Konzern wegen der Knappheit im vierten Quartal weniger fertigen konnte. „Es handelt sich um ein Zeitproblem“, so Ives.
Kein Gewinnausblick
Für Unsicherheit sorgt dabei auch, dass der Konzern seit Beginn der Pandemie keinen Ausblick auf seinen zukünftigen Gewinn gegeben hat. Cook sagte, voraussichtlich werden sich der Umsatzausfall durch Knappheiten im laufenden Quartal schwerer auswirken als zuletzt. Allerdings prognostizierte er dennoch einen Umsatzrekord. Dabei dürfte er darauf hoffen, dass sich die Geräte, die Apple in den vergangenen Wochen vorgestellt hat – also das iPhone 13 sowie der Laptop Macbook –, im Weihnachtsgeschäft gut verkaufen.
Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. So rechnet etwa die US-amerikanische Einzelhandelsvereinigung NRF mit Rekordumsätzen rund um die Feiertage. So hätten Verbraucher in diesem Jahr wegen der Pandemie so hohe Ersparnisse wie nie zuvor. Für November und Dezember rechnet der Verband mit Umsatzzuwächsen zwischen 8,5 und 10,5 Prozent. Zumindest, wenn sich die bestehenden Probleme nicht weiter verschärfen.
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