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Pandemie Digitalverbände drängen auf schnelle Entwicklung von Corona-App

Gesundheitsminister Spahn kann kein Datum für die Inbetriebnahme der geplanten Corona-Warn-App nennen. Digitalverbände warnen vor weiteren Verzögerungen.
27.04.2020 - 18:00 Uhr Kommentieren
In der Schweiz ist die Corona-App DP-3T im Einsatz, auf der auch die deutsche Corona-Warn-App beruht. Quelle: dpa
Corona-App

In der Schweiz ist die Corona-App DP-3T im Einsatz, auf der auch die deutsche Corona-Warn-App beruht.

(Foto: dpa)

Düsseldorf, Berlin Das Ringen um eine Corona-Warn-App geht in die nächste Runde. Zwar haben Kanzleramtschef Helge Braun und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) am Wochenende den Schwenk zu einem dezentralen Ansatz zur Speicherung der Nutzerdaten verkündet. Doch ist nach wie vor unklar, an welches Softwaregerüst die Anwendung zur Verfolgung der Ansteckungswege andocken soll.

Es sei noch keine Entscheidung gefallen, ob man nun statt der bisher präferierten Plattform Pepp-PT die dezentrale Technologie der DP-3T-Initiative nutzen werde, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums am Montag in Berlin.

Das vom Robert Koch-Institut mitentwickelte Konzept Pepp-PT (Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing) war in die Kritik von Datenschützern geraten, weil zentrale Server hier eine größere Rolle spielen.

Rund 300 Experten hatten einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie vor der Gefahr von Überwachung und Missbrauch warnten. Sie unterstützen mehrheitlich das DP-3T-Konzept.

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    Das Helmholtz-Zentrum, mit 40.000 Mitarbeitern nach eigenen Angaben größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands, hatte die Kritik an Pepp-PT angeführt und vor den Gefahren eines Missbrauchs zentral gesammelter Daten gewarnt.

    Das Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit (Cispa) gehört zu den zentralen Stellen, die nun die Lösungen unter dem Namen DP-3T entwickeln. „Das Zentrum arbeitet auf nationaler Ebene mit Partnern zusammen, um schnellstmöglich eine App zu realisieren“, sagt Otmar Wiestler, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, laut einer Mitteilung.

    Um das Zentrum hat sich eine Gruppe von Experten und Unternehmen gebildet. Dazu zählen auch die Dax-Konzerne Deutsche Telekom und SAP. „Deutsche Telekom und SAP werden in Deutschland und Europa ihren Teil dazu beitragen, dass europäische digitale Technologien ein zentraler Baustein zu einer effektiven Bekämpfung des Coronavirus sein werden“, sagte ein Telekom-Sprecher.

    Zu Details der Kooperation wollte er sich nicht äußern. Die Telekom-Großkundentochter T-Systems soll nach Handelsblatt-Informationen mithelfen, eine Serverinfrastruktur für die Lösung aufzubauen.

    Verbände fordern Tempo

    Derzeit wird mit großem Einsatz an der App gearbeitet. Von DP-3T war am 17. April ein erster Prototyp für die Betriebssysteme Android und iOS veröffentlicht worden. Der Programmcode der Anwendung wurde veröffentlicht, sodass er auch extern analysiert und bewertet werden kann. Das Problem ist jedoch, dass Berlin sich noch nicht festgelegt hat, ob der Ansatz von DP-3T unterstützt wird.

    Die Digitalverbände drängen auf ein schnelles Tempo. Sie beobachten die Debatten um die App teilweise mit Sorge. Auch der Zickzackkurs der Bundesregierung kommt nicht gut an. „Während in anderen Ländern längst Corona-Tracing-Apps im Einsatz sind, diskutieren wir über Grundsatzfragen, die vor allem Glaubensfragen sind“, sagte der Präsident des IT-Verbands Bitkom, Achim Berg, dem Handelsblatt. „Mit dieser Debatte wurde schon viel Zeit verspielt – und auch das Vertrauen der Menschen, das schnellstmöglich zurückgewonnen werden muss.“

    Der Vorstandschef des Eco-Verbands der Internetwirtschaft, Oliver Süme, nannte es zwar ein „wichtiges Signal“, dass die Bundesregierung die Kritik von Datenschützern ernst genommen und sich nun doch für einen dezentralen Ansatz für die geplante Corona-App entschieden habe. Das sei auch eine wichtige Vorbedingung für eine größtmögliche Akzeptanz der App.

    Süme mahnte jedoch, jetzt nicht noch mehr Zeit zu verlieren. „Jetzt kommt es darauf an, unverzüglich an der technischen Umsetzung dieser App zu arbeiten und eine zielgruppengerechte Kommunikationskampagne aufzusetzen, um möglichst viele Bürgerinnen und Bürger für die Nutzung der App zu gewinnen“, sagte Süme dem Handelsblatt. Sein Verband werde hier wie bereits angeboten gerne unterstützen.

    Vor allem das Gesundheitsministerium machte in der App-Debatte keine gute Figur. Noch am Freitag hatte es eine zentrale Datenspeicherung angekündigt. Aus Akzeptanzgründen schwenkte dann auch Minister Spahn um. „Wir brauchen möglichst viele, die mitmachen, damit wir das Virus und den Ausbruch unter Kontrolle bekommen“, sagte der CDU-Politiker am Sonntagabend in den ARD-„Tagesthemen“.

    Darauf weist auch der Geschäftsführer des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW), Marco Junk, hin. „Es gibt Vorteile bei einer zentralen Lösung, was die Auswertung der Daten betrifft, aber der entscheidende Faktor einer jeden Corona-App ist die möglichst große Verbreitung“, sagte Junk dem Handelsblatt.

    Unklar, wann die App kommt

    Ohne diese sei jeder technische Ansatz nutzlos. Die jetzt gefundene Lösung sei zu begrüßen, insofern sei auch der Diskurs darüber nötig und sinnvoll gewesen. „Jetzt gilt es, die App so schnell wie möglich technisch zu finalisieren und in die Fläche zu bringen“, mahnte Junk.

    Wann die App nun kommt, ist aber weiter unklar. Ursprünglich sollte sie schon Mitte April in Betrieb gehen. Spahn will sich nicht festlegen. Man wolle den jetzt eingeschlagenen Weg mit einer dezentralen App „so schnell als möglich, aber auch so sicher als möglich gehen“, sagte er. Ein konkretes Datum nannte er nicht.

    Angesichts des Zickzackkurses bei der App-Entwicklung gibt es deutliche Kritik an der Kommunikation und am Projektmanagement der Bundesregierung, das der Vorsitzende des Digitalausschusses im Bundestag, Manuel Höferlin, als „schlichtweg katastrophal“ bezeichnete.

    Das erneute Umschwenken vom zentralen zum dezentralen Modell koste weitere wertvolle Zeit. „Es muss jetzt darum gehen, eine pragmatische Lösung zu finden und endlich Tempo zu machen, sonst kommt der Impfstoff noch vor der App“, sagte Höferlin dem Handelsblatt.

    Bitkom-Präsident Berg fordert denn auch ein Ende der App-Debatten. „Wir müssen jetzt sofort raus aus dem Diskussionsmodus und rein in den Machermodus“, sagte er. Eine Tracing-App sei ein wichtiger Baustein im Kampf gegen das Coronavirus. „Wir brauchen diese App jetzt – und die deutsche Lösung sollte mit denen in Europa und im Rest der Welt kompatibel sein.“

    Der Bitkom-Präsident mahnte in diesem Zusammenhang Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, die Bedeutung von Contact-Tracing und die damit verbundenen Chancen und Vorteile für die gesamte Gesellschaft „noch sehr viel besser“ deutlich zu machen. „Wir müssen Transparenz schaffen, informieren, ohne zu polarisieren, begeistern und dabei mit einer Stimme sprechen“, so Berg.

    Die App werde dann zum Erfolg, wenn sie sicher sei, höchste Datenschutzstandards erfülle und wenn ihre Nutzung freiwillig sei. „Entscheidend ist nicht, wer die App entwickelt oder welche Softwarearchitektur zugrunde liegt“, betonte Berg. „Was wir jetzt brauchen, sind Tempo und Geschlossenheit.“  

    Aus Sicht der Verbände Eco und BVDW sollte die Politik aus dem langwierigen Prozess der App-Entwicklung und der politischen Kommunikation dazu für die Zukunft Konsequenzen ziehen. „An dem Entscheidungsprozess zeigt sich einmal mehr, dass wir mit einem koordinierenden und mit entsprechenden Kompetenzen ausgestatteten Digitalministerium mit Sicherheit konsequenter und schneller ans Ziel gelangt wären“, sagte Eco-Vorstand Süme.

    Auch BVDW-Geschäftsführer Junk glaubt, dass ein federführendes Digitalministerium den Prozess wohl hätte beschleunigen können. „Nach Corona muss die Frage danach umso deutlicher gestellt werden, auch, aber nicht nur vor dem Hintergrund der Corona-App.“

    Mehr: Die Landkreise fordern jedoch mehr: Sie wollen Namen und Ortsdaten aus der App ziehen.

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