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QuartalszahlenApple, Google, Amazon und Facebook schütteln die Pandemie ab

Die großen US-Tech-Konzerne wachsen noch schneller, als Analysten ihnen zugetraut haben. Doch Ermittlungen von Kartellwächtern können Big Tech noch ausbremsen.Alexander Demling 30.10.2020 - 03:07 Uhr Artikel anhören

Der Trend zum Homeoffice und das davon ausgelöste starke Wachstum bei Mac-Laptops und iPads glich den schwächeren iPhone-Absatz für Apple aus.

Foto: AFP

San Francisco. Jetzt zog auch Alphabet nach: Der Google-Mutterkonzern hatte sich im Sommerquartal nicht zu den Technologiekonzernen zählen können, die vom Digitalisierungsschub durch die Corona-Pandemie profitieren. Dass Fluglinien und Hotelketten ihre Werbung stark kürzten, traf Google damals hart. So hart, dass der Umsatz des wachstumsverwöhnten Konzerns aus Mountain View sogar erstmals im Vergleich zum Vorjahresquartal sank.

Nun sprengte das Unternehmen aus Mountain View alle Analystenerwartungen: Mit 46,2 Milliarden Dollar lag Alphabets Umsatz mehr als drei Milliarden Dollar über dem Durchschnitt der Analystenschätzungen, die der Datenanbieter Refinitiv ausgewertet hatte.

Für die Videoplattform Youtube hatten Analysten einen Sprung über die Vier-Milliarden-Dollar-Umsatzmarke erwartet – es wurden mehr als fünf Milliarden Dollar.

Die anderen Digital-Giganten von der US-Westküste hatten schon vorher keine Schwäche gezeigt oder in der ersten Phase der Pandemie sogar von der Krise profitiert – Amazon durch den wachsenden Onlinehandel, Apple von steigenden Laptop-Verkäufen. Dass im dritten Quartal Ausgangssperren und Reiseeinschränkungen gelockert wurden, schadete ihnen aber auch nicht.

Amazon schaffte einen Umsatzsprung von 37 Prozent auf mehr als 96 Milliarden Dollar. Und obwohl Konzernchef Jeff Bezos Investoren im Frühjahr noch geraten hatte, „sich anzuschnallen“, weil Amazon gedenke, mit teuren Investitionen durch die Krise zu kommen, stieg der Gewinn auf sechs Milliarden Dollar.

Starkes Wachstum mit kleinen Schwächen

Die Cloud-Tochter Amazon Web Services (AWS) übertraf mit 11,6 Milliarden Dollar Umsatz zwar auch die Erwartungen, trug aber ausnahmsweise nur unterdurchschnittlich zum Umsatzwachstum bei und legte lediglich um 29 Prozent zu. Zwar boomt das Geschäft mit den Datenzentren insgesamt, doch der Wettbewerb mit Microsofts Azure Cloud und der Google Cloud nagt am Wachstum von AWS.

Solche kleinen Schwächen haben auch andere: Bei Facebook sank die Zahl der täglich aktiven Nutzer in den USA und Kanada – den lukrativsten Märkten, weswegen die Aktie nachbörslich leicht nachgab.

Doch auch Facebook übertraf die Erwartungen durch die Bank: mehr Umsatz als erwartet, mehr Umsatz pro Nutzer als erwartet, mehr Gewinn als erwartet. Der Werbeboykott vieler globaler Konzerne hat in der Rüstung des weltgrößten sozialen Netzwerks nicht einmal eine Delle hinterlassen: Im Jahresvergleich stieg der Werbeumsatz um 22 Prozent.

Aus Sicht der Anleger sind die großen Tech-Konzerne so auf Gewinne programmiert, dass nicht nur die Erwartungen eingepreist sind. Sogar übertroffene Erwartungen sind bereits eingepreist.

Besonders bekam das Apple zu spüren: Die Aktie des wertvollsten Konzerns der Welt gab sogar um vier Prozent nach, weil der iPhone-Umsatz mit 26,4 Milliarden Dollar um 1,5 Milliarden unter den Erwartungen lag – allerdings war es auch das letzte Quartal vor dem Upgrade zum iPhone 12, dessen Verkäufe bestens anlaufen sollen.

Zwei Millionen verkaufte iPhones in 24 Stunden

In den ersten 24 Stunden nach der Vorstellung des neuen Geräts sollen laut dem gewöhnlich gut informierten Apple-Analysten Ming-Chi Kuo bereits zwei Millionen Bestellungen eingegangen sein – zweieinhalb Mal so viele wie beim iPhone 11. 

Doch der Trend zum Homeoffice und das dadurch ausgelöste starke Wachstum bei Mac-Laptops und iPads glichen die Zahlen beim schwächeren iPhone mehr als aus: Apples Gesamtumsatz lag mit 64,7 Milliarden Dollar eine Milliarde über der Schätzung.

Vor einigen Jahren galt die Abhängigkeit vom gesättigten Smartphone-Markt noch als Apples Schwäche, nun stolpert die Aktie, obwohl andere Produkte und Services die Schwäche mehr als kompensieren können. Solche Probleme hätten andere Konzerne in der tiefsten Rezession seit Jahrzehnten gerne.

Zum zweiten Mal in Folge präsentierten die größten Tech-Konzerne der Welt am selben Tag ihre Zahlen. Zusammen mit Microsoft, das seine starke Quartalsbilanz schon zwei Tage zuvor präsentiert hatte, war es ein Vitalitätsbeweis für Big Tech. Pandemie hin, Rezession her: Die Giganten scheinen weitgehend unverwundbar.

Dass die Corona-Pandemie in wenigen Monaten den Digitalisierungsschub eines Jahrzehnts gebracht hat, ist inzwischen eine Binse. Die großen Tech-Konzerne sind bestens gerüstet, um von einer Verschiebung der Welt ins Internet zu profitieren – sei es für Konsum, soziale Beziehungen oder Wissenssuche.

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Die vier Konzerne, die am Donnerstag berichteten, sind dieselben, die in Europa und den USA die größten Probleme mit den Wettbewerbshütern haben. Sie sitzen dabei überraschend häufig im selben Boot: Das Verfahren des US-Justizministeriums gegen Google richtet sich gegen die Milliardenzahlung an Apple, um auf dessen Geräten als Suchmaschine voreingestellt zu sein. Ein Verbot könnte beide Konzerne treffen.

Und ein Verfahren des deutschen Bundeskartellamtes zielt auf eine Übereinkunft zwischen Amazon und Apple, auf dem Marktplatz des Ersteren Produkte des Letzteren von autorisierten Händlern verkaufen zu dürfen. Kartellermittlungen scheinen aktuell das Einzige zu sein, was Apple, Alphabet, Amazon und Facebook noch ausbremsen kann.

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