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Tech-KonzernDeshalb soll Google „Chrome“ verkaufen

Die US-Regierung will, dass der Konzern seinen beliebten Internetbrowser verkauft. Damit soll Googles Monopol auf dem Markt für Onlinewerbung gebrochen werden.Philipp Alvares de Souza Soares 21.11.2024 - 12:37 Uhr Artikel anhören
Google-Chef Sundar Pichai: Ein Verkauf von Chrome wäre für den Konzern ein herber Rückschlag. Foto: AP

San Francisco. Um Googles Monopol bei der Internetsuche zu brechen, wollen  führende Beamte des US-Justizministeriums den Konzern offenbar zu einem radikalen Schritt zwingen lassen: den Verkauf des beliebten Internetbrowsers „Chrome“. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Montag unter Berufung auf mit den Plänen vertraute Personen. Am Mittwoch bestätigte das Ministerium die Nachricht.

Demnach will es den zuständigen Richter Amit Mehta in einem laufenden Kartellverfahren darum bitten, eine Abspaltung von Chrome anzuordnen. Hinzu kommen weitere Maßnahmen, die das Smartphone-Betriebssystem Android sowie Googles Technologien aus dem Bereich Künstliche Intelligenz (KI) betreffen.

Ein Verlust von Chrome wäre für das Unternehmen ein herber Rückschlag. Die Software dominiert mit einem Anteil von 61 Prozent den Markt für Internetbrowser und ist ein zentraler Bestandteil von Googles Kerngeschäft: dem Verkauf von Internetwerbung. Da der Konzern mithilfe von Chrome mehr Daten über seine Nutzer sammeln kann, lassen sich Onlineanzeigen weitaus zielgerichteter und damit effizienter ausspielen. Gleichzeitig fungiert er selbst als Werbewerkzeug, um Googles Angebote zu Künstlicher Intelligenz (Gemini) und E-Mail (Gmail) neue Kunden zuzuführen.

Hintergrund der Entscheidung ist ein Kartellverfahren, das bereits von der ersten Regierung des kommenden US-Präsidenten Donald Trump initiiert wurde. Es gilt als „Prozess des Jahrzehnts“, weil die US-Regierung darin erstmals seit über 20 Jahren einem Unternehmen den illegalen Missbrauch von Marktmacht vorwirft und entsprechend harte Konsequenzen fordert.

Bezirksrichter Mehta folgte Anfang August in seinem Urteil dieser Auffassung: Google habe bei Onlinesuchen und der damit verbundenen Werbung ein illegales Monopol inne, hieß es in einer Mitteilung.

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„Google ist ein Monopolist und hat als solcher gehandelt, um sein Monopol aufrechtzuerhalten“, schrieb der Richter. Als Beispiel führte Mehta die Zahlungen an Smartphone-Hersteller wie Apple an, mit denen Google dafür sorgt, dass die eigene Suchmaschine in den Geräten als Standardoption gesetzt ist. 26 Milliarden Dollar im Jahr soll der Konzern dem Gericht zufolge allein für diese Maßnahme ausgeben. Geht das nach der US-Regierung ist damit nun bald Schluss.

Endgültiges Urteil im kommenden Jahr

Mit seinem Urteil ebnete Mehta den Weg für ein Anschlussverfahren, in dem es um geeignete Maßnahmen geht, Googles Dominanz zu entschärfen. In diesem Zusammenhang stehen die nun berichteten Forderungen des Justizministeriums. Für kommenden April ist diesbezüglich eine weitere Anhörung angesetzt, bevor Mehta im August 2025 das endgültige Urteil fällen will.

Google hatte seinerzeit Berufung eingelegt und widersprach öffentlich den Ansichten des Gerichts. In einer Mitteilung warf die Google-Managerin Lee-Anne Mulholland dem Justizministerium nun vor, eine „radikale Agenda“ zu verfolgen, die Konsumenten Schaden zufüge.

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Google ist eine Tochter des Technologiekonzerns Alphabet und dominiert gleich mehrere entscheidende Märkte der Digitalwirtschaft. Mit seiner Software Android verfügt das Unternehmen über das populärste Smartphone-Betriebssystem. Außerdem kontrolliert es rund 90 Prozent des Marktes für Internetsuchen – trotz wiederholter Versuche etwa von Microsoft, mit seiner Suchmaschine Bing die Dominanz zu brechen. Auch KI-Start-ups wie OpenAI oder Perplexity versuchen hier einstweilen erfolglos, sich substanzielle Umsätze zu sichern.

Googles Macht war auch im jüngsten Präsidentschaftswahlkampf Thema. So hatten sich Donald Trump und sein designierter Vizepräsident J. D. Vance mehrmals kritisch geäußert. Vance forderte zudem explizit, den Konzern „aufzubrechen“.

Rund zwei Drittel von Googles Einnahmen stammen aus Werbeanzeigen, die neben Suchresultaten platziert werden. 2023 setzte der Konzern damit 238 Milliarden Dollar um, während sich der Gesamtumsatz auf rund 306 Milliarden Dollar belief.

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Erstpublikation: 19.11.2024, 03:26 Uhr.

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