Telekommunikation: Telekom-Chef Höttges lobt seinen Fortschritt – doch die Aktie gibt nach
Hamburg. Das Geschäft der Deutschen Telekom wächst weiter – auf beiden Seiten des Atlantiks. Wie aus den am Freitag mitgeteilten Jahreszahlen für 2023 hervorgeht, konnte der Konzern in den USA seit 2022 fast 5,66 Millionen neue Mobilfunkkunden gewinnen, in Deutschland und Europa waren es fast zwei Millionen.
Chef Timotheus Höttges bat bei der Bilanzpressekonferenz darum, sich mit ihm und der Telekom darüber zu freuen. „Entspannen Sie sich“, rief er den anwesenden Journalisten zu. Die folgende Präsentation rahmte Höttges als Bilanz seiner Amtszeit – und forderte, wie bei seinen öffentlichen Auftritten üblich, mit drängender Stimme die Anerkennung der Öffentlichkeit ein.
„Wir wollen der Stabilitätsanker der westlichen Welt sein“, sagte er am Freitag.
Er habe vor zehn Jahren eine abgehängte wie unzuverlässige Telekom übernommen, erinnerte Höttges zu Beginn seiner Ausführungen. „Wir hatten ein gravierendes Imageproblem.“
Gemeinsam mit seinem Team habe er aus dem „Beamtenladen“ den erfolgreichsten und wertvollsten Telekommunikationskonzern der Welt gemacht. „Ein langer, steiler Weg“, betonte der Telekom-Chef. Er bot demjenigen „eine Flasche Bier“, der ihm ein deutsches Unternehmen zeigen könne, das in dieser Zeit mehr investiert habe.
Mehr Tempo beim Glasfaserausbau
Die jüngsten Zahlen stützen seine These, doch im Detail verlief das letzte Jahr durchwachsen. Das Geschäft in den USA ist nach wie vor der Gewinnbringer des Konzerns. Doch auch in Deutschland kann Höttges Erfolge verkünden. Während Konkurrenten wie Vodafone hier mitunter mit argen Problemen kämpfen, konnte die Telekom in ihrer Heimat den Umsatz (plus 3,6 Prozent) sowie den bereinigten Vorsteuergewinn steigern (plus 4,2 Prozent). Trotz einer vergleichsweise üppigen Kostenstruktur.
Die Anzahl der an das deutsche Glasfasernetz angeschlossenen Kunden nahm im Jahresvergleich von 704.000 auf 998.000 zu. Laut Finanzvorstand Christian Illek sind es mittlerweile mehr als eine Million. Beim Glasfaserausbau will Höttges das Tempo mindestens halten. Er würde gern drei Millionen zusätzlichen Haushalten im laufenden Jahr die Möglichkeit bieten, einen Glasfaseranschluss der Telekom zu buchen, sagte er – versprochen sei jedoch lediglich der Ausbau von 2,5 Millionen zusätzliche Haushalten. Dort wird Glasfaser dann allerdings nur bis an die Straße verlegt sein. Erst nach der Buchung würden die Häuser auch tatsächlich angeschlossen.
Bei Umsatz und Gewinn machten sich Wechselkurs- und Zinseffekte sowie die Auswirkungen des Teilverkaufs des Funkturmgeschäfts besonders bemerkbar. Sie führten sie zu Zuwächsen oder Verlusten – je nach Betrachtungsweise.
So stieg der um Währungs- und andere Effekte bereinigte „organische“ Umsatz um 0,6 Prozent auf 112 Milliarden Euro. Bei den besonders relevanten Service-Umsätzen ergab sich so ein Zuwachs von 3,6 Prozent auf 92,9 Milliarden Euro. Beim bereinigten Ergebnis vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und nach Leasingkosten (Ebitda AL) weist die Telekom ein Plus von 0,7 Prozent auf 40,5 Milliarden Euro aus.
Konventionell gerechnet fiel der Umsatz indes im Jahresvergleich um 2,1 Prozent und der um Sonderfaktoren bereinigte Nettogewinn gar um 12,6 Prozent auf rund acht Milliarden Euro. Das vierte Quartal 2023 schloss die Telekom mit einem Fehlbetrag von einer Milliarde Euro ab. Der Schuldenstand sank dennoch um 7,1 Prozent auf 132 Milliarden Euro – vor allem, weil das Unternehmen seine Effizienz in den USA weiter gesteigert hat.
T-Mobile hatte sich 2020 mit dem ehemals vierten US-Mobilfunkanbieter Sprint zusammengeschlossen und in der Folge Tausende Arbeitsplätze abgebaut. „Jetzt wo die Integration von Sprint abgeschlossen ist, zeigen sich die Plattformvorteile“, sagte Höttges. Bei T-Mobile sind die Investitionen (Cash capex) um zehn Milliarden Euro zurückgegangen. Damit stiegen auch freie Barmittel (Free Cashflow) der Telekom um mehr als 40 Prozent auf 16,1 Milliarden Euro.
„Wir wollen 2024 noch eine Schippe drauflegen“
In die Zukunft blickt das Management gewohnt zuversichtlich. „Wir trauen uns zu, 2024 noch eine Schippe draufzulegen“, sagte Höttges. Ein einstweilen befürchteter Einbruch des wichtigen US-Geschäfts ist bislang nicht zu erkennen. So stellte Höttges für 2024 einen Anstieg des Betriebsergebnisses um sechs Prozent auf 42,9 Milliarden Euro in Aussicht. Der für die Berechnung der Dividende besonders relevante Free Cashflow soll um 16 Prozent auf 18,9 Milliarden Euro zunehmen. „Wir haben Hunger auf mehr Marktanteile“, sagte er.
Hinsichtlich der im März beginnenden Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi blieb Höttges bei seinen bekannten Aussagen: Er betonte das gute Miteinander im Konzern, verwies aber auch auf die hohen Kosten und den großen Investitionsdruck in Deutschland.
Im vergangenen November hatte die Telekom angekündigt, die Dividende um zehn Prozent auf 0,77 Euro je Aktie anzuheben. Darüber hinaus plante der Konzern, Aktien im Wert von zwei Milliarden Euro zurückzukaufen.
Der Anteil an der erfolgreichen US-Tochter T-Mobile war zum Jahresende aufgrund einer Anteilsausschüttung an die japanische Softbank zurückgegangen. Zuletzt betrug er noch 50,7 Prozent, wie die Telekom am Freitag ebenfalls mitteilte.
Die T-Aktie gab nach Verkündung der Zahlen am Freitag um mehr als zwei Prozent auf 21,80 Euro nach.