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Vision HealthBoehringer Ingelheim will App zum Inhalieren vertreiben

Im Rahmen einer Kooperation sollen Vertriebsmitarbeiter von Boehringer Ingelheim die App Ärzten empfehlen. Zuvor soll die App aber noch als digitale Gesundheitsanwendung zertifiziert werden.Britta Rybicki 13.07.2022 - 20:45 Uhr Artikel anhören

Die Geschäftsleitung des Unternehmens, Philipp Kroneberg und Sabine Häussermann.

Foto: Unternehmen

Düsseldorf. Viele Menschen mit chronischen Lungenkrankheiten inhalieren falsch. Etwa Patienten mit COPD oder Asthma nehmen deswegen im Schnitt nur die Hälfte der bestmöglichen Dosis ihres Medikamentes auf. Die Folge: Die Medikamente wirken nicht richtig. Zu diesen Ergebnissen ist eine Studie mit 23 Teilnehmern der Rice University in Texas gekommen.

Sabine Häussermann hat mit ihrem Team eine App entwickelt, die die Inhalation auswertet und Fehler meldet. Das Unternehmen hinter der Software namens Vision Health hat sie 2017 gegründet und brachte zwei Jahre später die erste App auf den Markt. Seit Mai 2021 wird eine neue Version in Pilotprojekten mit 1000 Teilnehmerinnen getestet. Nun startet die Zusammenarbeit mit dem deutschen Pharmakonzern Boehringer Ingelheim (BI).

Damit Vertriebsmitarbeiter von BI Ärzten künftig auch Vision Health vorstellen können, soll die App zunächst als digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gelistet werden. Dann bekommen gesetzliche Versicherte die Kosten von ihren Krankenkassen erstattet. Die App der Münchner wird derzeit in einer Studie bewertet, um über das Fast-Track-Verfahren in das DiGA-Verzeichnis aufgenommen zu werden. Können Ergebnisse vorgelegt und weitere Bedingungen erfüllt werden, folgt der DiGA-Status für ein Jahr.

Algorithmus mit 30.000 Datensätzen trainiert

Das neue Siegel eröffne auch neue Kapitalströme, sagt Gründerin Häussermann. Bislang in das Start-up finanziert sind Business Angels und Privatinvestoren. „Institutionelle Investoren werden vermutlich erst einsteigen, wenn wir vorübergehend im DiGA-Verzeichnis gelistet sind“, ergänzt sie. Mit der Aufnahme rechnet sie bis Mitte des kommenden Jahres. Heute beschäftigt Vision Health zwölf Mitarbeiter, neben Häussermann ist Philipp Kroneberg Teil der Geschäftsführung und seit der Gründung als Ideengeber am Unternehmen beteiligt.

Beide haben zuvor als Ingenieure in der Medizintechnikbranche gearbeitet. Das Besondere an ihrer App ist der Algorithmus, der mit rund 30.000 Datensätzen trainiert wurde. Per Video über das Smartphone analysiert dieser die Inhalation. Bei Fehlern wird Anwendern über eine Schablone im Video gezeigt, wie sie die Inhalation mit der sogenannten Dosieraerosole richtig ausführen. Darüber hinaus können sie in der App eine Erinnerung einstellen und in einem Tagebuch ihren Krankheitsverlauf festhalten.

Millionen Inhalationsgeräte in Deutschland im Einsatz

Für Menschen mit Lungenerkrankungen gehört das Inhalationsgerät zur Standardtherapie dazu. 3,5 Millionen Patientinnen in Deutschland nutzen laut AOK ein solches Gerät. Das Medikament befindet sich in dem Gerät zusammen mit Treibgasmittel in einem Druckbehälter und wird über einen Sprühstoß in die Lunge eingeatmet. Den Studienergebnissen der Rise University zufolge ist es keinem Teilnehmer gelungen, das Inhalationsgerät richtig anzuwenden. Drei von vier Patienten haben etwa Empfehlungen, wie das Gerät vor der Benutzung zu schütteln, vergessen.

Sven Jungmann ist Geschäftsführer des Berliner Start-ups Halitus. Das Medizingerät des Start-ups misst den Atem, um Biomarker für Krankheiten wie Schlaganfälle zu identifizieren. Zuletzt wurde die Anwendung mit dem Innovationspreis des Pharmaunternehmens Novartis ausgezeichnet.

Patienten brauchen App schnell nicht mehr

Jungmanns Einschätzung nach hat das Geschäftsmodell von Vision Health einen betriebswirtschaftlichen Haken: die Patientengruppe. Insbesondere COPD-Patienten täten sich häufig schwer damit, ihren Lebensstil umzustellen und regelmäßig zu inhalieren. „Wenn die richtige Anwendung erlernt ist, brauchen die meisten Patienten auch keine begleitende App mehr“, sagt er. Krankheitstagebücher und Medikationserinnerung müssten zudem einen größeren Nutzen für Patientinnen haben als sie Arbeitsaufwand seien. „Meiner Einschätzung nach ist das bei Vision Health nicht unbedingt der Fall“, ergänzt er.

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