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Tech-ClusterIn Paris haben Tech-Firmen politische Priorität

Paris macht es Start-ups leicht: Spitzenunis bilden Tech-Talente aus, der Finanzplatz verbindet Gründer mit Investoren. Eine besondere Rolle als Business Angel aber spielt der Staat.Gregor Waschinski 24.05.2025 - 10:04 Uhr Artikel anhören
Emmanuel Macron: Der französische Präsident umringt von Gründern in der Station F in Paris. Foto: picture alliance / MAXPPP

Paris. Die Station F, eine ehemalige Umschlagshalle auf einem Güterbahnhof, beherbergt heute den wichtigsten Tech-Campus in Paris. Hier steigt Emmanuel Macron auf die Bühne. Am Revers seines Sakkos steckt ein leuchtend roter Hahn, das Logo der staatlichen Förderagentur „La French Tech“. In diesen Momenten ist Macron nicht nur Frankreichs Präsident, sondern auch der von ihm ausgerufenen „Start-up-Nation“.

„Wir haben ein formidables Ökosystem“, sagte er vor den Gründern, die dort im Februar zusammengekommen sind. Macrons Botschaft an diesem Tag: „Träumt weiter groß, seid weiter innovativ!“ Die Regierung werde dafür „weiter alle Mittel bereitstellen“.

Paris ist der nach London zweitwichtigste Tech-Standort in Europa. Ein zentraler Grund: Die Szene in Frankreich hat zuletzt wie wohl in keinem anderen europäischen Land von politischer Unterstützung profitiert.

Neuer Gründergeist in Frankreich und Paris

„Viele Gründer und junge Franzosen haben heute den Eindruck, dass man auch in Frankreich tolle Tech-Firmen aufbauen kann“, sagt Cédric O, der von 2019 bis 2022 Macrons Digitalminister war. „Das hat natürlich mit der Standortpolitik zu tun. Frankreich ist dadurch auch für viele amerikanische Investoren attraktiv geworden.“

O hat inzwischen die Rollen gewechselt: Der 42-Jährige ist Mitgründer des Start-ups Mistral, dem wohl aussichtsreichsten Akteur im Bereich der KI-Sprachmodelle aus Europa. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt er, was den Tech-Boom in seiner Stadt ausmacht.

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„Zunächst einmal ist da die Qualität unserer Hochschulen für Informatik und Mathematik“, sagt O. Von Spitzenunis wie der École Polytechnique oder Mines ParisTech kommen die Absolventen mit einem Know-how, das den Anforderungen im Bereich der KI perfekt entspricht.

Cédric O (links): Vom Digitalminister zum erfolgreichen Gründer. Foto: HAMILTON/REA/laif

Auch hier verfolgt der Staat eine Strategie: Im Pariser Vorort Saclay entsteht ein Forschungscluster, in dem vor allem beim Zukunftsfeld KI die Kompetenzen der klügsten Köpfe gebündelt werden sollen. Macrons Regierung setzte sich außerdem dafür ein, dass amerikanische Tech-Riesen wie Google und Meta in Paris Ableger ihrer Forschungs- und Entwicklungsabteilungen eröffnen.

„Ich erinnere mich daran, dass damals viele Leute befürchtet haben, dass uns dadurch die Talente geklaut werden“, sagt O. Stattdessen aber habe man so den Draht zu vielen Toptalenten halten können, die sonst vielleicht dauerhaft ins Silicon Valley abgewandert wären.

Mehr Möglichkeiten für Risikokapital

Das wohl prominenteste Beispiel ist Arthur Mensch, einer der Mitgründer von Mistral und Vorstandschef des mit sechs Milliarden Euro bewerteten ChatGPT-Rivalen aus Frankreich. Mensch studierte an der École Polytechnique. Vor dem Start von Mistral im April 2023 verbrachte er drei Jahre bei Googles KI-Tochter Deepmind. Zwei weitere Mitgründer, Guillaume Lample und Timothée Lacroix, waren vorher bei Meta.

O weist auch auf einen Wandel in der Finanzbranche in Paris hin. Die Start-ups hätten von der Hauptstadt als internationales Bankenzentrum lange nicht profitiert, sagt er. „Es war ein Finanzplatz für die großen Unternehmen, die Kultur des Risikokapitals war kaum ausgeprägt.“ Das sei anders geworden.

Nicht nur große amerikanische Venture-Capital-Fonds wie Sequoia sind in Paris vertreten. Französische Investmentfirmen wie Eurazeo oder Partech spielen eine ebenso wichtige Rolle als Geldgeber für heimische Gründer wie die staatliche Förderbank Bpifrance.

Vor allem habe es aber einen Mentalitätswandel bei jungen Franzosen gegeben, sagt O. Vor zwei Jahrzehnten noch, als er an der renommierten Pariser Wirtschaftsuniversität HEC studierte, hätten die meisten Topabsolventen eher von einer Karriere bei McKinsey oder Goldman Sachs geträumt. Auch er. Das habe sich geändert, es gebe eine „neue Dynamik für Unternehmer“.

Die „French Tech“ zählt inzwischen mehr als 25.000 Start-ups, wichtig sind dabei Bereiche wie KI, Biotech, Greentech, Fintech oder Healthcare. Mehr als 40 von ihnen erreichten den Status des „Einhorns“ mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde US-Dollar. Dazu zählt auch das Gesundheits-Start-up Doctolib, das in Deutschland seit der Vermittlung von Corona-Impfterminen bekannt ist und über das so gut wie jede Arztpraxis heute Termine vergibt.

2024 haben französische Start-ups 7,1 Milliarden Euro an Kapital eingesammelt. Drei Prozent mehr als 2023, allerdings auch etwa ein Drittel weniger als im Rekordjahr 2022. Fast 80 Prozent des Risikokapitals floss 2024 in Start-ups mit Sitz in Paris. In der Hauptstadt konzentriert sich Frankreichs Tech-Branche.

Frage nach Macrons Erbe

O hofft, dass die von Macron seit 2017 umgesetzte Tech-Politik auch nach dem Ende von dessen Amtszeit in zwei Jahren fortgesetzt wird. „Es wurden sehr wichtige Grundlagen geschaffen“, sagt er. „Das Ökosystem bleibt aber noch fragil.“

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Vor allem die Abhängigkeit von ausländischem Kapital sei ein großes Problem. O fordert: „Hier müssen wir eine Strategie für eine größere Unabhängigkeit von Frankreich und von Europa finden.“

Erstpublikation: 22.05.2025, 16:14 Uhr.

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