One Touch Football: „Wir sind Investoren für Klubs, die keinen Investor wollen“
Partie in der Dritten Liga: One Touch Football plant den Einstieg bei europäischen Klubs aus der zweiten oder dritten Reihe.
Foto: IMAGO/Dennis HetzscholdMünchen. Im Fußball gehört der SV Werder Bremen zu den Traditionsklubs, die ans Herz und Gemüt gehen. Das war 2021 auch beim langjährigen Banker Lars Hülsmann und dem damaligen Aufsichtsratschef Marco Bode so. Mitten in der Pandemie brachten sie gemeinsam erfolgreich eine Werder-Anleihe auf den Weg.
Nun arbeiten der in Bremen geborene Finanzmann und der Ex-Nationalspieler an einem weitaus ehrgeizigeren Plan. Dieser soll Investoren Rendite und den Fußballligen mehr Chancengleichheit bringen. Ihre börsennotierte Firma One Touch Football (OTF) will sich kleineren Fußballvereinen in Europa gegen Beteiligung und Gebühr als Aufbauhelfer andienen. „Wir sind so etwas wie Investoren für Klubs, die keinen Investor wollen“, sagte Vorstandschef Hülsmann im Gespräch mit dem Handelsblatt.
Im europäischen Fußballgeschäft gewinnen Investoren immer stärker an Bedeutung. Hülsmann sieht hier vor allem Geldgeber in den USA auf dem Vormarsch. Arabischen Staatsfonds oder Konzernen wie Red Bull gehe es dagegen eher ums Image, Russen und Chinesen seien ganz raus aus dem Geschäft. In diesem Feld will der designierte „Multi-Club-Owner“, dem konkret noch Kapital und Klubs fehlen, kräftig mitmischen.
Dem Duo schwebt eine Art sanfter Fußball-Kapitalismus vor. „Wir wollen“, sagt Vizeaufsichtsratschef Bode, „die weitere Professionalisierung der Branche mit vorantreiben.“ In der vergangenen Woche warben sie auf einer Münchener Kapitalmarktkonferenz um Investoren. Sie sollen in zwei Schritten per Kapitalerhöhung bis zu 100 Millionen Euro ins Unternehmen pumpen.
So ausgestattet will One Touch Football mittelfristig bei rund sechs Vereinen mitmischen – in Deutschland an einem Klub der zweiten oder dritten Liga, in anderen europäischen Ländern wie Österreich, Belgien oder Schweden könnten auch Erstligisten dabei sein. Maximalsumme pro Investment: 25 Millionen. Es gebe bei den Klubs einen „wachsenden Bedarf an Eigenkapital und ,Added Value‘-Investoren“, heißt es in der Präsentation.
Lars Hülsmann (l.) und Marco Bode: „Wir wollen die weitere Professionalisierung der Branche mit vorantreiben.“
Foto: HandelsblattMit zwei Vereinen seien die Gespräche schon sehr „weit gediehen“, erklärt Bode. Es gebe eine „Pipeline“ möglicher Partnerklubs, man lege Wert auf ein „Netzwerk ohne Hierarchie“. Alles werde im Einklang mit den verschiedenen Interessengruppen der Klubs unternommen – „es ist zum Beispiel essenziell, die Fans mitzunehmen“, sagt Bode. Wichtig sei eine frühzeitige Kooperationsvereinbarung mit den Klubs, die die Geldverwendung klar regelt, sagt Hülsmann.
Im harten Wettbewerb der Geldgeber um die richtigen Klubs sieht sich die Firma dank hoher Kompetenz im Vorstand, im Aufsichtsrat und bei Experten gut positioniert. Im Sommer 2023 hatten 23 Investoren insgesamt 800.000 Euro zur Anschubfinanzierung aufgebracht. Allein 250.000 Euro kamen von Aufsichtsratsmitglied Michael Föcking, einem früheren Manager der Private-Equity-Firma EQT.
Auch etliche Topanwälte der internationalen Kanzlei Pinsent Masons zeichneten Anteile, mit Thomas Mayrhofer kommt der Aufsichtsratschef aus diesem Kreis. Pinsent Masons hat etwa vor einigen Wochen den britischen Erstligisten Everton FC bei einem Gesellschafterwechsel beraten.
Gemeinsam haben die Partner dann den Börsenmantel Optal-Mology gekauft und in die One Touch Football AG umgewandelt. Der Vorstand um CEO Hülsmann und Finanzchef Jan Lehmann, einst bei McKinsey und dem 1. FSV Mainz 05 aktiv, warf eine Marketing- und Informationskampagne an. Für den vakanten Posten des Sportvorstands böte sich Boris Notzon, ehemals beim 1. FC Kaiserslautern tätig, an, der offiziell als „Sport-Consultant“ geführt wird.
One Touch Football hofft auf steigende Bewertungen bei sportlichem Erfolg
Im Aufsichtsrat sitzen etwa Katja Kraus, einst Vorständin beim Hamburger SV, der Einkaufspreisexperte Gerd Kerkhoff und Florian Kainz, Chef des Internationalen Fußball-Instituts. Auf diese Weise sollen ökonomisches Know-how, Digitalisierung und Diversität – Stichwort Frauenfußball – der betreuten Klubs verbessert werden.
Nach rund fünf Jahren als begleitender Partner will OTF von erzielten Umsatzzuwächsen der Vereine profitieren. So würde zum Beispiel ein Drittligist nach dem Aufstieg in die zweite Liga nicht mehr nur rund 1,3 Millionen Euro aus der TV-Vermarktung kassieren, sondern rund 12,5 Millionen. Das soll sich, so der Plan, bei einem Exit in einer deutlich höheren Bewertung niederschlagen.
Als Käufer der Anteile kämen dann Finanzinvestoren, strategische Investoren (etwa lokale Sponsoren), die Klubs selbst per Rückkaufoption oder ein Börsengang in Betracht. In Dänemark können Anleger bereits von jedem zweiten Erstligisten Aktien handeln, in Deutschland ist das bisher nur bei Borussia Dortmund und der SpVgg Unterhaching möglich.
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Mit der Idee, in die zweite Reihe des europäischen Fußballs zu investieren, sind Bode und Hülsmann aber nicht allein. So stieg Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger mit seiner Firma Strategy Excellence 22 für rund zwei Millionen Euro mit 20 Prozent beim dänischen Erstligisten Aalborg BK ein.
Der langjährige Fußballfunktionär Robert Schäfer, einst Chef von Fortuna Düsseldorf, späht mit RTC Management & Sport überall in Europa nach Mehrheitsbeteiligungen. Sein erster Erfolg: der Kapfenberger SV. Der österreichische Zweitligist schaffte es jüngst mit einem Video aus der Kabine („Falkentanz“) zum globalen Social-Media-Hit.
„Wir bringen zwei Welten zusammen“
OTF muss – wenn das Investorengeld fließt – erst mal vergleichbar gute Klubs für sich gewinnen. In der Szene ist etwa die Rede von einem Drittligisten wie Preußen Münster. Noch liegt der Börsenkurs bei überschaubaren 1,80 Euro.
Die eigene Plattform müsse einen Spagat bewältigen, erklärt Vorstandschef Hülsmann: Selbst sei man ein Start-up, habe es gleichzeitig aber mit ganz alten Vereinen zu tun, die teilweise vor 130 Jahren entstanden sind. „Wir bringen zwei Welten zusammen – die des Fußballs und die der Finanzen.“
Das Selbstbild ist das eines „begleitenden Partners der Vereine, der helfen kann, die Klassenunterschiede zu verringern“. Es sei bemerkenswert, dass in der deutschen Bundesliga 2022/23 Rekordmeister Bayern München mit rund 850 Millionen Euro mehr als zehnmal so viel erlöste wie das letztjährige wirtschaftliche Schlusslicht VfL Bochum, erklärt Hülsmann.
Insgeheim hegt der Finanzspezialist schon sehr viel weitreichendere Pläne. Mittelfristig könne man auch in einem der größeren Märkte wie Frankreich bei einem unterentwickelten, chancenreichen Erstligaklub einsteigen – mit dann mehr als 100 Millionen Euro, sagt Hülsmann. Für solche Kraftanstrengungen aber müsste es aber erst einmal glücken, genügend Geld für die erste Angriffswelle zu haben.