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Energie

Börsengang Siemens Energy geht mit roten Zahlen an die Börse – bleibt aber schuldenfrei

Der Technologiekonzern schickt seine Energiesparte solide ausgestattet in den Börsengang. Die Eigenkapitalquote ist höher als bei der verbleibenden Siemens AG.
26.05.2020 - 15:03 Uhr Kommentieren
Die neue Siemens Energy ist in der Erzeugung, dem Transport und der Speicherung von Energie aktiv. Ende September soll der Ableger an die Börse. Quelle: Juergen Loesel / VISUM
Turbinenfertigung bei Siemens in Görlitz

Die neue Siemens Energy ist in der Erzeugung, dem Transport und der Speicherung von Energie aktiv. Ende September soll der Ableger an die Börse.

(Foto: Juergen Loesel / VISUM)

München Der neue Energiekonzern Siemens Energy strebt mit roten Zahlen an die Börse. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres machte die Sparte Verluste, geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Spaltungsbericht hervor. Doch hat der Traditionskonzern den Energie-Ableger finanziell solide ausgestattet. Die Eigenkapitalquote von Siemens Energy ist höher als die der künftigen Siemens AG. In den Aufsichtsrat des neuen Unternehmens soll auch Ex-Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) einziehen.

Die Aufteilung des Unternehmens ist der Höhepunkt des bislang radikalsten Konzernumbaus. Die Erstnotiz an der Börse soll trotz der Unsicherheit an den Kapitalmärkten wegen der Corona-Pandemie am 28. September erfolgen. Damit werde ein „wesentlicher Meilenstein der Neuausrichtung erreicht, die die Siemens-Unternehmen auf die gewaltigen technologischen Transformationen vorbereitet“, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser.

Mit der Aufspaltung trennt sich Siemens von etwa 40 Prozent des Umsatzes - und von einem Teil seiner historischen Wurzeln. Siemens Energy erzielte mit 91.000 Mitarbeitern zuletzt Erlöse in Höhe von rund 29 Milliarden Euro. Ex-Linde-Manager Christian Bruch, der das neue Unternehmen führt, sagte: „Die globalen Energiemärkte befinden sich in einem fundamentalen Wandel.“ Die Nachfrage nach bezahlbarer und verlässlicher Energie steige weiter an. Siemens Energy decke die gesamte Wertschöpfungskette ab, von der Energieerzeugung über den Transport bis zur Speicherung.

Siemens wird zunächst 45,1 Prozent der Anteile behalten. Davon sollen aber 9,9 Prozent im Pensionsfonds des Industriekonzerns geparkt werden. Zieht man diese ab, wird Siemens zunächst gut 35 Prozent behalten. Diese Beteiligung soll dann in den nächsten anderthalb Jahren weiter abgeschmolzen werden.

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    Der Börsengang erfolgt im Zuge eines Spinoffs. Konkret sollen die Anteilseigner der Siemens AG erhalten für je zwei Aktien je eine Siemens-Energy-Aktie automatisch ins Depot gebucht bekommen.

    In Konzernkreisen richtet man sich auf eine schwierige Startphase an der Börse ein. Denn nicht jeder Siemens-Aktionär wird die Anteile an dem Energietechnik-Unternehmen behalten wollen.

    Problematisches Onshore-Geschäft

    Zudem laufen die Geschäfte weiter schwierig. In der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres habe das operative Geschäft des zukünftigen Siemens-Energy-Konzerns „einen negativen Ergebnisbeitrag“ geliefert, heißt es im Spaltungsbericht. Unter dem Strich stand auch wegen Steuereffekten im Zuge der Teilung sogar ein Verlust nach Steuern von 337 Millionen Euro. Schlecht lief vor allem das Onshore-Geschäft beim Erneuerbare-Energien-Spezialisten Siemens Gamesa.

    Mit Spannung war erwartet worden, wie die Kapitalausstattung von Siemens Energy aussehen wird. „Siemens Energy ist nicht nur operativ und strategisch, sondern auch finanziell hervorragend aufgestellt“, sagte Siemens-Finanzvorstand Ralf Thomas. Die Eigenkapitalquote von Siemens Energy lag Ende März bei 37,8 Prozent. Zum Vergleich: Bei der künftigen Siemens AG sind es 30,7 Prozent.

    Zudem wurde Siemens Energy mit 6,2 Milliarden Euro Liquidität ausgestattet. Davon werden 4,1 Milliarden Euro bis zur Abspaltung zur Begleichung von Verbindlichkeiten gebraucht. Finanzschulden hat die neue Siemens Energy nicht.

    Der neue Energietechnik-Konzern wird von Ex-Linde-Manager Christian Bruch geführt. Ursprünglich sollte Siemens-Vorstand Michael Sen CEO von Siemens Energy werden. Doch nahm der nach einem Machtkampf um die Modalitäten der Trennung im Frühjahr überraschend seinen Hut.

    Aufsichtsratschef soll Joe Kaeser werden, der den Vorstandsvorsitz bei der Siemens AG spätestens Anfang 2021 an seinen Vize Roland Busch abgibt. In das Kontrollgremium von Siemens Energy sollen zudem unter anderem Siemens-Finanzvorstand Thomas und Matthias Rebellius einziehen, der die Gebäudetechnik von Siemens operativ führt. Zudem sollen unter anderem Christine Bortenlänger und Hubert Lienhard Aufsichtsräte werden.

    Bei den Beschäftigten von Siemens Energy herrscht vorsichtiger Optimismus. In den vergangenen Jahren sei vor allem die Kraftwerkssparte ein reiner Restrukturierungsfall gewesen, sagt ein Arbeitnehmervertreter. „Jetzt gibt es Hoffnung auf eine Zukunftsperspektive.“

    Neue Hoffnung in Görlitz

    Darauf hoffen auch die Beschäftigten in Görlitz. Kaeser hatte das Turbinenwerk in der strukturschwachen Region einst dichtmachen wollen. Nach heftigen Protesten wurde der Standort aber vorerst gerettet. Die Beschäftigten vor Ort hoffen, dass der Standort vor allem beim großen Zukunftsthema Wasserstoff eine zentrale Rolle spielen kann. Geplant ist im Rahmen eines Zukunftspakts unter anderem ein Wasserstoff-Testzentrum.

    Noch gibt es allerdings Sorgen, dass sich andere Standorte von Siemens Energy beim Thema Wasserstoff durchsetzen könnten. „Es gibt noch immer Ängste, dass Görlitz zu kurz kommen könnte“, sagt ein Insider. Vor Ort versuchen die Siemensianer daher vor allem, die sächsische Regierung einzubinden, damit Görlitz ein wesentlicher Baustein in der Wasserstoff-Strategie des Landes wird.

    Siemens insgesamt kommt bislang noch vergleichsweise robust durch die Krise. Im Kerngeschäft der verbleibenden Siemens AG stagnierte der Umsatz im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2019/20 (30. September) - also von Januar bis März - bei 14,2 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis der industriellen Geschäfte sank um 18 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro.

    Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr kassierte Kaeser. Er hofft aber, dass im laufenden dritten Quartal der Tiefpunkt der Krise erreicht wird. „Kurz vor der Dämmerung ist die Nacht am dunkelsten“, sagte er.

    Die verbleibende Siemens AG wird sich künftig auf das Geschäft mit der Automatisierung und der Digitalisierung der Industrie, auf die intelligente Infrastruktur mit der Gebäudetechnik, auf die Medizintechnik-Tochter Healthineers und die Bahntechnik konzentrieren. „Damit wird Siemens schwankungsanfälliger, aber auch margenstärker“, meint ein Insider.

    Denn die Energietechnik, die in früheren Jahren sehe ertragsstark war, hatte zuletzt nur noch sehr niedrige Margen erzielt. Dafür verantwortlich war vor allem der Einbruch des Markts für große Gasturbinen. In Zeiten der Energiewende sind vor allem kleinere, dezentrale Lösungen gefragt. Lange war das nicht die Stärke von Siemens.

    Mehr: Dieser Manager soll den neuen Energietechnik-Riesen führen.

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