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EnergieEon-Chef hat „überhaupt keine Lust“ auf Merz' Atomkraft-Plan

Der CDU-Chef hat ein Rückbau-Moratorium für Kernkraftwerke ins Spiel gebracht. Eon-Chef Birnbaum hält davon wenig. Gleichzeit gerät der Konzern in der Energiewende in eine schwierige Lage.Catiana Krapp 28.02.2025 - 08:09 Uhr Artikel anhören
Leonhard Birnbaum: Der Eon-Chef mahnt bei der Präsentation seiner Jahreszahlen Fortschritte in Deutschland an. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Essen. Der Chef des Essener Energiekonzerns Eon hat sich klar gegen ein Moratorium beim Rückbau von Atomkraftwerken in Deutschland ausgesprochen. Bei einer Präsentation seiner Geschäftszahlen am Mittwoch in Essen sagte der Vorstandsvorsitzende Leonhard Birnbaum: „Von einem Rückbaumoratorium halte ich gar nichts.“

Birnbaum sagte, er könne seinen Mitarbeitenden nicht sagen: „Legt euch noch mal für zwei Jahre in die Hängematte, bis sich irgendjemand in Berlin auf irgendetwas geeinigt hat.“ Er machte klar: „Wir wollen ganz klar zurückbauen. Und wir haben überhaupt keine Lust auf Verzögerungen aus dem politischen Raum.“ Das Thema Kernenergie hätte man 2016 diskutieren können, aber nicht mehr im Jahr 2025.

Hintergrund der Aussagen ist eine Ankündigung des designierten Bundeskanzlers Friedrich Merz. Der hatte am Montag auf einer Pressekonferenz gesagt: „Wir alle wissen, dass man ein Kernkraftwerk nicht wie eine Schreibtischlampe an- und ausschalten kann.“ Und: „Dass man hier zu einem Abbau-Moratorium kommt, ist aus meiner Sicht notwendig.“

Deutschland hat im April 2023 seine letzten drei Atomkraftwerke stillgelegt. Seitdem sind die Betreiberunternehmen mit dem Rückbau der alten Meiler beschäftigt. Eines der drei letzten Kraftwerke – Isar 2 – gehörte der Eon-Tochter Preussen Elektra.

Eon kommt in der deutschen Energiewende in eine zunehmend schwierige Position: Der Konzern bezeichnet sich gerne als „Spielmacher der Energiewende“. Eon ist Deutschlands größter Betreiber von Gas- und Stromnetzen und zugleich der wichtigste Lieferant von Strom und Gas für Energiekunden.

Doch die Milliardeninvestitionen, die Eon in seine Stromnetze tätigt, um die Energiewende zu ermöglichen, machen zunächst einmal den Strom teuer. Denn die Kosten für den Stromnetzausbau werden auf die Stromkunden umgelegt. So schafft Eon gezwungenermaßen selbst die Akzeptanzprobleme, vor denen der Konzern regelmäßig warnt: nämlich, dass die Energiewende zu teuer wird.

Stromkosten als große Herausforderung für die nächste Bundesregierung

Für das abgelaufene Geschäftsjahr legte Eon solide Zahlen vor: Der Konzern hat einen Überschuss von 2,9 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag bei neun Milliarden Euro. Beide Kennzahlen fallen etwas niedriger aus als im Vorjahr, da Eon vor allem im Geschäft mit den Energiekunden aufgrund der gesunkenen Energiepreise weniger verdiente. Für das laufende Jahr geht Eon aber wieder von einem steigenden Vorsteuergewinn aus.

Zudem will Eon seine geplanten Investitionen im Zeitraum 2024 bis 2028 um eine Milliarde Euro auf 43 Milliarden Euro erhöhen. Davon sollen 35 Milliarden Euro in Stromnetzinfrastruktur fließen. Die zusätzliche Milliarde ist frei geworden, weil Eon schneller als erwartet alte Gasnetze abschreiben konnte, die im Zuge der Energiewende künftig nicht mehr benötigt werden.

Für Verbraucher und Politik ist das eine zwiespältige Nachricht. Zum einen ist der Ausbau von Stromnetzen für die Energiewende wichtig, um neue Solaranlagen, Windräder und Ladesäulen anzuschließen. Andererseits aber werden die Kosten des Netzausbaus auf die Stromkunden umgelegt – und machen den Strom teurer.

Bereits seit Anfang dieses Jahres sind die Stromkosten aufgrund steigender Stromnetzentgelte im Schnitt um 6,65 Cent pro Kilowattstunde (kWh) gestiegen. Insgesamt kostete eine kWh im Februar laut dem Vergleichsportal Check24 durchschnittlich 26,5 Cent.

Die Entwicklung ist eine große Herausforderung für die nächste Bundesregierung. Die CDU hatte kürzlich in einem Sofortprogramm für die Zeit nach der Bundestagswahl angekündigt, Strom günstiger zu machen, indem sie Stromsteuer und Netzentgelte senkt.

Energiewende

Hohe Investitionen in die Netze treiben die Strompreise

Eon plant aktuell keine Preiserhöhungen

Auch Eon wünscht sich, dass Strom günstiger wird und es wirtschaftlich in Deutschland besser läuft. Birnbaum sagte: „Für uns ist glasklar, es darf ein ‚Weiter so‘ nicht geben. Das dritte Jahr in einer Rezession kann Deutschland nicht einfach akzeptieren. Das ist einmalig in der Geschichte der Bundesrepublik, und wir müssen dafür sorgen, dass es auch einmalig bleibt.“

Birnbaum erklärte, Deutschland brauche so schnell wie möglich eine handlungsfähige Regierung, die aber auch eine mutige Reformagenda verfolge: „Wenn aus den Koalitionsverhandlungen nur der kleinste gemeinsame Nenner resultierte, wäre das kein Erfolg. Dazu sind die Herausforderungen zu groß.“

Das gilt insbesondere für das Thema Stromkosten. Je höher die Investitionen der Stromnetzbetreiber ausfallen, umso schwieriger dürfte es für den Staat werden, die Stromkosten im Zaum zu halten. Denn er muss die steigenden Netzgebühren entweder subventionieren oder  dafür sorgen, dass Netzbetreiber weniger am Stromnetz verdienen dürfen.

Strommasten: Die Energiewende erfordert hohe Investitionen in die Stromnetze, die die Strompreise erhöhen. Foto: Federico Gambarini/dpa

Letzteres aber würde es für die Netzbetreiber und potenzielle Investoren unattraktiver machen, den dringend benötigten Netzausbau voranzutreiben. Birnbaum sagte: „Eon ist bereit, weiter zu investieren. Wie jedes nachhaltig agierende Unternehmen investieren wir aber niemals um jeden Preis.“ Nur wenn Netzinvestitionen angemessen verzinst würden, sei das möglich.

Eon ist der Inbegriff der Widersprüchlichkeit zwischen einem Vorantreiben der Energiewende und einem Spiel mit der Akzeptanz von Bevölkerung und Unternehmen, die unter hohen Energiekosten leiden.

Die Strompreise für Verbraucher sind zwar laut Check24 im Vergleich zu den Vorjahren etwas gesunken. So standen die durchschnittlichen 26,5 Cent im Februar einem durchschnittlichen Strompreis von 41,02 Cent im vergangenen Jahr gegenüber.

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Blickt man allerdings weiter in die Vergangenheit, dann liegen die Strompreise im Vergleich zu vor der Energiekrise immer noch auf einem hohen Niveau. Immerhin sagte Birnbaum für die Eon-Tarife am Mittwoch: „Wir planen im Moment keine Preiserhöhungen.“

Eon-Chef findet EU-Wirtschaftspaket nicht ausreichend

Dass Klimaschutz und die damit verbundenen Anstrengungen das Land spalten, zeigt auch eine aktuelle Umfrage der Eon Stiftung: Anhänger von Grünen, SPD und der Linken sprechen sich klar für eine ambitioniertere Klimapolitik aus. Doch nur 21 Prozent der Unionswähler wollen mehr Klimaschutz, während 76 Prozent dagegen sind.

Für die anstehenden Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und Union verheißt das nichts Gutes. Stephan Muschick, Geschäftsführer der Eon Stiftung, sagt: „Unsere Umfrage macht deutlich, dass sich das Ringen um Klimaschutz zunehmend entlang ideologischer Grenzen verhärtet.“

Auch für Unternehmen ist teurer Strom ein Problem. Denn Elektrifizierung von Prozessen gilt für viele als Weg zu weniger Emissionen. Dafür aber muss Strom als Energiequelle wettbewerbsfähige Kosten haben.

Deshalb will auch die EU künftig für mehr Unterstützung sorgen. An diesem Mittwoch stellt sie eine Art Hilfsprogramm für die Wirtschaft vor, den sogenannten „Clean Industrial Deal“.

Für Birnbaum steht bei dem neuen europäischen Paket vor allem der Bürokratieabbau im Vordergrund. Er sagte: „Das, was auf dem Tisch liegt, ist aus meiner Sicht bei Weitem nicht ausreichend. Aber: Es ist der richtige Schritt in die richtige Richtung, denn er triggert die richtige Diskussion.“

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Erstpublikation: 26.02.2025, 07:08 Uhr.

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