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Energie

Energiekonzern Uniper schließt Scheitern von Nord Stream 2 nicht mehr aus

CEO Schierenbeck sorgt sich wegen der US-Sanktionsdrohungen gegen die Pipeline. Der Energiekonzern, der an der Finanzierung beteiligt ist, sieht ein „bedeutendes Einzelrisiko“.
11.08.2020 Update: 11.08.2020 - 12:07 Uhr 3 Kommentare
Uniper-Aktie: Konzern schließt Scheitern von Nord Stream 2 nicht aus Quelle: dpa
Rohre für Nord Stream 2

Die Rohre für die Gaspipeline sind zum größten Teil bereits verlegt – die USA versuchen das Projekt trotzdem noch zu stoppen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Widerstand gegen die im Bau befindliche Ostseepipeline Nord Stream 2 aus der US-Politik hat sich in den vergangenen Wochen verschärft. Der deutsche Stromproduzent Uniper, der an der Finanzierung beteiligt ist, schließt nun ein Scheitern des Projekts nicht mehr aus.

„Die USA haben ihre Anstrengungen in Bezug auf gezielte Sanktionen gegen das Nord-Stream-2-Projekt intensiviert, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass es zu Verzögerungen im Bau der Gasleitung oder überhaupt nicht zu einer Fertigstellung kommt“, schreibt der Konzern in seinem Zwischenbericht für das erste Halbjahr, der am Dienstag veröffentlicht wurde.

Für den Fall, dass das Projekt letztlich nicht fertiggestellt werden könne, müsse Uniper „gegebenenfalls den für Nord Stream 2 bereitgestellten Kredit wertberichtigen“ und könne „die geplanten Zinserträge nicht realisieren“, heißt es in dem Bericht weiter. „Wir betrachten die Entwicklung um die Sanktionen mit Sorgen“, ergänzte Vorstandschef Andreas Schierenbeck in der Telefonkonferenz zur Präsentation des Zwischenberichts.

Die 1200 Kilometer lange Pipeline wird parallel zur bereits vorhandenen ersten Nord-Stream-Leitung verlegt und soll Gas aus Sibirien durch die Ostsee nach Greifswald liefern. Uniper ist mit zehn Prozent an der Finanzierung der Gesamtkosten von 9,5 Milliarden Euro beteiligt, also mit 950 Millionen Euro.

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    Der Bau der Pipeline ist zwar schon weit fortgeschritten, die USA machen aber seit Längerem Druck, um das Projekt noch zu stoppen. In den vergangenen Wochen wurden die Drohungen mit Sanktionen verschärft und unter anderem die Betreiber des Hafens Sassnitz auf Rügen bedroht, von wo aus der Bau logistisch unterstützt wird. Drei Senatoren hatten den Betreibern in einem Schreiben gedroht, das „zukünftige finanzielle Überleben“ des Unternehmens zu „zerstören“.

    „Bedeutendes Einzelrisiko“

    Uniper erklärte, die Situation „aktiv“ zu überwachen und alle „erforderlichen Maßnahmen“ zu ergreifen, um die Einhaltung der geltenden Vorschriften zu gewährleisten. Die Betreibergesellschaft von Nord Stream 2, die im Besitz des russischen Gazprom-Konzerns ist, arbeite zudem daran, die Auswirkungen der noch anstehenden Arbeiten abzumildern und das Projekt fertigzustellen.

    Trotzdem bezeichnete Uniper das „Nord-Stream-2-Misserfolgsrisiko“ im Risikobericht als „bedeutendes Einzelrisiko für den Uniper-Konzern“. Die Betreibergesellschaft von Nord Stream 2 wollte sich auf Anfrage hierzu nicht äußern. „Wir kommentieren potenzielle US-Sanktionen, Gesetzgebungsprozesse in den USA sowie die Position von Investoren nicht“, teilte ein Sprecher mit.

    Nach Schierenbecks Worten wäre Uniper von Sanktionen nicht direkt betroffen – als Finanzpartner aber indirekt. Sein Unternehmen habe im März „alle Finanzmittel, zu denen wir verpflichtet sind“, bereits einbezahlt.

    Die USA argumentieren, durch die Pipeline werde Europa zu sehr von russischem Gas abhängig, und die bisherigen Transitstaaten von russischem Gas in Osteuropa würden abgeschnitten. Dem halten Befürworter entgegen, die Amerikaner verfolgten vor allem eigene Interessen - und wollten nur die Absatzchancen für das eigene Gas in Europa erhöhen. Die USA exportieren ihr Erdgas zunehmend in verflüssigter Form, als sogenanntes LNG, weltweit und wollen Marktanteile in Europa gewinnen.

    Vorstandschef Schierenbeck wies die Vorwürfe aus den USA erneut zurück. „Wir glauben an das Projekt, weil wir es für wichtig für die europäische Gas- und Energieversorgung halten – genauso wie wir auch LNG brauchen“, sagte Schierenbeck. Sein Unternehmen importiert Gas nicht nur per Pipeline aus Russland, sondern ist auch am Bau eines LNG-Anlandeterminals in Deutschland interessiert. Schierenbeck betonte, dass Uniper selbst LNG in den USA gekauft und nach Europa importiert habe.

    Neben Uniper sind noch andere europäische Konzerne an der Finanzierung von Nord Stream 2 beteiligt: Neben Shell, dem französischen Energiekonzern Engie und OMV aus Österreich ist auch Wintershall Dea dabei engagiert.

    Uniper-Aktie gibt nach

    Trotz der Sorgen um Nord Stream und trotz der Coronakrise wird Uniper aber wieder etwas optimistischer. Der Stromproduzent hob seine Jahresprognose leicht an. Uniper erwartet nun ein bereinigtes operatives Ergebnis (Ebit) zwischen 800 Millionen Euro und einer Milliarde. Zuvor lag die untere Grenze noch bei 750 Millionen Euro.

    Auch beim bereinigten Konzernüberschuss bessert das Management nach: Der Gewinn soll zwischen 600 und 800 Millionen Euro liegen. Hier lag der untere Wert vorher bei 550 Millionen Euro.

    Die Coronakrise trifft Uniper wie die anderen Energiekonzerne kaum. Die Energienachfrage ist zwar gesunken, weil Großkunden aus der Industrie Fabriken stillgelegt haben. Die leicht gesunkenen Produktionsvolumen konnte der Konzern durch gestiegene Strompreise ausgleichen. „Die positive Entwicklung nach dem ersten Quartal hat sich weiter fortgesetzt, allerdings wie erwartet nicht mehr mit der vorherigen Dynamik“, erklärte Finanzvorstand Sascha Bibert.

    Das bereinigte Ebit lag nach den ersten sechs Monaten bei 691 Millionen Euro nach 308 Millionen im Vorjahreszeitraum. Der bereinigte Konzernüberschuss stieg auf 527 Millionen Euro von 189 Millionen Euro. Analysten hatten aber zum Teil mit einem noch besseren Ergebnis gerechnet. Die Aktie gab bis zum Mittag rund 1,1 Prozent auf knapp 29,90 Euro nach.

    Mehr: Stromkonzerne wittern das große Geschäft mit Wasserstoff

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    3 Kommentare zu "Energiekonzern: Uniper schließt Scheitern von Nord Stream 2 nicht mehr aus"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Erinnern Sie nicht an den Marshall Plan und Nato? Die Amis haben immerhin mehr als ihren Anteil gezahlt...

    • Mal jung und naiv gefragt: zahlen die Amis den Schaden, den sie da anrichten?

    • Die wollen doch nicht etwa kneifen. Frau Merkel sollte sich den Vorstand hinter den Kulissen mal zur Brust nehmen.

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