Energiekonzerne in Russland: Streit im Klub der Giganten
Der Staatsbetrieb ist der weltgrößte Gaskonzern.
Foto: apZwei unabhängige Produzenten haben sich im Schatten der Staatsgiganten gut gehalten und zeigen heute besondere Lebenszeichen: Lukoil, der größte private Ölkonzern Russlands, und Novatek, der mit einem Putin-Vertrauten verbandelte, private Gasförderer.
Gazprom und Rosneft sind die Platzhirsche: Beide sind staatlich kontrolliert und Branchenriesen: Gazprom ist der weltgrößte Gaskonzern und hat mit der Öltochter Gazprom Neft (vormals der Sibneft-Konzern des Jetset-Oligarchen Roman Abramowitsch) auch eine bedeutende Rohölförderung. Rosneft ist der größte börsennotierte Ölförderer auf dem Erdball.
Und noch eines haben beide Konzerne gemeinsam: An ihren Spitzen stehen mit Alexej Miller (Gazprom) und Igor Setschin (Rosneft) zwei ehemalige, sehr enge Mitarbeiter Putins aus dessen Zeit als Vizebürgermeister in St. Petersburg. Das gibt ihnen besondere Macht, Zugang (k tjelu) zum „Körper“, wie der direkte Draht zum Kreml-Herrn wörtlich genannt wird.
Lukoil und Novatek kratzen dennoch gewaltig an den Pfründen der beiden Staatsgiganten: Novatek hat als erste Firma vorbei an Gazproms bisherigem Gasexportmonopol eine Ausfuhrlizenz für Flüssiggas bekommen.
Kein Wunder: Mit Gennadij Timtschenko ist ein sehr enger Putin-Vertrauter Großaktionär bei Novatek. Ihm unterstellen die Vereinigten Staaten, seine Beteiligungen seien auch stille Einlagen des Kreml-Chefs. Gazprom muss stattdessen die wenig lukrativen Großaufträge für Gas nach China abarbeiten.
Der Konzern Lukoil, der über sehr viel größere Ölreserven verfügt als Exxon-Mobile und andere westliche Branchengrößen, betreibt zwar Ölfelder auf riskanten Auslandsmärkten wie Irak. Dennoch fordert er Rosneft gerade mit Macht heraus.
Der Lukoil-Chef notiert mit geschätzten 12,3 Milliarden Dollar Vermögen auf Platz sechs der russischen „Forbes“-Geldrangliste. Und sein Reichtum ist kaum gefährdet: Lukoil soll nun Lizenzen in Russlands Nordmeer-Schelf bekommen, die bisher für Rosneft reserviert waren. Denn der überschuldete Staatsriese, der nur mit finanzieller Notbeatmung des Kreml die Finanzsanktionen überlebt, kommt mit dem Bohren nicht hinterher.
Als wären die westlichen Sanktionen nicht schon schlimm genug: Jetzt droht den vier russischen Energiegiganten auch noch intern mächtig Zoff.