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Energie

Energiewirtschaft Neustart mit Uniper: Fortum will in Wasserstoff investieren

Der neue Chef des finnischen Uniper-Eigentümers hat große Pläne für den deutschen Stromproduzenten. Vor allem das Thema Wasserstoff bergt Fortum zufolge Potenzial.
21.08.2020 - 17:08 Uhr 1 Kommentar
Der deutsche Stromproduzent hat sich lange gegen die Kontrolle durch Fortum gewehrt. Jetzt wollen beide Unternehmen gemeinsam an der Energiewende verdienen. Quelle: dpa
Uniper-Logo in der Zentrale

Der deutsche Stromproduzent hat sich lange gegen die Kontrolle durch Fortum gewehrt. Jetzt wollen beide Unternehmen gemeinsam an der Energiewende verdienen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Seit vergangener Woche hält der finnische Energiekonzern Fortum 75 Prozent an Uniper – und hat den deutschen Stromproduzenten damit endgültig unter Kontrolle. Der neue Chef von Fortum, Markus Rauramo, hat jetzt große Pläne für die gemeinsame Gruppe und sieht nicht zuletzt beim Zukunftsthema Wasserstoff gute Perspektiven.

„Wir müssen gemeinsam die Gelegenheiten nutzen, die sich durch den Umbau der europäischen Energiewirtschaft ergeben“, sagte der 52-Jährige im Gespräch mit dem Handelsblatt, seinem ersten mit einem deutschen Medium. Zusammen seien die beiden Unternehmen schon jetzt der drittgrößte Produzent von CO2-freiem Strom in Europa. Der Trend zum Klimaschutz biete der Fortum-Uniper-Gruppe gute Chancen – insbesondere bei einem Zukunftsthema: „Genau wie Uniper sehen wir beim Thema Wasserstoff ein großes Potenzial.“

Fortum war im Herbst 2017 bei Uniper eingestiegen – und auf erbitterten Widerstand des damaligen Managements gestoßen. Das fühlte sich vom ehemaligen Mutterkonzern Eon, der Fortum ein Paket von knapp 47 Prozent verkaufte, verraten – schließlich war der Stromproduzent erst ein Jahr zuvor an die Börse gegangen und hatte erste Erfolge als selbstständiges Unternehmen erreicht.

Tatsächlich gelang es dem Uniper-Management lange, den Anteil der Finnen unter 50 Prozent zu halten – bis zuletzt. Anfang des Jahres kauften die Finnen zwei Finanzinvestoren ihre Aktienpakete ab, stockten auf mehr als 73 Prozent auf und haben jetzt weitere Anteile erworben, um die Dreiviertel-Mehrheit zu erlangen.

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    „Ich verstehe, dass Uniper sich mit unserem Einstieg zunächst schwergetan hat“, räumt Rauramo ein: „Das war schon ein fundamentaler Eingriff – und so etwas braucht Zeit, um es zu akzeptieren.“ Fortum sei klar gewesen, dass die „weiteren Schritte schwierig werden könnten“. Fortum habe sich auf einen langen Zeitraum eingestellt – und die letzten Jahre seien „sicherlich nicht leicht“ gewesen. „Wir müssen jetzt nach vorne schauen“, appellierte der Fortum-Chef aber: „Mein Antritt als neuer Fortum-Chef ist dafür eine gute Gelegenheit.“

    Der 52-jährige Rauramo steht seit Anfang Juli an der Spitze des finnischen Energiekonzerns Fortum. Er löste Pekka Lundmark ab.
    Markus Rauramo

    Der 52-jährige Rauramo steht seit Anfang Juli an der Spitze des finnischen Energiekonzerns Fortum. Er löste Pekka Lundmark ab.

    Tatsächlich hat nicht nur er selbst im Juli den Posten von seinem Vorgänger Pekka Lundmark übernommen. Auch der Uniper-Vorstand hat inzwischen komplett gewechselt – und auch der Aufsichtsrat ist neu besetzt. Rauramo hat den Einstieg zwar als Finanzvorstand eng begleitet und ist seit zwei Jahren Fortums Abgesandter im Kontrollgremium von Uniper. Sein Vorgänger Lundmark war aber für das alte Management und für die Arbeitnehmervertreter ein Feindbild. Ex-Uniper-Chef Klaus Schäfer bezeichnete ihn als „Wolf im Schafspelz“.

    Gemeinsame Strategie wird entwickelt

    „Wir befinden uns jetzt an einem Wendepunkt“, sagte Rauramo, der seit acht Jahren für Fortum arbeitet: „Uniper ist jetzt ein Teil der Fortum-Gruppe.“ Jeder müsse inzwischen verstanden haben, dass Fortum ein langfristiges Interesse an Uniper habe. Das Verhältnis zum neuen Management um CEO Andreas Schierenbeck bezeichnete er als „sehr gut“. Auch mit den Arbeitnehmervertretern sei er im regelmäßigen Austausch.

    In Kreisen der deutschen Arbeitnehmervertreter hofft man auch auf einen Neuanfang und steht dem neuen Fortum-Chef offen gegenüber. Rauramo habe mehr Verständnis für die deutschen Befindlichkeiten als Lundmark, hieß es.

    Jetzt gelte es, eine gemeinsame Strategie zu entwickeln, sagte Rauramo. Die Teams dafür seien aufgesetzt. Der Prozess werde aber dauern.

    Die Strategie, die Uniper im Frühjahr präsentierte, wird von Fortum nach Rauramos Worten ausdrücklich unterstützt und sei eine gute Grundlage für die gemeinsame Strategie. Uniper-Chef Schierenbeck hatte angekündigt, sein Unternehmen bis 2035 in Europa klimaneutral machen zu wollen.

    Für den Stromproduzenten, der aktuell noch viele Kohlekraftwerke betreibt und mit der gerade erst in Betrieb genommenen Anlage Datteln 4 im Fokus der Klimaschützer steht, ist das ein ambitioniertes Ziel. Hierzu will das Unternehmen unter anderem im großen Stil Stromabnahmeverträge für Wind- und Solarenergie abschließen. Die Gaskraftwerke sollen langfristig mit Biogas oder grünem Wasserstoff betrieben werden.

    „Wir müssen schauen, wer was am besten machen kann und was wir am besten zusammen machen“, sagte Rauramo. Uniper habe beispielsweise viel Expertise und eine gute Pipeline beim Geschäft mit Wasserstoff. Das Unternehmen habe viele gute Verbindungen zu Großkunden sowie ein starkes Trading- und Rohstoffgeschäft.

    Grafik

    Fortum wiederum sei stark bei erneuerbaren Energien, vor allem in den nordischen Staaten. In Russland seien dagegen beide stark vertreten – und auch bei Atomenergie und Wasserkraft in Schweden. „Hier böte sich zum Beispiel eine enge Zusammenarbeit an“, sagte er.

    Mit dem Klimaschutz und dem Zwang zur Dekarbonisierung der Wirtschaft würden neue Anlagen benötigt, Speichermöglichkeiten und die Sektoren Energie, Wärme und Verkehr müssten verbunden werden. „Hier haben wir beide große Kompetenzen“, betonte Rauramo: „Uniper hat zum Beispiel eine flexible Energieproduktion und viele Speicherkapazitäten, wir bauen und betreiben erneuerbare Energien.“

    Wasserstoff verspricht Wachstum

    Besonders ein Geschäft verspricht langfristig Wachstum: Wasserstoff. Uniper sieht sich hier als einer der Pioniere, betreibt schon lange Pilotanlagen zur Produktion von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien und hat jüngst eine eigene Einheit für das Geschäftsfeld gegründet. „Wir setzen große Hoffnungen in das Geschäft mit Wasserstoff“, sagte Axel Wietfeld, der die neue Wasserstoffeinheit leitet, jüngst im Handelsblatt.

    Uniper habe mit seinen Pilotanlagen schon bewiesen, dass es Anlagen bauen und betreiben könne. Jetzt wolle man die Produktion von Wasserstoff „zum Geschäft machen und skalieren“.

    „Wie lange es dauert, bis Wasserstoff zu einem großen Geschäft wird, müssen wir sehen. Ich bin aber überzeugt, dass der Durchbruch gelingen wird“, sagte Rauramo: „Fortum und Uniper haben das Know-how und die Kompetenz, bei dem Geschäft eine wichtige Rolle zu spielen.“

    Uniper sei beispielsweise in den Märkten vertreten, in denen die Nachfrage groß sei. Fortum wiederum habe in Skandinavien Möglichkeiten, sehr viel grünen Strom zu produzieren, der dort gar nicht in dem Umfang gebraucht wird. „Den könnte man für die Produktion von Wasserstoff nutzen – und in ihn Unipers Märkte exportieren“, erklärt Rauramo.

    Die Politik treibe das Thema mit Macht voran. „Jetzt geht es darum, Wasserstoff im großen Stil wirtschaftlich zu machen.“ Die heutige Perspektive von Wasserstoff sei vergleichbar mit den erneuerbaren Energien früher. Das sei anfangs auch schwierig gewesen, aber jetzt seien sie etabliert.

    Garantien für Beschäftigte bis 2026

    Obwohl Fortum den Anteil auf 75 Prozent aufgestockt hat, wird Uniper zumindest vorerst rechtlich eingeständig bleiben. „An unserem Verhältnis zu Uniper ändert das nichts“, betonte Rauramo. Fortum könne Uniper inzwischen in die Berichterstattung integrieren – und das sei entscheidend.

    Fortum hatte, als sich die Übernahme der Mehrheit abzeichnete, zugesagt, bis Ende 2021 auf einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag oder einen Squeeze-out zu verzichten. „Aber das heißt nicht automatisch, dass wir das danach anstreben“, sagte Rauramo: „Wir sind mit unserer derzeitigen Position sehr zufrieden – für alle Ewigkeiten kann man so eine Garantie aber eben auch nicht geben.“ Langfristig sei beides möglich. Vielleicht reiche es, die Mehrheit zu besitzen. Vielleicht mache aber auch die volle Integration Sinn.

    Für die Arbeitnehmervertreter, die sich lange gegen die Finnen gewehrt hatten, dürfte vielmehr entscheidend sein, dass die Garantien für Beschäftigten nicht Ende 2021 auslaufen. Die neue Betriebsvereinbarung von Uniper sieht Garantien bis 2026 vor. „Und wir haben diese im Aufsichtsrat unterstützt“, betonte Rauramo: „Wir betrachten uns inzwischen als ein Unternehmen, auch wenn Uniper rechtlich noch selbstständig ist und an der Börse platziert bleibt.“

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