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ParfümerieDouglas schrumpft im Quartal – Konkurrent Flaconi holt auf

Die traditionsreiche Parfümeriekette aus Düsseldorf büßt vor allem online Umsatz ein, während die Konkurrenz aus Berlin weiter zweistellig wächst.Maike Telgheder 15.05.2025 - 16:00 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Douglas-Logo: Dem Unternehmen fehlen die Kunden. Foto: IMAGO/CHROMORANGE

Düsseldorf. Die Parfümeriekette Douglas bekommt immer stärker die Onlinekonkurrenz zu spüren. Besonders das Berliner E-Commerce-Unternehmen Flaconi, Tochter von Pro Sieben Sat 1, ist auf dem Vormarsch, wie am Donnerstag veröffentlichte Quartalszahlen beider Unternehmen zeigen.

Für Douglas mit seinem versetzten Geschäftsjahr (30. September) ist es das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahrs. Wegen schwächerer Onlineumsätze schrumpften die Düsseldorfer leicht, konnten aber dank Kosteneinsparungen den Quartalverlust im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verringern. An der Börse lag die Douglas-Aktie am Donnerstagnachmittag leicht im Plus.

Douglas begründet die Umsatzentwicklung mit den wachsenden weltwirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten, die sich seit Jahresbeginn verstärkt auf den Premium-Beauty-Sektor ausgewirkt und zu einer geringeren Frequenz der Kunden in Filialen und online geführt hätten. So sank der Umsatz von Douglas von Januar bis März insgesamt um zwei Prozent auf 939 Millionen Euro. Bereinigt um die Onlineapotheke Disapo, die Douglas im vergangenen Jahr verkauft hatte, ging der Umsatz um ein Prozent zurück.

Das schwache Marktumfeld scheint allerdings nicht alle Anbieter im Markt gleichermaßen zu treffen. Douglas’ derzeit schärfster Onlinekonkurrent Flaconi konnte laut den ebenfalls am Donnerstag veröffentlichten Quartalzahlen um 26 Prozent auf 121 Millionen Euro Umsatz zulegen. Bei Douglas sank der E-Commerce-Umsatz im selben Zeitraum um 5,6 Prozent auf 331,5 Millionen Euro. Ohne die Onlineapotheke Disapo gerechnet betrug der Umsatzrückgang 2,6 Prozent.

Die starke Konkurrenz von Flaconi spürt Douglas bereits seit einiger Zeit. Ende März räumte Douglas-Chef Sander van der Laan in einer Telefonkonferenz gegenüber Analysten ein, dass die massiven Werbe-aktivitäten von Flaconi dem Unternehmen zunehmend beim Umsatz zusetzen und auch Druck auf die Margen ausüben.

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Bereits im vergangenen Jahr war Flaconi stark gewachsen. Der Umsatz war 2024 um 31,7 Prozent auf 514 Millionen Euro gestiegen. Das Unternehmen hat den Angaben zufolge den Break-even 2024, die Schwelle zum Gewinn, deutlich überschritten und nicht nur ein positives Ebitda (Ergebnis vor Steuern) von 21 Millionen erzielt, sondern auch gesamtwirtschaftlich profitabel operiert.

Douglas hatte dagegen im abgeschlossenen Geschäftsjahr (30. September) den Onlineumsatz auf vergleichbarer Basis nur um zwölf Prozent auf 1,45 Milliarden Euro steigern können.

Wir wachsen in Deutschland mit mehr als 20 Prozent und außerhalb Deutschlands in unseren neuen Märkten sogar dreistellig.
Bastian Siebers
Flaconi-Chef

Flaconi-Chef Bastian Siebers führt den Erfolg des von ihm geführten Unternehmens darauf zurück, dass immer mehr Kunden über das Smartphone einkaufen. „Mittlerweile kommen 90 Prozent unserer Kunden über die App oder den mobilen Webshop“, sagt er. Im ersten Quartal habe das Unternehmen eine Kundenbasis von 4,3 Millionen erreicht „Wir haben mehr aktive Kunden gewonnen, die Frequenz der Einkäufe ist gestiegen, wir wachsen in Deutschland mit mehr als 20 Prozent und außerhalb Deutschlands in unseren neuen Märkten sogar dreistellig“, sagt Siebers.

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In Deutschland hat das Unternehmen laut Siebers Ende vergangenen Jahres mit einem Anteil von 32 Prozent die Marktführerschaft im deutschen Onlinemarkt erreicht und diese Position seit Anfang dieses Jahres weiter ausgebaut. Siebers bezieht sich dabei auf Zahlen vom Marktforschungsinstitut Circana.

Douglas wiederum hatte die schwache Kundennachfrage in den ersten Monaten des Jahres vor allem in seinen beiden wichtigsten Märkten Deutschland und Frankreich zu spüren bekommen. Nach Daten der Datenbank-Managementfirma Circana war der Umsatz im Prestige-Beauty-Markt in Deutschland gerade einmal um ein Prozent gestiegen, während der Markt im Vorjahr noch um fünf Prozent gewachsen war. Douglas schrumpfte in beiden Regionen, wächst dagegen weiterhin erfolgreich in Zentraleuropa.

Das zweite Geschäftsquartal fiel bei Douglas allerdings auch deshalb schwächer als das Vorjahresquartal aus, weil es 2024 wegen des Schaltjahrs einen Verkaufstag mehr gegeben hat und das wichtige Ostergeschäft in den März fiel, während es in diesem Jahr im April zu Buche schlägt.

Außenwerbung von Flaconi mit der Marke Kérastase: Der Onlinehändler setzt auch stark auf Werbung in sozialen Medien und Podcasts. Foto: PR

Zwei Drittel seines Umsatzes macht Douglas im Filialgeschäft, das nahezu stabil bleibt. Der operative Gewinn (Ebitda) stieg im zweiten Quartal um 14,5 Prozent auf 122 Millionen Euro. Unter dem Strich konnte Douglas den Verlust im Quartal auf 19 Millionen Euro (Vorjahr minus 41,3 Millionen Euro) drücken.

Handelsexperte Gerrit Heinemann analysiert die Lage der beiden Wettbewerber: Bei Douglas als börsennotiertem Unternehmen liege der Fokus der Märkte auf dem Ergebnis, sagt der Professor von der Hochschule Niederrhein und ehemalige Manager bei Douglas. Hier habe das Management im ersten Quartal eine wichtige Verbesserung erreicht, was auf der anderen Seite zulasten von Ausgaben für Wachstum gehe.

Flaconi wiederum leiste sich einen aggressiven Wachstumskurs. „Das Unternehmen muss aber auch keine Zahlen zur Profitabilität veröffentlichen“, sagt Heinemann. Das veröffentlichte Ebitda von 21 Millionen Euro 2024 lasse auf einen niedrigen operativen Gewinn schließen, meint der Handelsexperte.

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Pro Sieben Sat 1 will Flaconi seit einem Jahr verkaufen. Eine Wachstumsstory könnte dabei helfen. Neuigkeiten gibt es aktuell nicht. Laut Siebers hat der laufende Verkaufsprozess keinen Einfluss darauf, „wie wir unser Geschäft führen“.

Bei Douglas ist Firmenchef Sander van der Laan mit Blick auf die Konsumstimmung inzwischen etwas positiver gestimmt. „Wir gehen davon aus, dass sich der Premium-Beauty-Markt mittelfristig erholen wird, sobald sich das weltwirtschaftliche Umfeld verbessert“, sagte er.

Zudem plant das Unternehmen weiter strategische Initiativen, um das Wachstum anzukurbeln. So wurde ein neues Kunden-Loyalitäts-Programm gestartet, die Werbeaktivitäten mit den Markenherstellern werden ausgebaut und exklusive Produkte wie etwa ein Parfum von Model Kloé Kardashian vermarktet.

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Nachdem Douglas seine Jahresprognose Ende März deutlich gesenkt hatte, will man jetzt die revidierten Ziele erreichen. Der Umsatz soll mit etwa 4,5 Milliarden Euro leicht wachsen und ein Nettogewinn von annähernd 175 Millionen Euro erreicht werden. Eine neue Mittelfristprognose will das Unternehmen zum Jahresende bekannt geben. Bislang hatte Douglas ein durchschnittliches jährliches Wachstum von sieben Prozent angestrebt.

Flaconi wiederum will das hohe Wachstumstempo halten. „Wir wollen in diesem Jahr um mindestens 20 Prozent beim Umsatz zulegen und auch das operative Ergebnis mindestens in dieser Größenordnung ausbauen“, sagt Siebers

Wer letztlich erfolgreicher im Markt sein wird, ist längst nicht entschieden.
Gerrit Heinemann
Handelsexperte

Die für 2024 geplanten Expansionen nach Schweden, Finnland, Dänemark, Italien und Tschechien werden aktuell erfolgreich vorangetrieben und sollen bis zum Ende der ersten Jahreshälfte 2025 abgeschlossen sein. Flaconi wird dann in zwölf europäischen Märkten präsent sein, ist aber noch nicht ganz so breit in Europa vertreten wie Douglas.

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„Wer letztlich erfolgreicher im Markt sein wird, ist längst nicht entschieden“, sagt Handelsexperte Heinemann. Douglas müsse allerdings im Segment unterhalb der Exklusivmarken mit Preisbindung aufpassen, nicht an Bedeutung zu verlieren. „Denn dort geht Flaconi in den direkten Preiswettbewerb.“

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