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Schutzschirmverfahren Galeria Karstadt Kaufhof gewinnt mehr Zeit für die Sanierung

Ein Schutzschirmverfahren soll den Konzern durch die Coronakrise bringen. Dabei ist nicht mal klar, mit welcher Führung Karstadt Kaufhof die Restrukturierung angeht.
02.04.2020 - 16:55 Uhr Kommentieren
Seit Jahren schon schreibt die Warenhauskette rote Zahlen. Quelle: dpa
Kaufhof-Filiale in Essen

Seit Jahren schon schreibt die Warenhauskette rote Zahlen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Verantwortlichen bei Galeria Karstadt Kaufhof haben wenig Schlaf bekommen. Nachdem die Warenhauskette am Mittwoch ein Schutzschirmverfahren nach dem Insolvenzrecht beantragt hat, gab es dringende Telefonkonferenzen mit Vertretern des Eigentümers Signa Holding bis in die frühen Morgenstunden.

Am Donnerstagmorgen ist nur eins wirklich klar: Das Amtsgericht Essen hat dem Antrag stattgegeben, das Unternehmen ist in der Coronakrise zunächst vor den Forderungen der Gläubiger geschützt. Im Gegensatz zu einem Insolvenzverfahren behält die Unternehmensführung aber die Kontrolle, das Verfahren wird in Eigenverwaltung durchgeführt.

Überwacht wird das jedoch von einem sogenannten Sachwalter, den das Gericht bestellt. In dieser Funktion wird der Insolvenzanwalt Frank Kebekus in die Firmenzentrale in Essen einziehen, unterstützt wird er vom Restrukturierungsexperten Arndt Geiwitz, den Signa-Eigentümer René Benko als zusätzlichen Berater engagiert hat.

Doch wie weit die beiden auch in die strategische Führung des Unternehmens eingebunden werden und wie genau die Strategie überhaupt aussieht, die das Unternehmen aus der Krise führen soll, ist in dieser frühen Phase des Schutzschildverfahrens noch nicht bekannt.

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    Quellen aus dem Unternehmen berichten, dass es Differenzen zwischen Galeria-CEO Stephan Fanderl auf der einen Seite und Benko und seiner rechten Hand Dieter Berninghaus auf der anderen Seite über das weitere Vorgehen geben soll. Das Unternehmen wollte dies nicht kommentieren. Insider berichteten sogar, es solle Überlegungen gegeben haben, Fanderl abzuberufen. Ein Sprecher sagte jedoch auf Nachfrage, Fanderl befinde sich in einer längeren, aufgeschobenen Reha-Maßnahme. „Er ist aber so weit wie möglich eingebunden. Wir gehen davon aus, dass er bald wieder voll einsatzfähig ist", sagte er. Fakt ist jedoch: In den Mitteilungen zum Schutzschirmverfahren wird nur Finanzchef Miguel Müllenbach zitiert.

    Vor Forderungen von Gläubigern geschützt. Quelle: dpa
    Eigentümer René Benko

    Vor Forderungen von Gläubigern geschützt.

    (Foto: dpa)

    Unabhängig von der langfristigen Ausrichtung und den handelnden Personen bietet aber das jetzt eingeleitete Schutzschirmverfahren dem Unternehmen in der aktuell kritischen Situation an vielen Stellen Entlastungen. „Das Schutzschirmverfahren hat für die Gläubiger die gleichen Wirkungen wie jedes Insolvenzverfahren“, erläutert Christoph Niering, Vorsitzender des Berufsverbands der Insolvenzverwalter. „Vermieter und Lieferanten können nicht mehr die Zwangsvollstreckung betreiben und müssen mit Forderungsausfällen rechnen.“ Auf diese Weise wird die Liquidität des Unternehmens geschont.

    Großteil des Umsatzes ist weggebrochen

    Das ist für die seit Jahren rote Zahlen schreibenden Ketten Karstadt und Kaufhof auch deshalb besonders wichtig, weil durch die staatlich angeordnete Schließung der Warenhäuser ein Großteil des Umsatzes ausfällt. Nach internen Berechnungen dürften sich die Umsatzausfälle bis Ende April auf mehr als eine halbe Milliarde Euro summieren.

    Gerade für die Textilindustrie ist das ein harter Schlag. „Für viele Modefirmen gehört der Konzern zu den Top-fünf-Kunden“, berichtet Gerd Oliver Seidensticker, geschäftsführender Gesellschafter des gleichnamigen Hemden- und Blusenherstellers. „Uns ist wichtig, dass Galeria Karstadt Kaufhof als Vertriebspartner weiter eine wichtige Rolle spielt.“

    Seidensticker selbst habe zurzeit nur kleinere ausstehende Forderungen gegen den Händler. Er sei zuversichtlich, dass dem Unternehmen die Sanierung im Schutzschirmverfahren gelingen werde, sagte Seidensticker dem Handelsblatt. „Es wird aber nach der Sanierung ein anderes Unternehmen sein mit deutlich reduzierten Kosten.“

    Seit der Fusion von Karstadt und Kaufhof im vergangenen Jahr arbeitet das Unternehmen daran, die Strukturen zu verschlanken, zahlreiche Doppelfunktionen abzubauen. Die Kaufhof-Hauptverwaltung in Köln wurde aufgegeben, zahlreiche Logistikzentren werden geschlossen, Bereiche zusammengelegt. Im Zuge dessen wurden in der Verwaltung 1000 Arbeitsplätze abgebaut, auch in den Filialen fielen zahlreiche Stellen weg. Dieser Restrukturierungskurs wird nun wohl noch einmal verschärft.

    Ziel eines Schutzschirmverfahrens ist, dass das Unternehmen gestärkt daraus hervorgeht. „Alle Gläubiger können wegen der frühzeitigen Antragstellung und der ausdrücklichen Sanierungsorientierung des Verfahrens darauf hoffen, dass mit dem Insolvenzplan ein tragfähiges Konzept vorgelegt wird, das das Unternehmen als Mieter, Kunden und vor allem als Arbeitgeber erhält“, sagt Insolvenzexperte Niering.

    Für die verbliebenen 28.000 Mitarbeiter war bereits größtenteils Kurzarbeitergeld beantragt worden, das bis zu 67 Prozent des Gehalts ausmacht. Dieses wird nun abgelöst durch das Insolvenzgeld, bei dem der Staat für die Dauer von drei Monaten den Mitarbeitern das Gehalt zu 100 Prozent zahlt.

    Galeria Karstadt Kaufhof ist nicht das einzige Unternehmen, das das Schutzschirmverfahren nutzt, um sich in der Krise zu sanieren. Auch das Modeunternehmen Esprit hat diesen Weg gewählt. „Mit diesem Verfahren können wir die Liquidität erhalten und bei Bedarf restrukturieren“, hatte Esprit-Chef Anders Kristiansen diesen Schritt begründet.

    „Galeria Karstadt Kaufhof ist erst der Anfang“

    Experten sehen bereits eine Welle solcher Verfahren auf die Branche zukommen. „Was wir jetzt mit dem Schutzschirmverfahren von Galeria Karstadt Kaufhof sehen, ist erst der Anfang. Wir rechnen in den nächsten zwei bis drei Wochen mit weiteren solchen Verfahren und Insolvenzen“, sagt Richard Federowski, Fashion-Spezialist der Unternehmensberatung Roland Berger.

    Viele Experten überrascht nicht, dass Unternehmen diesen Weg den staatlich garantierten KfW-Krediten vorziehen. Für viele Unternehmen kämen die Hilfsprogramme der Bundesregierung zu spät beziehungsweise seien unzureichend, ist zu hören. Viele erfüllen auch nicht dafür notwendige Voraussetzungen, weil sie zum Stichtag 31. Dezember 2019 schon angeschlagen waren.

    Auch Galeria Karstadt Kaufhof hatte die Erfahrung gemacht, dass der Weg über den KfW-Kredit in der sich zuspitzenden Situation zu lange dauert – wenn er denn überhaupt gewährt wird, was im Fall des Warenhauskonzerns nicht sicher war. „Dieser Prozess ist sehr bürokratisch, kostet wertvolle Zeit, ist mit zusätzlichen Hürden verbunden – und hat deshalb einen ungewissen Ausgang“, hatte Galeria-Finanzchef Müllenbach am Mittwoch eingeräumt.

    Damit das Schutzschirmverfahren seine volle Wirkung entwickelt, kommt es jedoch auf das Timing des Antrags an. „Wer den Schutzschirm zum falschen Zeitpunkt aufspannt, riskiert, dass der Sanierungseffekt verpufft“, warnt Jan Groß, Sanierungsexperte der Kanzlei Ebner Stolz.

    Der Anwalt, der jüngst das Schutzschirmverfahren des Händlers Sport Vosswinkel begleitet hat, gibt zu bedenken: „Ziel muss es ja sein, nach dem Verfahren restrukturiert wieder ertragreich arbeiten zu können.“ Die Liquiditätserleichterung des Insolvenzgelds gebe es aber nur für drei Monate. „Das kann wegen der Corona-Pandemie zu kurz sein.“

    Insolvenzexperte Niering ergänzt, in Ausnahmesituationen wie der Coronakrise könnten in einen Insolvenzplan auch Regelungen eingebaut werden, die auf spätere Veränderungen durch entsprechende Anpassungen reagieren. Doch er räumt ein: „In der gegenwärtigen Krise ist das natürlich eine besondere Herausforderung, weil so viele unbekannte Faktoren zu berücksichtigen sind.“

    Mehr: Galeria Karstadt Kaufhof flüchtet unter den Schutzschirm

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