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  4. Bahnstreik: GDL kündigt siebentägigen Streik bei der Bahn an

TarifkonfliktGDL beklagt Blockadehaltung der Bahnmanager und kündigt siebentägigen Streik an

Die Lokführergewerkschaft verschärft im Tarifkonflikt die Gangart. Der Streik soll am Mittwoch im Güterverkehr beginnen – und bis kommenden Dienstag dauern.Jens Koenen 30.08.2021 - 17:19 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der GDL-Chef hatte der Deutschen Bahn bereits mit einem längeren Arbeitskampf gedroht.

Foto: imago images/Mauersberger

Frankfurt. Bahnreisende müssen erneut wegen eines Streiks der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bei der Deutschen Bahn mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen. GDL-Chef Claus Weselsky kündigte im laufenden Tarifstreit mit der Bahn den dritten und längsten Streik im Personenverkehr ab Donnerstag, 2. September um 2 Uhr an. Dieser werde bis zum 7. September dauern, erklärte er am Montag in Frankfurt. Der Güterverkehr wird bereits ab diesem Mittwoch um 17 Uhr bestreikt.

„Das ist eine der längsten Arbeitskampfmaßnahmen, die wir durchführen, und zwar absichtlich“, sagte Weselsky. „Wir sehen uns angesichts der Blockadehaltung der DB-Manager nicht bereit und nicht gewillt, hier kürzere Arbeitskampfmaßnahmen durchzuführen.“ Unbefristete Streiks stünden derzeit aber nicht zur Debatte, betonte Weselsky.

GDL-Chef Weselsky hatte schon mit dem Ende der zweiten Streikwelle am vergangenen Mittwoch angekündigt, dass der nächste Arbeitskampf noch länger und heftiger werde, sollte sich das Management der Deutschen Bahn nicht bewegen. Seitdem ist die Bahn-Spitze nicht auf die GDL zugekommen. Konzernchef Richard Lutz hatte vielmehr betont, der GDL vorerst kein neues Angebot unterbreiten zu wollen.

Dabei hatte schon die zweite Streikwelle erhebliche Auswirkungen auf den Bahnverkehr. An den Arbeitskämpfen beteiligten sich laut einem internen Bericht der Deutschen Bahn 8486 Mitarbeiter. Im Fernverkehr fielen an den beiden Streiktagen Montag und Dienstag jeweils etwa 550 Züge komplett aus. Im Regionalverkehr waren es 8000 Züge, eine ähnlich hohe Zahl kam im S-Bahn-Verkehr dazu. In normalen Zeiten fährt die Bahn rund 850 Fernverkehrs- und 21.000 Nahverkehrszüge (inklusive S-Bahnen) täglich.

Bahnchef Lutz goss am Wochenende sogar weiteres Öl ins Feuer. „Wie Herr Weselsky in dieser Situation agiert und vor allem wie er redet, ist absolutes Gift für das Zusammengehörigkeitsgefühl der Eisenbahnerfamilie. Da werden gerade Wunden geschlagen, die nur schwer wieder verheilen“, sagte Lutz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Ich verstehe nicht, warum ein Eisenbahner, der das Unternehmen seit Jahrzehnten kennt und genau weiß, wie wichtig Zusammenarbeit und Zusammenhalt für das Funktionieren der Eisenbahn ist, die Belegschaft bewusst spalten will.“

Für Reisende – in aller Kürze:

  • Reisende können Fahrkarten für den Streikzeitraum flexibel nutzen und ihre Reisen vorziehen oder bis zum 17. September verschieben.
  • Auch eine Erstattung des Tickets ist laut Deutscher Bahn möglich.
  • Die Bahn rechnet damit, dass sie im Fernverkehr etwa ein Viertel des üblichen Angebots fahren kann, im Regional- und S-Bahn-Verkehr etwa 40 Prozent.

Auch warf er dem GDL-Chef Falschaussagen vor – etwa in Bezug auf Behauptungen, die Führungskräfte würden in der Krise nicht verzichten. „Denen jetzt vorzuwerfen, dass sie sich die Taschen vollstopfen, ist unredlich und schlicht falsch“, so Lutz. Vor wenigen Tagen hatte der Bahn-Vorstand erklärt, wie schon im Vorjahr auch 2021 auf Boni zu verzichten. Das hatte der Haushaltsausschuss des Bundestages im Gegenzug für milliardenschwere Hilfen gefordert.
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Solche Aussagen dürften Weselsky zusätzlich provozieren. Der Gewerkschaftsführer machte jedenfalls in den zurückliegenden Tagen keine Anstalten, den Druck vom Management zu nehmen, und sieht die Belegschaft voll hinter sich: „Wenn das Management meint, sie halten den Frust der Bürger länger aus als die Mitarbeiter, dann sage ich ihnen: Sie verschätzen sich.“

GDL und EVG kämpfen um die Machtverteilung bei der Bahn

Dabei sind beide Seiten im eigentlichen Tarifkonflikt nicht so weit auseinander. Die GDL fordert 3,2 Prozent mehr Lohn. Das bietet die Bahn auch, allerdings verteilt über eine längere Laufzeit und in Schritten.

Das wiederum will die GDL nicht akzeptieren. Denn im ersten Schritt würde das Bahn-Angebot gemessen an der aktuellen Inflation ein Minus für die Bahner bedeuten. Weselsky ist jedoch mit dem Versprechen angetreten, anders als die größere Konkurrenzgewerkschaft EVG keine Nullrunde hinnehmen zu wollen.

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Im Hintergrund schwelt zudem ein Kampf zwischen GDL und EVG um künftige Machtverhältnisse. Das Tarifeinheitsgesetz legt fest, dass die Arbeitnehmervertretung mit den meisten Mitgliedern in einem Betrieb auch die Tarifverhandlungen führen darf. Das ist bei der Bahn in den allermeisten Fällen die EVG. Die GDL will deshalb mehr Mitglieder auch jenseits der Lokführer gewinnen, um ihre Zukunft zu sichern. Das geht in der Logik eines Gewerkschaftlers am besten, in dem man mehr rausholt als die rivalisierende Arbeitnehmervertretung.

Doch es birgt die Gefahr eines Wettlaufs um den lukrativsten Tarifvertrag. Die EVG, die Ende vergangenen Jahres einen Krisentarifvertrag mit der Bahn vereinbarte, hat bereits angekündigt, Nachforderungen zu stellen und notfalls mit Arbeitskämpfen durchsetzen zu wollen, sollte die GDL mehr erstreiken. Das geht, weil in dem geltenden Tarifvertrag eine entsprechende Öffnungsklausel enthalten ist, die die Friedenspflicht aufhebt.

Wie sich der Wettstreit der Gewerkschaften lösen lässt, ist offen. Nur in einem Punkt sind sich GDL und EVG einig: Die Politik muss sich aus dem Konflikt heraushalten. „Aktuelle Versuche, politisch auf die Tarifpartner einzuwirken, sind nicht geeignet, den Konflikt zu entschärfen“, hatte EVG-Chef Klaus-Dieter Hommel in der vergangenen Woche an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) geschrieben.

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„Wir wenden uns mit diesem Schreiben deshalb direkt an Sie und fordern Sie eindringlich auf, jede politische Einmischung in diesen Tarifkonflikt zu unterlassen“, so Hommel weiter. „Besonders weisen wir Forderungen zurück, die auf eine Einschränkung des Streikrechts abzielen.“

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