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UrlaubsverkehrSchweiz warnt vor Verkehrschaos in den Alpen

Wegen eines Erdrutsches ist eine für den Nord-Süd-Verkehr wichtige Autobahn in der Schweiz auf unbestimmte Zeit nicht passierbar. Womit Urlauber jetzt rechnen müssen.Jakob Blume 25.06.2024 - 16:50 Uhr aktualisiert
Weggespülter Teil der Autobahn 13: Eine wichtige Nord-Süd-Verbindung durch die Schweiz ist derzeit unpassierbar. Foto: Samuel Golay/KEYSTONE/dpa

Zürich. Die ohnehin angespannte Verkehrslage auf den alpenquerenden Autobahnverbindungen dürfte sich weiter verschärfen: Kurz vor dem Start der Hauptreisezeit ist eine vielbefahrene Alpentransitroute, der San-Bernadino-Tunnel in der Schweiz, unpassierbar.

Ein Erdrutsch infolge anhaltender Regenfälle hatte am Wochenende im Misoxtal im schweizerischen Kanton Graubünden schwere Schäden angerichtet. Zwei Menschen gelten als vermisst. Der Erdrutsch spülte ein rund 200 Meter langes Stück der Autobahn 13 auf der Strecke zwischen Chur und Bellinzona weg. Die Folge: Die zweitwichtigste Nord-Süd-Verbindung durch die Schweiz ist vorerst gesperrt.

Weil in zwei Wochen in Nordrhein-Westfalen die Sommerferien beginnen, in vier Wochen in Baden-Württemberg und Bayern, wappnet sich die Schweiz für Rekordstaus vor dem Gotthardtunnel, der wichtigsten Alpenpassage. Empfehlenswert sei eine weiträumige Umfahrung der Schweiz, sagte Verkehrsminister Alber Rösti am Dienstag in Bern.

Alternative zum Gotthardtunnel fällt weg

Ein Sprecher des schweizerischen Automobilclubs TCS bestätigt: „Das ohnehin hohe Verkehrsaufkommen am Gotthard dürfte nochmals ansteigen.“ Der San-Bernadino-Tunnel werde normalerweise als Alternative empfohlen, wenn die Wartezeiten am Gotthard zu lang werden. „Das ist nun nicht mehr möglich.“

Betroffen ist auch der Güterverkehr. Dem Nutzfahrzeugverband Astag zufolge fahren knapp 130.000 Lkw pro Jahr diese Route. Insgesamt fließen 15 Prozent des Alpentransitverkehrs durch den San-Bernadino-Tunnel.

Wie lang die Sperrung besteht, sei bislang nicht abzusehen, heißt es vom TCS. Die Schäden an der Autobahn sind massiv: Bilder zeigen eine vollständig weggeschwemmte Fahrbahn. Die Leitplanken ragen in einen reißenden Fluss.

Unwetterschäden: Wann die Autobahn wieder uneingeschränkt befahren werden kann, ist völlig offen. Foto: Samuel Golay/KEYSTONE/dpa

Immerhin: Noch im Juli solle dort aber wenigstens eine Fahrbahn in beide Richtungen repariert sein, sagte Verkehrsminister Rösti. In der Hauptreisezeit schafft das jedoch nur wenig Entlastung.

Reisende müssen sich daher auf der Hauptroute von Süddeutschland in Richtung Italien am Gotthardtunnel auf massive Staus einstellen. Der Tunnel ist nicht nur für viele Menschen im Westen Deutschlands, sondern auch für Niederländer und Belgier der schnellste Weg an die italienische Mittelmeerküste. Dort sollen nun Sperrungen in der Nacht aufgehoben werden, um mehr Verkehr zu ermöglichen.

Auch will die Schweizer Bahn will mehr Züge einsetzen, in der Hoffnung, dass mehr Reisende auf die Schiene umsteigen. Ob das größere Entlastung schafft, ist fraglich: Denn auch der Eisenbahntunnel am Gotthard ist nach einer Entgleisung im August 2023 nur eingeschränkt befahrbar.

Höhere Maut für Touristen?

Viele Personenzüge werden seither umgeleitet und brauchen von der Deutschschweiz ins Tessin knapp eine Stunde länger. Voraussichtlich erst im September ist der Gotthard-Eisenbahntunnel wieder ohne Einschränkungen nutzbar – zu spät für viele Urlauber, die in den Sommerferien verreisen wollen.

Für Reisende aus dem Südosten Deutschlands bleibt die Brenner-Autobahn durch Südtirol der schnellste Weg gen Süden. Doch dort ist die Verkehrslage kaum besser. Die langen Autoschlangen sorgen regelmäßig für Streit zwischen Österreich und Italien.

Erst im Mai führte Italien kurzzeitig wegen des G7-Gipfeltreffens in Apulien Grenzkontrollen am Brenner ein – und löste kilometerlange Staus aus. Auch dort stellt man sich indes nach der Sperrung des San-Bernadino-Tunnels auf mehr Verkehr ein. Denn für Reisende, die etwa vom Raum München in Richtung französische Mittelmeerküste unterwegs sind, ist der Weg durch die Schweiz der kürzeste.

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In der Schweiz wird angesichts des befürchteten Verkehrschaos diskutiert, wie der Transit durch das Alpenland für Urlauber möglichst unattraktiv gemacht werden kann. So erwägen Schweizer Politiker, an den Grenzübergängen Warntafeln zur Staugefahr aufzustellen.

Heinz Theiler, Politiker der liberalen FDP aus der vom Verkehrschaos besonders betroffenen Innerschweiz, fordert zusätzliche Mautgebühren für den Transitverkehr. Die umgerechnet etwa 40 Euro für die Vignette in der Schweiz sei „einfach zu günstig“, sagte er der Boulevardzeitung „Blick“. Er ist überzeugt: „Die Durchfahrt-Touristen bringen auch keinen volkswirtschaftlichen Nutzen.“

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