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Aufsichtsrat Die Führungsmannschaft von Thyssen-Krupp ist wieder komplett

Mit Martina Merz und Wolfgang Colberg rücken zwei neue Mitglieder in den Aufsichtsrat bei Thyssen-Krupp auf. Damit ist das Gremium wieder komplett.
19.12.2018 Update: 19.12.2018 - 14:23 Uhr Kommentieren
Der Essener Stahlkonzern beruft eine neue Spitze des Aufsichtsrates. Quelle: dpa
ThyssenKrupp

Der Essener Stahlkonzern beruft eine neue Spitze des Aufsichtsrates.

(Foto: dpa)

Düsseldorf In seiner Weihnachtsansprache für die Mitarbeiter ließ Vorstandschef Guido Kerkhoff keinen Zweifel: „Es war ein schwieriges Jahr“, erklärte der Thyssen-Krupp-Manager am Dienstag in einer Videobotschaft seinen rund 160.000 Mitarbeitern. „Doch wir konnten jederzeit alle auf sie zählen.“

Hinter dem Essener Industriekonzern liegen turbulente Monate, nachdem im Sommer erst Vorstandschef Heinrich Hiesinger und kurz darauf auch Chefkontrolleur Ulrich Lehner sowie Aufseher René Obermann ihre Ämter hingeworfen hatten. Doch nun ist die Führungsmannschaft in Essen wieder komplett.

Wie der Konzern am Mittwoch mitteilte, wird der frühere Evonik-Finanzchef Wolfgang Colberg ab sofort in das Aufsichtsgremium des Industriekonzerns berufen. Bereits vor wenigen Wochen hatten die Kontrolleure die frühere Bosch-Managerin Martina Merz in ihre Mitte gewählt. Sie soll nun nach der Hauptversammlung im Februar das Amt der Vorsitzenden übernehmen.

Mit den Entscheidungen endet nun eine lange Personalsuche, in deren Verlauf zahlreiche Kandidaten abgesagt hatten. Im November scheiterte etwa die Berufung des Daimler-Managers Bodo Uebber am Widerstand der zehn Arbeitnehmervertreter in dem zwanzigköpfigen Gremium, nachdem Uebber eine Verdopplung der Vergütung gefordert hatte.

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    Seither wurde Merz als aussichtsreichste Kandidatin für den Posten der Chefkontrolleurin gehandelt. Wie auch der nun berufene Colberg gilt Merz als Kandidatin der Finanzinvestoren, die schon länger einen radikalen Umbau des Industriekonglomerats fordern. Mit dem Plan, Thyssen-Krupp in zwei Unternehmen aufzuspalten, war Vorstandschef Kerkhoff dieser Forderung zuletzt entgegengekommen.

    Bis zur Hauptversammlung 2020 soll der Konzern in ein Werkstoff- und ein Technologieunternehmen geteilt werden. Angesichts dessen begrüßte auch der bisherige Aufsichtsratschef Bernhard Pellens die Entscheidung, Colberg zum Mitglied und Merz zur Vorsitzenden zu berufen: „Die geplante Teilung bringt eine Vielzahl an Aufgaben für den Aufsichtsrat mit sich.“

    Da das Gremium nun wieder komplett besetzt sei, „kann ich mich wieder auf meine Aufgabe als Vorsitzender des Prüfungsausschuss konzentrieren“, so Pellens. Der Bochumer Wissenschaftler gehört dem Aufsichtsrat schon lange an und war im Herbst auf den Posten gewechselt, nachdem sich über Wochen kein Nachfolger für Ulrich Lehner gefunden hatte.

    Mit Merz dürfte der Aufsichtsratsvorsitz nun in absehbarer Zeit wieder mit einer Managerin besetzt werden, die auch über industrielle Erfahrung verfügt. Die 55-Jährige wäre die erste Frau, die den Posten bei Thyssen-Krupp bekleidet – und darf auf die Unterstützung beider Großaktionäre hoffen: der Krupp-Stiftung mit 21 Prozent sowie dem schwedischen Finanzinvestor Cevian mit 18 Prozent.

    Auch der nun berufene Colberg, der im Hauptberuf als Partner beim Finanzinvestor CVC unter Deutschlandchef Alexander Dibelius arbeitet und ebenfalls von den wesentlichen Eigentümern gestützt wird, gilt als industrieerfahren. In seiner Zeit bei Evonik bis 2013 brachte der 59-Jährige den Spezialchemiekonzern an die Börse und machte sich einen Namen als Kostensenker.

    Indes schließen sich auch die Reihen im Management von Thyssen-Krupp. Erst am Freitag berief der Konzern den früheren Bayer-Finanzvorstand Johannes Dietsch zum neuen CFO. Nach seiner Ernennung zum Vorstandschef hatte Kerkhoff das Amt übergangsweise in einer Doppelfunktion inne.

    Ebenfalls am Freitag gab der Konzern zudem bekannt, dass mit Peter Walker auch ein neuer Chef für das Aufzugsgeschäft des Konzerns gefunden wurde. Zudem hat der Konzernvorstand am Montag die Führungsmannschaft für das geplante Stahl-Joint-Venture mit dem indischen Konkurrenten Tata zusammengestellt: CEO von Thyssen-Krupp Tata Steel wird der bisherige Stahlchef Andreas Goss, der zuvor auch als Favorit für den Posten gehandelt wurde.

    Die Manager Hans Fischer und Sandip Biswas, die künftig als Goss’ Stellvertreter und Technologiechef beziehungsweise als Finanzchef im Vorstand des Joint Ventures vertreten sein werden, decken dabei die Tata-Seite des Unternehmens ab. Als Strategiechef wurde der bisherige Thyssen-Krupp-Steel-CFO Premal Desai benannt.

    Von den Arbeitnehmervertretern der Stahlsparte wurde die Entscheidung begrüßt. So erklärte Tekin Nasikkol, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Thyssen-Krupp Steel, endlich herrsche Gewissheit auf der Vorstandsebene des Gemeinschaftsunternehmens. „Es ist sicherlich kein Nachteil, dass uns bekannte Gesichter dort zu finden sind.“

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