Automobilindustrie: Chinesische Autohersteller wollen Europa erobern – sie setzen aber vielleicht auf die falschen Modelle
Das im vergangenen Jahr in München präsentierte SUV soll sich in der oberen Mittelklasse etablieren.
Foto: ReutersDüsseldorf, Stuttgart. Innerhalb weniger Tage haben sich zwei chinesische Autogiganten in Deutschland angekündigt: Anfang 2023 werden BYD und Great Wall Motor (GWM) erste Elektroautos auf dem deutschen Markt anbieten. Die technischen Daten sind beeindruckend, die Preise eine Kampfansage. Modelle wie der Seal von BYD sind in China schon ab umgerechnet etwa 32.000 Euro erhältlich.
Vom kommenden Montag an wird BYD, Chinas größter Elektroautobauer, in Den Haag zwei Tage lang seine Europa-Strategie vorstellen. Die Fahrzeuge dürften erst der Anfang sein. „In drei Jahren könnte ein erster chinesischer Hersteller ein eigenes Werk in Europa, wenn nicht sogar in Deutschland aufstellen“, erwartet Ralf Gaydoul, Partner bei der Unternehmensberatung Horváth.
Chinas Autohersteller greifen Premiumsegment an
Er berät chinesische Kunden bei ihrem Markteintritt in Europa. „Die Chancen für die chinesischen Autobauer stehen derzeit grundsätzlich sehr gut, da aufgrund der Lieferengpässe die europäischen Fahrzeughersteller nicht lieferfähig sind“, sagt Gaydoul.
Die deutsche Autoindustrie hat den Chinesen ein Zeitfenster geöffnet. Diese Chance macht die Angreifer extrem selbstbewusst. Sie sehen sich wie Tesla als ernst zu nehmende Konkurrenten von Volkswagen, Mercedes und BMW. Mit ihren Fahrzeugen greifen sie das Premiumsegment an – doch genau das könnte für die Hersteller aus Fernost zu einem Problem werden. Denn in der Oberklasse gelten in Europa bislang eigene Gesetze.