Covestro: Chemiekonzern verschärft Sparprogramm und plant weiteren Stellenabbau
Düsseldorf. Der Kunststoffhersteller Covestro verschärft mit Blick auf die schwachen Konjunkturaussichten seinen Sparkurs. Bis 2028 will der Konzern weltweit jährliche Einsparungen in Höhe von 400 Millionen Euro bei Sach- und Personalkosten umsetzen. 190 Millionen Euro davon entfielen auf Deutschland, teilte das Unternehmen am Dienstag mit.
Der Umbau wird weitere Stellen kosten. Eine Zahl nannte Covestro aber nicht. Betriebsbedingte Kündigungen wird es in Deutschland nicht geben. Der Vertrag zur Beschäftigungssicherung, der dies ausschließt, wurde über 2028 hinaus bis 2032 verlängert. In Deutschland hat Covestro 7250 Mitarbeitende, weltweit sind es 17.000.
Covestro steckt aktuell in finalen Übernahmegesprächen mit dem arabischen Ölkonzern Adnoc. Das Staatsunternehmen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten bietet 11,7 Milliarden Euro für den Chemiekonzern. Covestro hat am Montag beschlossen, Adnoc Zugang zu einer intensiven Prüfung der Bücher und Geschäftsergebnisse zu ermöglichen. Ob die Transaktion wirklich zustande kommt, ist aber noch unklar.
Chemiebranche steht unter großem Druck
Das neue Sparprogramm sei schon weit vor dieser Entwicklung eingeleitet worden, heißt es in Unternehmenskreisen. Es sei eine Reaktion auf ein „sich rasant veränderndes Marktumfeld“, wie es in der offiziellen Mitteilung heißt.
Die Chemieindustrie kämpft in Deutschland und Europa mit dauerhaft höheren Energiekosten. Zugleich wächst die Konkurrenz vor allem in Asien und dem Nahen Osten. Dazu kommt: Konjunkturell hat die Branche zwar die Talsohle erreicht. Ein spürbares Wachstum ist aber auch in der Chemie aktuell nicht zu erkennen.
Dafür will sich Covestro nun rüsten. Der Konzern plant aber in Deutschland keine Anlagenschließungen – anders als Konkurrent BASF, der in Ludwigshafen bereits mehrere energieintensive Anlagen dichtgemacht hat und weitere Schließungen plant. Covestro bekannte sich am Dienstag zum Standort Deutschland und machte Zusagen zu Investitionen sowie dem Verbleib der Konzernzentrale in Leverkusen.
Covestro kämpft um Zukunft: Sparkurs, Stellenabbau, arabische Investoren / Report: Sinkt die Ölnachfrage ab 2030?
Der Stellenabbau im Rahmen des Sparprogramms namens „Strong“ soll hierzulande sozialverträglich umgesetzt wird, also in Form von freiwilligen Aufhebungsverträgen oder Arbeitszeitreduzierungen. Im Ausland seien Kündigungen und einzelne Anlagenschließungen aber nicht ausgeschlossen, sagte ein Sprecher. Mehr Effizienz erhofft sich Covestro auch vom Einsatz Künstlicher Intelligenz.
Erstpublikation: 25.06.2024, 08:46 Uhr.