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IndustrieSchott Pharma kündigt Börsengang an - IPO noch bis zum Ende des Jahres

Schott will Aktien seiner Tochter Schott Pharma in Frankfurt platzieren. Weitere Börsengänge dürften im Herbst folgen.Arno Schütze 06.09.2023 - 15:39 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Schott Pharma stellt unter anderem Karpulen her, die für die Abfüllung und Verabreichung von Insulin verwendet werden.

Foto: dpa

Frankfurt. Der Mainzer Glasverpackungshersteller Schott Pharma hat seinen seit Langem erwarteten Börsengang (IPO) offiziell angekündigt. Abhängig vom Kapitalmarktumfeld solle das Debüt bis Ende des Jahres stattfinden, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Finanzkreisen zufolge ist die Erstnotiz für Ende September geplant.

Zu den Kunden der Schott-Tochter gehören etwa Biontech und Moderna, die die Verpackungen für ihre Covidimpfstoffe verwenden. Schott setzt zunehmend auf hochwertige Produkte, die sich für Premiumpreise verkaufen lassen.

Börsengang von Schott Pharma könnte einer der größten des Jahres werden

Schott Pharma könnte beim Börsengang mit rund vier Milliarden Euro bewertet werden, womit er einer der größten IPOs des Jahres in Deutschland werden könnte, wie mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten. Das Unternehmen äußerte sich dazu nicht.

Neben Schott Pharma stehen auch der Mobilitätsdienstleister DKV (Tankkarten) und der Panzergetriebehersteller Renk in den Startlöchern für eine Erstnotiz an der Frankfurter Börse. Der deutsche Sandalenhersteller Birkenstock bereitet sich auf ein Debüt in New York vor.

Die beim Schott-Pharma-Börsengang ausgegebenen Aktien stammen komplett aus dem Besitz des Mutterkonzerns Schott, der mit den Einnahmen sein Wachstum beschleunigen will. Schott will die Mehrheit an dem vor einem Jahr ausgegliederten Hersteller von Glasampullen, -fläschchen und Spritzen behalten. Finanzkreisen zufolge sollen 25 bis 30 Prozent der Schott-Pharma-Aktien verkauft werden. Der Tochter fließt kein Geld aus dem Deal zu.

„Wir finanzieren unser Wachstum selbst und haben kein Bedarf an Zuflüssen aus dem IPO“, sagte Schott-Pharma-Chef Andreas Reisse dem Handelsblatt. Der Börsengang mache die Firma unabhängiger und eröffne die Möglichkeit, bei Bedarf den Kapitalmarkt anzuzapfen, etwa um Zukäufe zu finanzieren. Für Übernahmen habe man mittelfristig aber keine konkreten Pläne.

In den vergangenen fünf Jahren ist Schott Pharma nach eigenen Angaben durchschnittlich jährlich um mehr als zehn Prozent gewachsen. 2023 stieg der Umsatz in neun Monaten um 8,4 Prozent auf 670 Millionen Euro, während das Betriebsergebnis (Ebitda) um 9,3 Prozent auf 187,4 Millionen Euro zulegte.

Schott Pharma will mittelfristig ein zweistelliges Umsatzwachstum sowie eine Umsatzrendite im unteren 30-Prozent-Bereich erzielen, heißt es aus dem Unternehmen. Derzeit zählt Schott Pharma 4700 Beschäftigte.

Konkurrenten werden im Schnitt zum 22-Fachen ihres erwarteten Gewinns gehandelt

Schott und seine zwei Hauptrivalen Stevanato und Becton Dickinson teilen sich 60 Prozent des Weltmarkts. Zu weiteren Wettbewerbern gehören Lonza und West Pharma. Die Vergleichsunternehmen handeln an der Börse im Schnitt zum 22-Fachen ihres für nächstes Jahr erwarteten Betriebsgewinns.

Investoren verlangen von Börsenneulingen immer einen Abschlag auf die Bewertung der Rivalen. Dennoch könnte die Bewertung von Schott Pharma am Ende deutlich über vier Milliarden liegen, so die Hoffnung in Mainz.

Schott Pharma: Zielmarkt wächst jährlich um neun Prozent

Die ersten gläsernen Pharmaverpackungen stellte Schott schon vor 100 Jahren her. Heute zählt das Unternehmen 16 Produktionsstandorte in 14 Ländern. Der für Schott Pharma relevante Markt für injizierbare Medikamente wächst laut Unternehmensangaben 1,4-mal schneller als der gesamte Pharmamarkt und soll bis 2026 ein Volumen von 579 Milliarden Euro erreichen.

Besondere Bedeutung kommen dem Produktsegment für hochmargige Glasprodukte zu, bei Schott Pharma „High-Value Solutions“ genannt. Dazu gehören etwa Gefäße für eine tiefgekühlte Aufbewahrung von Impfstoffen bei bis zu minus 100 Grad Celsius oder neuartige Glas- oder Polymerspritzen etwa für Medikamente gegen Diabetes.

Schott hat seine Produktionsstätten rund um den Globus verteilt und sitzt zumeist in der Nähe von großen Pharmaherstellern. „Wir bauen derzeit ein neues Werk in Ungarn und erweitern die Kapazität in Deutschland und den USA. Kurzfristig planen wir im Schnitt mit Investitionen in Höhe von etwa 20 Prozent unseres Umsatzes“, sagte Reisse.

Auf China, wo Schott Pharma ein Werk betreibt, blicke das Unternehmen heute vorsichtiger als vor fünf Jahren, erklärte der Manager. „Die Euphorie ist abgeklungen und es ist unklar, wie die geopolitische Situation weitergeht. Wir sind aber weit weniger exponiert als andere Unternehmen.“

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Erstpublikation: 06.09.2023, 08:39 Uhr.

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