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Kinderarbeit im KongoFür E-Autohersteller wird Kobalt zur Gewissensfrage

Kobalt ist für E-Auto-Batterien unerlässlich. Doch der Rohstoff wird oft unter schlechten Bedingungen abgebaut. Die Konzerne setzen nun auf Recycling.Markus Fasse, Franz Hubik und Michael Brächer 02.05.2018 - 20:15 Uhr Artikel anhören

Umstrittene Arbeitsbedingungen bei der Gewinnung des für die E-Autobranche wichtigen Rohstoffs

Foto: www.deff.de

Zürich, Stuttgart, Düsseldorf. Das Urteil ist deftig. Noch nicht einmal die Minimalstandards an „Transparenz und Sorgfaltspflicht“ erfülle Daimler in Hinblick auf mögliche Kinderarbeit im Kongo rügte die Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“ Ende 2017. Der Bericht unter dem Titel „Die dunkle Seite der grünen Technologien“ schreckte die Verantwortlichen in Stuttgart auf.

„Es hat uns überrascht, dass wir so schlecht abgeschnitten haben“, sagt Renata Jungo Brüngger, das für Compliance zuständige Vorstandsmitglied am Mittwoch. Daimler will mit dem „Human Rights Respect System“ bis 2020 die Achtung der Menschenrechte umsetzen. Kobalt werde nur noch aus überwachten Minen bezogen, wo man mit Helmen und Atemmasken arbeitet und das Mindestalter bei 18 Jahren liegt.

Kobalt gehört wie Wolfram und Zinn zu den 50 „Risikorohstoffen“, die Daimler für das Elektroauto identifiziert hat. Zehn Kilo des seltenen Erzes braucht man für jeden Elektroantrieb, bis 2025 will Daimler bis zu 500.000 Stromautos pro Jahr produzieren. 60 Prozent des heute geförderten Kobalts stammen aus dem Kongo, einem von Bürgerkriegen und Korruption gebeutelten Land.

Daimler bezieht seine Rohstoffe nicht direkt aus dem Kongo, sondern arbeitet mit Batterieproduzenten wie dem chinesischen Unternehmen CATL zusammen. Die Chinesen hätten sich bereit erklärt, sich „den westlichen Gegebenheiten zu stellen“, sagt Sabine Angermann, bei Daimler zuständig für die Rohstoffbeschaffung.

Experten sehen die Autohersteller in einer heiklen Lage. Denn die rasant steigende Nachfrage nach Rohstoffen für Elektroantriebe verschiebt zusehends das Machtgefüge zwischen Produzenten und Abnehmern. „Die Minenkonzerne sind damit in der Lage, die Vertragskonditionen zu diktieren und sich ihre Kunden zunehmend auszusuchen“, sagt Henry von Klencke, Rohstoffexperte des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Konzerne wie BMW, Volkswagen oder Daimler werden dadurch zu Bittstellern degradiert.

Engpässe und Abhängigkeiten von einzelnen Rohstoffen und Produzenten würden deutlich zunehmen. Der BDI-Experte warnt: „Gerade bei Kobalt ist der Druck groß und dürfte weiter steigen“. Die Analysten der Schweizer Großbank UBS kalkulieren mittelfristig mit einem Nachfragewachstum bei Kobalt von durchschnittlich 20 Prozent pro Jahr.

Die Folge: Der Preis für das seltene Metall hat sich binnen zweieinhalb Jahren vervierfacht. Abhilfe könnte ein konsequentes Recycling schaffen, immerhin gehen in Deutschland jedes Jahr 30.000 Tonnen Kobalt über nicht genutzten Elektroschrott verloren.

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Schwer zu recyceln und leicht entflammbar – das unterschätzte Risiko der E-Auto-Batterien

Auch der Schweizer Bergbaukonzern Glencore muss sich rechtfertigen. „Wir haben an unserem Arbeitsplatz keinen Zugang zu sauberen Toiletten“, klagt Solo Pierre Tshinguz, der am Mittwoch auf der Glencore-Generalversammlung die Gewerkschaft Tumec vertritt. Seine Frage: „Was macht Glencore, um dafür zu sorgen, dass Kobalt und Kupfer im Kongo verantwortungsvoll hergestellt werden?“

Glencore-Verwaltungsratschef Anthony Hayward weist die Vorwürfe zurück. „Wir produzieren Kupfer und Kobalt verantwortungsvoll.“ Viele Kunden hätten sich davon überzeugt, er selbst habe die Minen erst kürzlich besucht. Schon vorher hatte der Konzern die Kritik der Gewerkschaftsföderation Industriall an den Arbeitsbedingungen als haltlos bezeichnet. So gebe es etwa in beiden Minen Toiletten.

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Der Gewerkschaftsverbund hatte Autozulieferer aufgefordert, mehr Druck auf Glencore auszuüben, um die Produktionsbedingungen zu verbessern. Ein schwieriges Unterfangen in einem Land mit eigenen Rechtsvorstellungen: Präsident Joseph Kabila regiert weiter, obwohl seit 2016 seine Amtszeit abgelaufen ist.

Und Glencore ist in dem Land ohnehin unter Druck, weil gegen seine kongolesischen Tochterfirmen Mutanda und Kamoto Anträge zur Einfrierung von Vermögenswerten über insgesamt rund drei Milliarden US-Dollar laufen. Hintergrund ist ein Streit mit dem ehemaligen Glencore-Geschäftspartner Dan Gertler, der wegen Korruptionsvorwürfen auf den Sanktionslisten der US-Behörden steht.

Alles keine guten Referenzen für Autofirmen, die auf sauberes Kobalt aus dem Kongo angewiesen sind. Daimler hofft auf die Technik. „Wir arbeiten daran, das Kobalt in den Batterien zu substituieren“, sagt Sabine Angermann. Bis 2025 will Daimler kobaltfrei sein.

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