Ramesh Balwani: Früherer Theranos-Geschäftsführer zu langer Haft verurteilt
Der Ex-Theranos-Präsident und seine frühere Lebensgefährtin und Unternehmenschefin Holmes hatten Investoren und Patienten laut Gericht über die Leistungsfähigkeit der Geräte belogen.
Foto: APLos Angeles. Für seine Beteiligung an dem Betrug der Bluttest-Firma Theranos erwarten den früheren Co-Geschäftsführer Ramesh Balwani knapp 13 Jahre Haft. Ein US-Gericht im Bundesstaat Kalifornien verkündete das Strafmaß am Mittwoch (Ortszeit), wie US-Medien berichteten. Balwani war als früherer Theranos-Präsident und für das operative Geschäft zuständiger Manager (COO) schon im Juli wegen Überweisungsbetrugs schuldig gesprochen worden.
Wie die Gründerin und Unternehmenschefin Elizabeth Holmes soll er Investoren gezielt getäuscht haben. Holmes war in einem davon abgetrennten Prozess im November zu gut elf Jahren Haft verurteilt worden.
Bereits im Januar hatte eine Jury Holmes wegen vierfachen Betrugs und Verschwörung schuldig gesprochen. Sie sah den Betrug an den Investoren als erwiesen an.
Der einstige Silicon-Valley-Star hatte den Geldgebern vorgegaukelt, mit einem einzigen Tropfen Blut bis zu 70 verschiedene Blutwerte – von Cholesterin bis hin zu Krebsindikatoren – analysieren zu können. Tatsächlich funktionierte die Technologie nie.
Ihr 58-Jähriger Ex-Lebensgefährte Ramesh Balwani erhielt damit eine längere Haftstrafe als seine frühere Chefin, auch wenn er nicht die Hauptverantwortung im Unternehmen trug, führte das „Wall Street Journal“ am Mittwoch aus.
Theranos-Geräte waren nie leistungsfähig – Investoren und Patienten getäuscht
Holmes und Balwani hatten Investoren und Patienten laut Gericht über die Leistungsfähigkeit der Theranos-Geräte belogen. Die eigene Technologie wurde zwischen 2003 und 2015 als führend herausgestellt. Tatsächlich wurden wichtige Bluttests nicht auf Theranos-eigenen Apparaten durchgeführt, sondern auf Siemens-Maschinen.
Als die Probleme ans Licht kamen, brach Theranos nach dem Einschreiten der US-Aufsicht und Aktionärsklagen zusammen. Holmes war eine der wenigen weiblichen Gründungspersönlichkeiten im Silicon Valley. Ihre Prominenz – Holmes war unter anderem Gast im Weißen Haus – führte zu einer großen öffentlichen Aufmerksamkeit für den Fall.
Obwohl Holmes die Hauptverantwortung im Unternehmen trug, erhielt Balwani damit eine längere Haftstrafe als seine frühere Chefin.
Foto: APHolmes fungierte als das öffentliche Gesicht des Unternehmens. Laut der Staatsanwaltschaft spielte aber auch Balwani, eine wesentliche Rolle. E-Mails und Textnachrichten zeigten, dass die beiden sowohl beruflich als auch in einer Liebesbeziehung miteinander verbunden waren.
Staatsanwaltschaft: Enge Zusammenarbeit, um Betrug aufrechtzuerhalten
Gegen Balwani führte die Staatsanwaltschaft an, dass er eine Zeit lang das in der Firma streng abgeschottete Labor geleitet hatte. Balwani wies die Vorwürfe zurück und warf der Staatsanwaltschaft vor, nur besonders schlechte Ergebnisse von Bluttests angeführt zu haben
Holmes hatte Balwani in ihrem Verfahren vorgeworfen, sie sexuell und psychisch missbraucht zu haben. Die Staatsanwaltschaft hingegen hatte argumentiert, Balwani und Holmes hätten eng zusammengearbeitet, um den Betrug, der durch Recherchen des „Wall Street Journals“ ans Licht kam, aufrechtzuerhalten. Hierzu hätten sie unter anderem wichtige Informationen vor den eigenen Mitarbeitern abgeschirmt.