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RobotikDieses Start-up übernimmt Anlagenbau-Aktivitäten von Thyssenkrupp

Das Start-up aus München hat einen humanoiden Roboter entwickelt. Der Einzug in die Fabriken soll nun auch mithilfe einer Übernahme gelingen.Axel Höpner 26.11.2025 - 08:21 Uhr Artikel anhören
Humanoider Roboter von Agile: Die Hand gilt als eine der besten in der Industrie. Foto: Agile Robots

München. Das ambitionierte deutsche Robotik-Start-up Agile Robots will mit der Übernahme von Anlagenbau-Aktivitäten von Thyssenkrupp und der Serienfertigung seines ersten humanoiden Roboters den Einzug in die Fabriken schaffen. „Das sind zwei Schritte auf unserem Weg, Künstliche Intelligenz und Robotik zusammenzubringen und so die nächste industrielle Revolution voranzutreiben“, sagte Agile-Vizepräsident Rory Sexton dem Handelsblatt.

Agile Robots spielt schon länger eine führende Rolle bei der Konsolidierung der neuen Robotik. Das Münchener Unternehmen hatte bereits unter anderem den Cobot-Spezialisten Franka Emika, die BMW-Ausgründung Idealworks und Bär Automation übernommen.

Nun geht es bei der Integration von industriellem Know-how den nächsten Schritt: Agile übernimmt die wesentlichen Teile der Thyssenkrupp Automation Engineering und gewinnt so Kundenkontakte und Expertise vor allem in der Autoindustrie.

Die Sparte erzielte als Anbieter von kompletten automatisierten Produktionsanlagen vor allem im Bereich der Elektromobilität – also zum Beispiel bei der Batteriemontage – Erlöse im dreistelligen Millionenbereich. Agile Robots selbst verdoppelte die Umsätze im vergangenen Jahr auf 200 Millionen Euro.

Nächste Stufe der Automatisierung

„Wir bekommen ein sehr bekanntes Unternehmen mit einem großen Kundenstamm in Europa und Nordamerika, das tiefes Ingenieurwissen und Erfahrung im Projektmanagement hat“, sagte Sexton, der den Titel Vice President Operations hat. Durch die Kombination mit der physischen KI von Agile könne die Automatisierung auf die nächste Ebene gehoben werden.

Rolf-Günther Nieberding, CEO von Thyssenkrupp Automation Engineering, sagte: „Wir bringen unsere langjährige Erfahrung im Anlagenbau und in der Projektabwicklung für anspruchsvolle Prozesse, erfolgskritische Projekte und globale Kundenstrukturen in eine dynamisch wachsende Organisation eines deutschen Zukunftsunternehmens ein.“

Die Thyssenkrupp-Sparte war 1950 unter dem Namen Johann A. Krause in Bremen gegründet worden. Agile will sie als Krause Automation weiterführen und die Aktivitäten auf weitere Branchen wie die Elektronikindustrie ausweiten. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

650 Mitarbeiter werden übernommen

Man sei sich der kulturellen Herausforderungen bewusst, wenn man ein Start-up und Teile eines traditionellen Konzerns zusammenbringe, sagte Sexton. Doch werde das übernommene Unternehmen weiter sehr unabhängig agieren. Agile werde „strategische Führung und die Schnittstelle zur Technologie“ bieten.

Traditionelle Unternehmen seien vielleicht etwas langsamer, aber gründlich. „Wir werden das Beste aus beiden Welten nehmen.“ Nur wenige Fabriken würden vollautomatisiert auf der grünen Wiese gebaut, sagte Sexton. Die meisten Kunden suchten Lösungen für bereits bestehende Fertigungen, und da sei es gut, wenn man in der alten und der neuen Welt zu Hause sei.

Automatisierung

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Gerade Autobauer hätten schon heute funktionierende Prozesse und einen hohen Automationsgrad. Es gehe nun darum, ihnen bei Herausforderungen wie zum Beispiel Materialtransport und manueller Montage mithilfe von physischer KI – also der Kombination von Robotik mit KI – zu helfen, so der Agile-Vizepräsident.

Agile übernimmt in einem sogenannten Asset-Deal den Großteil der Thyssenkrupp-Tochter mitsamt 650 Mitarbeitern. Diese Beschäftigten sollen alle ihren Job behalten. „Im Gegenteil, wir wollen weiter aufbauen.“

Ein humanoider Roboter für die eigenen Fabriken

Agile Robots gilt als eines der chancenreichsten hiesigen Start-ups auf diesem Feld. In Deutschland allein investierte das Unternehmen im vergangenen Jahr 80 Millionen Euro. Das Geld floss unter anderem in ein neues Forschungslabor in München.

Agiles Stärke sei es, sowohl bei der Hardware als auch bei der Software mit der Integration von Künstlicher Intelligenz schon relativ weit zu sein, sagt der CEO eines Konkurrenten. Die Ambitionen des Unternehmens sind entsprechend groß. „Ich bin zuversichtlich, dass wir mittelfristig mehr als eine Milliarde Euro Umsatz erzielen können“, sagt Mitgründer und CEO Zhaopeng Chen.

Agile Robots will ab dem kommenden Jahr in Deutschland seinen ersten humanoiden Roboter für die Industrie, Agile One, produzieren. Die Maschine wird mit der Agile-Hand ausgerüstet, die als eine der am weitesten entwickelten Roboterhände in der Industrie gilt. Softwarebasis ist ein KI-Modell, das mit realen Industriedaten trainiert wurde.

Der neue humanoide Roboter soll eine Vielzahl von industriellen Aufgaben übernehmen, von der Bedienung von Maschinen und Werkzeugen bis zum Transport von Material. Auch Konkurrenten wie Neura Robotics, das unter anderem Schaeffler als Abnehmer gewonnen hat, und Elon Musk mit seinem Roboter Optimus wollen intelligente, menschenähnliche Roboter in die Fabriken bringen.

Obwohl ein eigenes Modell vor dem Start steht, sieht Sexton den Hype um humanoide Roboter mit einer gewissen Distanz. „Die Welt braucht keine singenden oder tanzenden Roboter, die Kung-Fu können.“ Man stehe noch am Anfang der industriellen Revolution. Humanoide Roboter seien nur ein kleiner Teil davon. Der eine Prozess werde einen einarmigen Roboter erfordern, ein anderer eine autonome Transportlösung.

Hand von Agile Robots: Gründer Chen beschäftigt sich schon lange mit einer der größten Herausforderungen für die Robotikindustrie. Foto: Agile Robots

Die Hardware für die neue Robotik sei schon weit entwickelt. Agile habe das schwierigste Problem, die menschliche Hand, gemeistert. Auch bei der KI habe man in den vergangenen Jahren Fortschritte gemacht. Nun gehe es darum, diese zu trainieren mithilfe von Simulation, aber auch von echtem Training. „Wir haben Datenfarmen, in denen wir Robotern beibringen, Dinge zu tun.“

Man werde Agile One zunächst in den eigenen Fabriken einsetzen – „und viel dabei lernen“. Spätestens in der zweiten Jahreshälfte werde man den Roboter auch bei einigen strategischen Kunden einsetzen. „Aber wir werden nicht Hunderttausende verkaufen.“ Es sei aber nur die Frage, wann sich humanoide Roboter durchsetzen, nicht, ob.

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Gründer Chen hatte sich schon seit Studienzeiten mit dem Thema Roboterhand beschäftigt – eine der größten Herausforderungen für die Industrie. Die Agile-Hand kann an Cobots wie auch humanoiden Robotern eingesetzt werden. Agile habe die Chance, als einer der Gewinner aus der aktuellen Konsolidierung hervorzugehen, ist Vizepräsident Sexton überzeugt. „Wir sind technologisch führend, und wir haben ein großes Forschungs- und Entwicklungsteam.“ Doch gleichzeitig habe man bereits viele Beschäftigte im Kundenkontakt und erziele reale, rasch wachsende Umsätze.

Erstpublikation: 24.11.2025, 12:29 Uhr.

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