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RüstungszuliefererPanzergetriebe-Hersteller Renk könnte schon im Oktober an die Börse zurückkehren

Der Rüstungszulieferer erlebt derzeit eine Sonderkonjunktur. Beim Börsengang winkt Renk eine Milliardenbewertung. Die Chefin stellt auch Zukäufe in Aussicht.Arno Schütze, Markus Fasse 12.09.2023 - 15:48 Uhr aktualisiert Artikel anhören

70 Prozent macht das Rüstungsgeschäft mit Getrieben für Panzer oder Schiffe für die Marine aus.

Foto: Renk

Frankfurt, München. Der Augsburger Panzergetriebe-Hersteller Renk will noch in diesem Jahr an die Börse. Das teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Finanzkreisen zufolge dürfte das Debüt an der Frankfurter Börse in der ersten Oktoberwoche stattfinden.

Renk-Chefin Susanne Wiegand sagte, die Rückkehr an den Aktienmarkt sei der nächste logische Schritt auf dem Wachstumspfad. Der Finanzinvestor Triton, der Renk vor drei Jahren übernommen hatte, wolle sich von bestehenden Anteilen trennen, aber auch nach dem Börsengang Mehrheitseigentümer bleiben. Ein „relevanter“ Streubesitz werde angepeilt.

Finanzkreisen zufolge ist mit der Platzierung von mindestens einem Viertel der Anteile zu rechnen. Dabei könnte Renk mit 2,5 bis drei Milliarden Euro bewertet werden. Das Unternehmen wollte sich dazu nicht äußern. Banker hatten zuletzt die mögliche Bewertung auf 2,5 Milliarden Euro taxiert.

Renk erzielt 70 Prozent des Umsatzes mit Rüstung

Renk erlebt derzeit eine Sonderkonjunktur. „Unser Geschäft sind die Zeiten- und Energiewende“, sagte Wiegand am Dienstag. Mit „Zeitenwende“ bezieht sich die Renk-Chefin auf die rund 70 Prozent des Umsatzes von zuletzt rund 850 Millionen Euro, die im Rüstungsgeschäft erzielt werden.

Renk ist mit seinen Präzisionsgetrieben an großen Rüstungsprojekten beteiligt, vor allem in den Leopard- und Puma-Panzern der Bundeswehr sowie in Getrieben für Fregatten und Korvetten der Marine. Mit Ausbruch des Ukrainekriegs zogen die Aufträge kräftig an, auch wenn Renk als Zulieferer von Rheinmetall, Krauss-Maffei Wegmann oder den Marinewerften nur mittelbar profitiert.

Der Zulieferer erlebt derzeit eine Sonderkonjunktur.

Foto: Renk

Vor allem bei Panzern und gepanzerten Fahrzeugen ist der Bedarf hoch: Neben Deutschland und der Ukraine laufen überall in Europa neue Beschaffungsprogramme, zuletzt bekundete Italien Interesse an 250 neuen Leopard-Panzern.

Daneben will Wiegand auch das Energiegeschäft ausbauen. Das Unternehmen liefert Getriebe für Windräder, aber auch für Kompressoren für Industrieanlagen, beispielsweise für Pipelines, die Gas oder Wasserstoff transportieren. Wiegand kann sich vorstellen, hier zuzukaufen: „Wir schauen uns den Markt aktiv an“, sagte die Renk-Chefin. Eine solche Akquisition könne auch dazu führen, dass sich das Zivil- und das Rüstungsgeschäft künftig die Waage halten.

Doch auch ohne Zukauf ist das Augsburger Unternehmen auf Wachstum getrimmt. Renk geht mittelfristig von einem jährlichen Umsatzplus von zehn Prozent aus. Der Auftragsbestand liegt bei 1,7 Milliarden Euro, dürfte aber noch deutlich steigen. Denn viele Rüstungsprojekte sind zwar schon genehmigt, aber für Zulieferer wie Renk noch nicht in fertige Unteraufträge überführt.

Renk-IPO wäre erst der vierte größere Börsengang des Jahres

Für Renk ist es der zweite Gang an den Aktienmarkt nach genau 100 Jahren: Das Unternehmen war von 1923 bis 2020 an der Börse notiert, bevor Mehrheitseigentümer Volkswagen die ehemalige MAN-Tochter für 700 Millionen Euro an Triton verkauft hatte.

In Deutschland ist es erst der vierte größere Börsengang des Jahres. Der Industriekonzern Thyssen-Krupp hatte seine Wasserstoff-Tochter Nucera im Juli aufs Parkett gebracht. Die Emission brachte gut 600 Millionen Euro ein.

Investmentbanker erwarten allerdings, dass angesichts der zurückkehrenden Kauflaune von Investoren eine Reihe weiterer Deals folgen werde. Vergangene Woche hatte der Arzneiverpackungshersteller Schott Pharma sein Börsendebüt angekündigt. Auch die Parfümeriekette Douglas plant eine mögliche Rückkehr an die Börse.

„Der geplante Börsengang wird uns Zugang zu zusätzlichen Finanzierungsinstrumenten verschaffen und die Strategie der Renk Group unterstützen, ein hohes und nachhaltiges Wachstum über mehrere Jahrzehnte zu erzielen“, sagte Finanzchef Christian Schulz am Dienstag.

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Im ersten Halbjahr steigerte das Unternehmen den Umsatz um knapp acht Prozent auf 410 Millionen Euro, der bereinigte Betriebsgewinn kletterte nach Firmenangaben um 5,5 Prozent. 2022 hatte Renk 144,3 Millionen Euro verdient. Für das laufende Jahr werden Erlöse von 900 Millionen bis eine Milliarde Euro erwartet, die Gewinnmarge dürfte bei 16 bis 17 Prozent liegen. Mittelfristig soll die Marge auf 19 bis 20 Prozent steigen.

Mit Agenturmaterial

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