Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Tesla Elon Musks riskante Indien-Wette

Der Tesla-Chef will in diesem Jahr in Indien durchstarten. Auf dem Subkontinent hat es die Elektromobilität aber noch schwer – und schon andere Autobauer sind dort gescheitert.
19.01.2021 - 10:49 Uhr 2 Kommentare
Der Tesla-Chef will seine Elektroautos auch in Indien verkaufen. Quelle: Reuters
Tesla-Chef Elon Musk

Der Tesla-Chef will seine Elektroautos auch in Indien verkaufen.

(Foto: Reuters)

Bangkok Um Teslas Markteinstieg in Indien zu bestätigen, braucht Elon Musk gerade einmal zwei Wörter: „Wie versprochen“, schrieb der Chef des Elektroautoherstellers auf Twitter als Reaktion auf einen Artikel über die ersten Schritte von Tesla in dem zweitbevölkerungsreichsten Land der Erde.

Bereits seit Monaten spricht Musk davon, sein Unternehmen auf den Subkontinent führen zu wollen. Seit wenigen Tagen wird es konkret: In der südindischen Technologiemetropole Bangalore meldete Tesla offiziell eine lokale Niederlassung an. Indien ist damit nach China das zweite große Schwellenland Asiens, in dem der wertvollste Automobilkonzern der Welt vertreten sein wird.

Die Entscheidung für das Land mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern ist für Tesla ebenso vielversprechend wie riskant: Musks Unternehmen wettet auf einen gigantischen Zukunftsmarkt und hat die Chance, von der Regierung versprochene Milliardeninvestitionen abzuräumen. Gleichzeitig muss sich Tesla in Indien in einem massiv unterentwickelten Ökosystem für Elektromobilität zurechtfinden – und auf einem Automarkt, auf dem schon zahlreiche ausländische Hersteller gescheitert sind.

Wann genau Tesla mit dem Verkauf seiner Autos in Indien loslegen wird, ist noch unklar. Musk hatte in der Vergangenheit aber betont, dass dies 2021 der Fall sein würde. Die importierten Modelle sind allerdings vom Massenmarkt weit entfernt. Indische Medien berichten, dass das erste Tesla-Fahrzeug auf dem indischen Markt das Model 3 sein soll und wohl umgerechnet zwischen 62.000 und 68.000 Euro kosten wird. Bestätigt ist das zwar noch nicht. In dem Land, in dem das Pro-Kopf-Einkommen bei weniger als 2.000 Euro im Jahr liegt, wird ein Tesla aber zweifellos nur für Oberklasse-Kundschaft erschwinglich sein.

Indiens Verkehrsminister Nitin Gadkari sagte Ende Dezember, dass Tesla Anfang des Jahres mit dem Vertrieb starten würde – und auch erwäge, seine Fahrzeugkomponenten künftig in Indien zusammenzusetzen oder sogar zu fertigen.

Er fügte hinzu, dass Indien den Anspruch habe, zum weltgrößten Hersteller im Bereich der Elektromobilität aufzusteigen – zumindest wenn man auch E-Bikes und Elektroroller mitzählt.

Bei den Elektroautos liegt Indien aber noch weit zurück: Im vergangenen Jahr wurden in dem Land insgesamt nur rund 4000 E-Autos verkauft – in China entspricht das in etwa dem Elektroautoabsatz eines einzelnen Tages.

Ein Grund für die Zurückhaltung der indischen Autokäufer ist die mangelnde Infrastruktur: Zwar verspricht die Regierung von Premierminister Narendra Modi, Elektroautos zum Durchbruch zu verhelfen, und erhofft sich dadurch, von Ölimporten unabhängiger zu werden. Vor einem Jahr kündigte sie deshalb an, 2600 Ladestationen in 62 Metropolen errichten zu lassen. Doch passiert ist seither wenig: Nur rund 650 Ladestationen sind indischen Medien zufolge derzeit verfügbar.

Höhere Importzölle für Elektroautos

Die Förderprogramme der Regierung sind alles andere als geradlinig: Zwar stellt sie bis 2022 umgerechnet rund 1,1 Milliarden Euro zur Verfügung, um Anreize zum Kauf von Elektroautos zu erhöhen und die Infrastruktur zu verbessern – gleichzeitig hob die Regierung aber vor einem Jahr auch die Einfuhrzölle für Elektrofahrzeuge und zentrale Komponenten signifikant an. Im Fall von fertig zusammengesetzten Fahrzeugen stieg der Zoll von 25 auf 40 Prozent.

Die Regierung verfolgt mit den Zöllen das Ziel, mehr Fabriken ins eigene Land zu bringen. In Nischenmärkten wie der Elektromobilität, aber auch in Indiens relativ kleinem Premiumautosegment lohnt es sich für Hersteller vielfach nicht, eigene Produktionsanlagen zu errichten – ein Problem, das auch deutsche Autokonzerne in dem Land haben.

Die Herstellung von Batterien von Elektroautos soll nach Regierungsplänen zwar mit mehr als vier Milliarden Dollar unterstützt werden. Aber selbst Verkehrsminister Gadkari gibt zu, dass die Produktion innerhalb Indiens schwierig ist, weil das Land über keinen ausreichenden Zugang zum dafür notwendigen Rohstoff Lithium verfügt.

Indiens Ambition, innerhalb dieses Jahrzehnts zu einem führenden Markt für Elektromobilität aufzusteigen, lässt Hersteller aber dennoch auf gute Geschäfte hoffen: Regierungspläne sehen vor, dass bis 2030 rund ein Drittel der Pkw einen Elektroantrieb haben soll. Bei Nutzfahrzeugen verspricht man sich sogar einen noch höheren Anteil. Sollte das Ziel erreicht werden, würde in Indien ein neuer 200-Milliarden-Dollar Markt entstehen, heißt es in einer Studie des indischen Centre for Energy Finance.

VW, GM und Honda sind schon in Indien gescheitert

Musk ist sich aber offensichtlich im Klaren darüber, dass Indien trotz des Potenzials ein schwieriger Markt sein wird. In der Vergangenheit begründete er Teslas Abwesenheit in dem Land mit der „herausfordernden Regulierung“, die er dort vorfinde, und klagte über den Mangel an geeigneten Zulieferern in dem Land.

Zu denken geben dürfte Musk auch die lange Liste an internationalen Markenherstellern, die in Indien bereits gescheitert sind: General Motors zog sich 2017 aus dem indischen Markt zurück und stellte dort Ende 2020 auch die Produktion für den Export ein.

Auch Honda sah sich angesichts schlechter Geschäfte zuletzt gezwungen, eine von seinen bis dahin zwei Fabriken in Indien zu schließen. Die Produktion von Autos unter der Marke Fiat wurde in Indien 2019 gestoppt. Auch Volkswagen fällt es seit Jahren schwer, in dem Land signifikant zu wachsen: Zuerst scheiterten zweimal hintereinander geplante Gemeinschaftsprojekte – erst mit dem japanischen Hersteller Suzuki, dann mit dem indischen Konkurrenten Tata. Und ein erhoffter Neuanfang, den Volkswagen vor einem Jahr in Neu-Delhi ankündigte, wurde anschließend von der Coronavirus-Pandemie ausgebremst.

Volkswagens Kurzzeitpartner Tata befeuerte unterdessen Spekulationen, dass das Unternehmen dieses Mal mit Tesla zusammenarbeiten könnte. Unter dem Hashtag #WelcomeTesla twitterte Tata Motors am Freitag: „Die Medien sind voll mit unserer Romanze – nun ist sie endlich öffentlich.“ Tata ist mit dem Nexon EV aktuell noch der Marktführer auf dem indischen Elektroautomarkt, auch wenn die Verkäufe mit 2600 Fahrzeugen noch relativ mager ausfallen.

Der Tweet wurde kurze Zeit später wieder gelöscht, und das Unternehmen dementierte, dass es eine Entscheidung über eine Zusammenarbeit gebe. An der Mumbaier Börse reichten die Tesla-Gerüchte an dem Tag aber für einen siebenprozentigen Kurssprung bei der Tata-Motors-Aktie.

Mehr: Selbstfahrende Autos auf deutschen Straßen: Traditionelle Autobauer könnten Tesla überholen.

Startseite
Mehr zu: Tesla - Elon Musks riskante Indien-Wette
2 Kommentare zu "Tesla: Elon Musks riskante Indien-Wette"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "massiv unterentwickelten Ökosystem für Elektromobilität" gilt ja auch für Deutschland und Europa...
    und jetzt wird halt falsch Überdimensioniert mit "Ladesäulen" wo Steckdosen reichen...Lobby macht es immer noch kompliziert und teuer.

  • Warum heißt es Wette, wenn es um Tesla geht. Das Investment von VW, dass sich offenbar nicht auszahlt hat, wird nicht als Wette bezeichnet. Wer wettet überlässt es dem Glück. Wer aufgrund eines Businessplanes ein geschäftliches Risiko eingeht macht eine Investment. Die Bezeichnung Wette unterstellt also -ohne nähere Begründung- dass sich Tesla hierbei nichts gedacht hat, sondern ein reines Glücksspiel betreibt.
    Es ist immer wieder zu sehen, dass selbst seriöse Zeitungen, wie das Handelsblatt sich auf ein derart propagandistisches Niveau begibt.
    Tesla ist wirklich ein Stachel im mobilverwöhnten Fleisch des deutschen Michels. Statt die Leistungen anzuerkennen versucht man mit solch suggestiven Begriffen nach zu treten. Das ist erbärmlich.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%