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Autoindustrie Volkswagen wagt in Indien trotz vieler Probleme den Neustart

Nach mehreren Fehlschlägen startet VW in Indien unter der Führung von Skoda eine neue Offensive. Doch die Erfolgsaussichten sind äußerst unsicher.
05.02.2020 - 17:14 Uhr Kommentieren
Der kleine SUV soll in Indien für Umsatz sorgen. Quelle: Reuters
VW Taigun

Der kleine SUV soll in Indien für Umsatz sorgen.

(Foto: Reuters)

Neu-Delhi Der Mann, der die Durststrecke von Volkswagen in Indien beenden soll, hat die jüngste Flaute auf dem Subkontinent für eine Auszeit genutzt. Während seine Fabrik unter anderem wegen schlechter Verkaufszahlen stillstand, schnappte sich Gurpartap Boparai über Weihnachten sein Motorrad und fuhr von der Industriestadt Pune an Indiens Südzipfel und zurück. 4000 Kilometer lang wurde die Tour.

Danach war der Automanager bereit für die wohl schwerste Aufgabe seiner Karriere: den Neustart von Deutschlands größtem Automobilkonzern in dem 1,3 Milliarden Einwohner großen Land.

Boparai, der zuletzt für die VW-Marke Skoda in Indien zuständig war, verantwortet seit vergangenem Jahr das gesamte Pkw-Geschäft des Konzerns auf dem Subkontinent. Er soll nach mehreren Fehlschlägen von VW in Indien unter der Federführung von Skoda eine Aufholjagd einleiten. Eine Milliarde Euro hat der Konzern dafür bereitgestellt.

Bei Indiens größter Autoshow, die am Freitag beginnt, zeigt Boparai nun die ersten Ergebnisse seiner Arbeit. Doch Beobachter zweifeln, dass der Konzern aus Fehlern in der Vergangenheit wirklich gelernt hat. Die Offensive beginnt zudem unter schwierigen Vorzeichen: Indiens Autoindustrie kämpft mit dem stärksten Einbruch der Verkaufszahlen seit zwei Jahrzehnten.

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    Das erste Auto der neuen Ära präsentiert Boparai der Presse vorab mit Lichtershow und Geigenmusik. „Vision IN“ heißt das Konzeptfahrzeug, mit dem er Indiens Autokäufer neu für Skoda begeistern will. Es ist keines der Billigfahrzeuge, die in dem Schwellenland besonders beliebt sind, sondern ein SUV für die gehobene Mittelschicht. Um zu erkennen, dass das Fahrzeug gezielt Inder ansprechen soll, muss man genau hinsehen: Das Armaturenbrett ist verziert mit feinen Mustern, die an die indische Stoffdrucktechnik Kalamkari erinnern sollen, erklären die Designer.

    Boparais Chef, Skoda-Vorstandschef Bernhard Maier, zeigt sich überzeugt, dass damit der neue Anlauf klappen wird. „Wir haben in der Vergangenheit viel gelernt und verfolgen jetzt einen komplett anderen Ansatz“, sagte er. Der indische Markt sei so hart umkämpft wie kein anderer auf der Welt. „Wir haben jede Rupie umgedreht, um wettbewerbsfähige Preise bieten zu können.“

    Winziger Marktanteil

    Zu hohe Preise gehörten in der Vergangenheit zu den Hauptgründen, weshalb die Pkws aus dem Volkswagen-Konzern in Indien nur wenig Käufer fanden. Die Fahrzeuge galten als überambitioniert. Dass viele Teile importiert werden mussten, verteuerte die Autos zusätzlich.

    Zwei Mal versuchte VW, günstigere Autos für den Massenmarkt zu entwickeln, und setzte dabei auf Partner: Beim ersten Mal war es der japanische Hersteller Suzuki, beim zweiten Mal der indische Konkurrent Tata. Beide Male scheiterten die Projekte, noch bevor sie zu Ergebnissen führen konnten.

    Die Marktanteile des Konzerns bewegen sich seither nur knapp über der Wahrnehmungsschwelle. Zuletzt kamen Volkswagen und Skoda gemeinsam lediglich auf 1,6 Prozent – in einem Markt, der gemessen an der Zahl der verkauften Autos ähnlich groß ist wie Deutschland.

    India 2.0 nennt die Volkswagen-Gruppe den nächsten Anlauf, mit dem der Konzern seinen Marktanteil bis 2025 auf fünf Prozent mehr als verdreifachen will. Kern ist eine neue Fahrzeugplattform, die für den indischen Markt entwickelt wurde und künftig die Basis für alle neuen Skoda- und Volkswagen-Modelle in Indien bieten soll.

    Das Unternehmen erhofft sich Einsparungen, weil die Fahrzeuge damit künftig zu 95 Prozent lokal gefertigt werden sollen. Bisher musste Indien-Chef Boparai bei Importen mindestens mit Aufschlägen von 15 Prozent für Zölle und fünf Prozent für die Logistik kalkulieren.

    „SUV-Segment überdurchschnittlich gewachsen“

    Die Frage, wie teuer der neue Skoda-SUV und ein von Volkswagen geplanter SUV unter dem Namen „Taigun“ in Indien am Ende sein werden, lässt Boparai offen. Darüber will der Manager, der seine Karriere als Ingenieur bei Tata begann und später die Geschäfte von Fiat in Indien leitete, erst kurz vor Verkaufsstart 2021 sprechen.

    Aus Sicht von Analysten ist dieser Punkt aber entscheidend für die Erfolgschancen: „Das SUV-Segment in Indien ist zwar zuletzt überdurchschnittlich stark gewachsen“, sagt Puneet Gupta, Automobilexperte beim Marktforscher IHS Markit. „Aber die Konkurrenz in dem Segment hat massiv zugenommen.

    Ob Skoda eine Chance hat, hängt ganz davon ab, ob sie einen attraktiven Preis hinbekommen.“ Shavikesh Goel, Experte für Business-Development bei dem auf Indien spezialisierten Beratungsunternehmen Maier+Vidorno, zeigt sich skeptisch: Der Lokalisierungsgrad bei Skoda und Volkswagen sei mit rund 80 Prozent bereits jetzt relativ hoch. „Es wird schwierig werden, da noch große Einsparungen herauszuholen.“

    Goel vermisst von dem Konzern ein Angebot für die untere Preisklasse: Fahrzeuge mit Anschaffungskosten von bis zu 12.500 Euro machen 85 Prozent des ganzen Marktes aus. Für sein Einstiegsmodell Polo hat VW in Indien seit mehr als einem Jahrzehnt keinen Nachfolger mehr auf den Markt gebracht. „Volkswagen überlässt hier ganz der Konkurrenz das Feld“, sagt Goel mit Blick auf den Marktführer Maruti Suzuki, der einen Marktanteil von rund 50 Prozent hat.

    Skoda-VW-Manager Boparai sagt, er könne sich durchaus vorstellen, künftig mit weiteren Modellen auf den Massenmarkt zu zielen. Er räumt aber ein: „Für uns war es in der Vergangenheit schwierig, in diesem Segment Geld zu verdienen.“

    Indiens Konjunkturprobleme sind für den Konzern eine weitere Hürde. Das Wirtschaftswachstum brach zuletzt auf den niedrigsten Stand seit der Finanzkrise vor elf Jahren ein. Die Autoindustrie ächzte 2019 unter einem Rückgang der Verkaufszahlen um 13 Prozent.

    Auch für 2020 erwarten Analysten kaum Besserung. Skoda-Vorstandschef Maier glaubt aber, dass die Probleme nur vorübergehend sind. Er erwartet, dass Indien in den kommenden Jahren zum drittgrößten Automobilmarkt der Welt aufsteigen wird. Das Potenzial für Wachstum ist da: Auf 100 Einwohner kommen in Indien erst drei Fahrzeuge. In Deutschland sind es mehr als 60.

    Mehr: VW und die bosnische Firmengruppe Prevent überziehen sich mit Klagen. In Düsseldorf hat der Ex-Zulieferer nun Recht bekommen – aber nur in einem Fall.

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