Verkehrswende: Produktion deutscher Fahrradhersteller geht deutlich zurück
Düsseldorf. Die deutschen Fahrradhersteller haben 2023 deutlich weniger Fahrräder produziert als im Vorjahr. Um jeweils 100.000 Stück sei die Produktion von Fahrrädern und E-Bikes gesunken, erklärte der Zweiradindustrieverband (ZIV) am Mittwoch bei der Präsentation der Jahreszahlen. Der Verband vertritt 121 Mitglieder, die zusammen für 90 Prozent der Fahrräder und E-Bikes stehen, die in Deutschland produziert werden.
ZIV-Geschäftsführer Burkhard Stork gibt sich dennoch zuversichtlich. Es gebe einen „deutlichen Trend zum Zweit- und Drittrad“, etwa für Freizeitaktivitäten und zum Transport. Elf Millionen E-Bikes seien mittlerweile auf deutschen Straßen unterwegs – achtmal mehr als E-Autos. „Das E-Bike ist der Motor der Fahrradbranche“, so Stork.
Doch insgesamt ist nicht nur die Produktion der Fahrradindustrie im vergangenen Jahr gesunken, es wurden auch weniger Fahrräder verkauft – der von Stork beschriebene Trend kann also nur einen Teil der Bevölkerung erfasst haben, während viele Menschen sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gegen eine solche Anschaffung entschieden.
Doch welche Fahrräder kauften die Deutschen? Wie viele Räder gibt es in Deutschland? Und vor welchen Problemen steht die Industrie?
Bald mehr Fahrräder als Menschen in Deutschland
Bald werde es in Deutschland mehr Fahrräder als Einwohner geben, prognostizierte ZIV-Geschäftsführer Stork. Für das Jahr 2023 schätzt der Verband den Bestand auf 84 Millionen Fahrräder und E-Bikes. Der Anteil der elektrischen Fahrräder habe sich in den vergangenen zehn Jahren versiebenfacht. Jährlich wurden zuletzt mehr als 1,5 Millionen E-Bikes in Deutschland produziert.
Bei der Produktion liegen E-Bikes in Deutschland seit 2018 vor den klassischen Fahrrädern, dieses Jahr sind sie erstmals auch bei den Verkäufen in Deutschland vorbeigezogen. Der ZIV meldet für 2023 rund 2,1 Millionen verkaufte E-Bikes und nur 1,9 Millionen verkaufte klassische Fahrräder. Insgesamt gingen die Verkäufe im Vergleich zum Jahr 2022 um 500.000 Fahrräder zurück. Bei E-Bikes fiel der Rückgang deutlich geringer aus.
E-Bikes sind sechsmal teurer als herkömmliche Fahrräder. Im Schnitt verlangten Händler im vergangenen Jahr pro E-Bike 2950 Euro (plus fünf Prozent im Vergleich zu 2022), während ein Fahrrad im Schnitt 470 Euro kostete (minus sechs Prozent). Trotz der Preissteigerung bei den E-Bikes ist der Gesamtumsatz der Branche im vergangenen Jahr zurückgegangen, er fiel um 300 Millionen Euro auf 7,06 Milliarden Euro.
Welche Fahrradmodelle kaufen die Deutschen?
Vier von zehn Fahrradkäufern in Deutschland haben sich für ein Trekkingrad entschieden, mit dem auch längere Strecken zurückgelegt werden können. Cityräder kamen auf einen Marktanteil von 16 Prozent.
Bei E-Bikes hatten Mountainbikes (39 Prozent) den größten Anteil, jeder Vierte entschied sich für ein Trekkingrad. Elektrische Lastenräder machten zehn Prozent der Verkäufe aus.
Vor welchen Problemen steht die Fahrradindustrie?
Ein Hauptproblem für die Fahrradindustrie in Deutschland sei die mangelhafte Radinfrastruktur, bemängelte Anke Schäffner, Leiterin Politik & Interessenvertretung des ZIV. Bundesweit seien die Bedingungen weiterhin schlecht, es brauche viel mehr Ausgaben für neue und sichere Radwege.
Zudem stellt der Fachkräftemangel auch die Fahrradindustrie vor Probleme. „Wenn die Arbeitskräfte fehlen, hilft auch eine größere Werkstätte nicht“, sagte Uwe Wöll, Geschäftsführer des Fachhandelsverbands „Verbund Service und Fahrrad“ (VSF). Mitunter komme es deswegen zu Wartezeiten in den Werkstätten. Gerade bei E-Bikes gebe es einen höheren Reparaturbedarf in Werkstätten, weil Kunden ihr Rad seltener selbst reparieren.