Eine Auswahl der Handelsblatt-Redaktion: Das Beste aus 2022
Sind Blackout-Sorgen berechtigt? Wie stabil ist das deutsche Stromnetz in diesem Winter?
Foto: Getty Images [M]Zum Jahresende wünscht man einander oft ein „besinnliches Fest“ oder „ruhige Tage“. Mit Blick auf das vergangene Jahr fällt das allerdings gar nicht so leicht. 2022 war das Jahr des brutalen Angriffs Russlands auf die Ukraine – ein Krieg, der großes menschliches Leid verursacht und dessen Ende weiterhin nicht absehbar ist. Zugleich hat der Ukrainekrieg für Verunsicherung an den Weltmärkten gesorgt. Unternehmen, die als „sichere Bank“ galten, sind in Schieflage geraten, der Immobilienmarkt hat sich massiv gedreht, die Inflationsrate liegt derzeit bei zehn Prozent.
Worauf Sie sich in diesen schwierigen Zeiten verlassen können? Darauf, dass wir als Handelsblatt-Redaktion die aktuellen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen für Sie weiterhin 24 Stunden täglich begleiten, analysieren und kommentieren. Wir haben für Sie einige unserer besten Lesestücke aus dem Jahr 2022 noch einmal zusammengestellt – und unsere Chefredaktion nach ihren persönlichen Empfehlungen gefragt.
Chefredakteur Sebastian Matthes:
Die Zukunft der Energieversorgung Europas gehört seit jeher zu den wichtigsten Themen des Handelsblatts. Seit Jahren beleuchtet unser Energieteam die großen Ambitionen und mitunter noch größere Denkfehler der Energiepolitik, analysiert die wichtigsten technologischen Entwicklungen der Branche und setzt all das in einen internationalen Kontext. In diesem Jahr haben wir das Team noch einmal deutlich ausgebaut. Mehr als ein halbes Dutzend Expertinnen und Experten in Deutschland und der Welt befassen sich mit der Schicksalsfrage der europäischen Wirtschaft: Wie sieht die Energieversorgung von Morgen aus?
Neulich erst hat das Team analysiert, wie groß die Wahrscheinlichkeit eines Blackouts diesen Winter in Deutschland wirklich ist, und darüber berichtet, wie in Baden-Württemberg gerade der größte Energiespeicher der Welt entsteht. Das sind faszinierende Innovationen, die vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen wären, wie auch der Durchbruch bei der Kernfusion im Dezember 2022, der vergleichbar sei mit der „Zähmung des Feuers vor 700.000 Jahren“, wie der CEO des Kernfusions-Start-ups Marvel Fusion, Moritz von der Linden, in meinem Podcast „Disrupt“ mir neulich erzählte. Solche Ideen faszinieren mich schon lange, sie waren unter anderem mein Thema, als ich vor 15 Jahren meinen ersten festen Job als Reporter hatte.
Gleichzeitig haben wir dieses Jahr auch viele Fragen in den Blick genommen, die Ihren Alltag, liebe Leserinnen und Leser, betreffen. Etwa, welche Kosten bei den Alternativen zur Gasheizung entstehen, bei Wärmepumpe, Fernwärme und Pelletöfen und was bei den Alternativen zu Öl- und Gasheizungen zu beachten ist.
Stellvertretende Chefredakteurin Kirsten Ludowig:
Der Fachkräftemangel in Deutschland und die disruptiven Veränderungen in der Arbeitswelt der vergangenen Jahre betreffen uns alle. Als Chefin, aber auch als Moderatorin des New-Work-Podcasts „Handelsblatt Rethink Work“ verfolge ich dementsprechend besonders aufmerksam die Berichterstattung zu Karrierethemen.
Dabei freue ich mich allerdings besonders über jene Geschichten, die eben nicht nur von den Schwierigkeiten erzählen, sondern nach vorn blicken. Die Texte über die 50 Top-Unternehmerinnen Deutschlands und die 30 potenziellen CEOs von morgen waren für mich zwei solche Geschichten.
Stellvertretender Chefredakteur Peter Brors:
Pflichtlektüre für alle Freunde wahrhaftiger Krimis: Meine Kollegen aus dem Investigativ-Ressort haben in dieser Geschichte die Spur des Geldes nachgezeichnet, die der bis heute flüchtige Ex-Wirecard-Finanzvorstand Jan Marsalek mit seiner Beute hinterlassen hat. Die Gläubiger des insolventen früheren Dax-Konzerns aus der Nähe von München warten auf rund drei Milliarden Euro. Mindestens ein Zehntel dieser Summe wird bei Marsalek vermutet. Es ist Geld, das aus einem Scheingeschäft in Indien stammen soll. Wie dieser Deal ablief, das haben unsere Reporter in vielen Details recherchiert.
Denjenigen, die nach der Lektüre immer noch nicht genug von Wirtschaftskrimis bekommen können, empfehle ich übrigens unseren Podcast Handelsblatt Crime. Dort bespricht Ina Karabasz alle zwei Wochen aktuelle Fälle mit dem Investigativ-Team.
Head of Digital Charlotte Haunhorst:
Ich gestehe: Ich mag Ich-Geschichten – insofern sie die Balance aus persönlichen Einblicken und journalistischem Mehrwert liefern. Die Geschichte „Wie ich mein erstes NFT verkaufte und damit ganz knapp nicht zum Millionär wurde“ unseres Italien-Korrespondenten Christian Wermke ist für mich so eine Geschichte.
Der Autor beschreibt darin, wie er versucht, sich in die Welt der Blockchain, der Non-Fungible Tokens (NFTs) und Kryptowährungen einzuarbeiten – und erzählt nebenbei mit großer Leichtigkeit von der Unvorhersehbarkeit digitaler Trends. In den Wochen nach seiner Geschichte verloren viele NFTs und Kryptowährungen massiv an Wert, die Kryptobörse FTX kollabierte komplett. Beim Handelsblatt werden wir das Thema natürlich auch im Jahr 2023 für Sie begleiten.
Die komplette Sammlung: