Wochenend-Newsletter: Was Peppa Wutz der Politik beibringen könnte – das Handelsblatt-Wochenende
Liebe Leserin, lieber Leser,
manchmal lerne ich über die Welt am meisten, wenn ich eigentlich etwas völlig anderes vorhatte. In meinem Fall beginnt das oft mit fünf Minuten Kinderfernsehen, bei denen ich hängen bleibe. Nicht, weil ich unbedingt wissen muss, ob das Zeichentrickschwein Peppa Wutz den Plüschdino ihres Bruders wiederfindet (Antwort: ja). Sondern, weil selbst in den banalsten Kinderserien erstaunlich viel über unsere Erwachsenenwelt steckt.
Neulich etwa in einer Folge der Schweineserie: Das Schuldach ist marode, es regnet hinein. Niemand ruft beim Bauamt an, niemand diskutiert EU-Infrastruktur-Förderformulare, niemand schreibt ein Konzept. Mama Wutz springt einfach mit dem Fallschirm ab, sammelt Geld, und das Dach wird repariert. Ende.
Ein kleines Gleichnis über Pragmatismus: Im Kinderfernsehen wird nicht debattiert, ob etwas in die Haushaltsperiode passt, es wird einfach gemacht. Nicht immer realistisch, aber erstaunlich erholsam für jemanden, der in Deutschland schon mal versucht hat, ein Dach zu reparieren.
Bei „Paw Patrol“ sieht die Welt noch einmal anders aus: Dort werden Feuerwehr, Polizei und Bürgermeister zwar gezeigt, spielen aber selten eine positive Rolle. Wenn etwas passiert, ruft niemand die Behörden – man ruft Ryder und seine Welpen.
Gerade deshalb wird die Serie oft als libertäres Selbstjustiz-Märchen kritisiert: Ein Zehnjähriger entscheidet allein, was ein Notfall ist, und setzt Maßnahmen ohne jede Kontrolle durch. Der Staat wirkt hilflos, die privaten Retter allmächtig.
So erzählt „Paw Patrol“, ob gewollt oder nicht, von einer Gesellschaft, die staatliche Strukturen zunehmend umgeht. Weil sie ihnen nicht mehr zutraut, Probleme zu lösen.
Und dann ist da der Scheinriese Tur-Tur aus Jim Knopf. Aus der Ferne wirkt er riesig und furchteinflößend, doch je näher man ihm kommt, desto kleiner wird er.
Ein Bild, das erstaunlich gut zu vielen aktuellen Debatten passt, von der Rente über den Wohnungsbau bis zur Gesundheitsversorgung. Die Probleme sind real, groß, manchmal unbequem. Aber sie werden erst dann zu Monstern, wenn man sie aus sicherer Entfernung beschwört, statt sich ihnen zu nähern.
Vielleicht könnte die Politik sich das merken:
Peppa zeigt, dass Pragmatismus hilft.
„Paw Patrol“ zeigt, was passiert, wenn Vertrauen in Institutionen schwindet.
Und Tur-Tur zeigt, dass man Probleme erst versteht, wenn man nah genug herankommt.
Das wäre schon mehr, als in vielen Sitzungswochen passiert.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende,
Ihre Charlotte Morré
Head of Digital Handelsblatt
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