Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

DIW-Managerinnen-Barometer Der „Morgan-Faktor“: Frauenanteil in deutschen Vorständen steigt stärker

Markiert die Berufung von Jennifer Morgan zur Co-Chefin von SAP einen Zeitenwechsel? Daten des DIW-Institut liefern erste Hinweise. Im Finanzsektor tut sich wenig.
22.01.2020 Update: 22.01.2020 - 15:48 Uhr Kommentieren
Die Managerin ist die neue Co-Chefin von SAP. Quelle: Getty Images Sport/Getty Images
Jennifer Morgan

Die Managerin ist die neue Co-Chefin von SAP.

(Foto: Getty Images Sport/Getty Images)

Berlin Beim Weltwirtschaftsforum in Davos hatte Jennifer Morgan als neue Co-Chefin des Softwarekonzerns SAP an diesem Mittwoch ihren Auftritt. Morgan ist seit Oktober die erste Frau an der Spitze eines Dax-Konzerns. Doch ist der Karriereschritt der 48-jährigen Amerikanerin die große Ausnahme für die deutsche Wirtschaft oder markiert ihre Berufung tatsächlich die Wende hin zu nachhaltig mehr Frauen in Führungspositionen?

Das Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) liefert dazu erste Hinweise. Fazit: Der Frauenanteil in den Vorständen großer Unternehmen in Deutschland ist im vergangenen Jahr etwas stärker gestiegen als in den Jahren zuvor. Demnach überschritten die 200 umsatzstärksten Unternehmen erstmals die Zehn-Prozent-Marke: 94 von 907 Vorstandsposten hatten Frauen inne, das entspricht einem Anteil von 10,4 Prozent.

Nach Einschätzung von Katharina Wrohlich, Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics am DIW Berlin, zeigt sich hier jedoch nicht nur ein „Morgan-Faktor“. „Das allein erklärt den Anstieg nicht“, sagte Wrohlich. „Auch abseits der Personen im Rampenlicht sehen wir, dass es voran geht.“

Die Daten des DIW stammen aus dem Herbst 2019. Bei über 500 Unternehmen wurde untersucht, inwieweit Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten vertreten sind.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    „Allerdings muss ich auch gleich Wasser in den Wein schütten“, sagte Wrohlich bei der Vorstellung der Befunde am Mittwoch in Berlin. Bei genauerem Hinsehen vollziehe sich die Entwicklung in den Chefetagen nach wie vor auf einem extrem niedrigen Niveau.

    Dies gelte vor allem, wenn mehrjährige Zeiträume betrachtet würden. „Geschlechterparität in den Vorständen der größten Unternehmen in Deutschland ist nach wie vor in weiter Ferne“, bilanzierte Wrohlich. Es könne auch noch keine Rede davon sein, dass in sämtlichen Chefetagen das Umdenken begonnen hätte.

    So ging es laut DIW-Studie in den Aufsichtsräten, anders als in den meisten Jahren zuvor, im Vergleich zu den Vorständen langsamer nach oben. In den Top-200-Unternehmen waren zum Zeitpunkt der Untersuchung 28,2 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder Frauen. Das ist eine Zunahme um mehr als einen Prozentpunkt gegenüber dem Jahr zuvor.

    In Deutschland gilt seit 2016 für die Aufsichtsräte von börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen eine verbindliche Geschlechterquote in Höhe von 30 Prozent. Sie betrifft derzeit rund 100 Unternehmen. Frei werdende Posten müssen hier so lange an Frauen vergeben werden, bis die Quote erreicht ist.

    „Durchsickereffekte“

    Diesen Vorschriften billigen DIW-Forscherin Wrohlich und Mitautorin Anja Kirsch von der Freien Universität Berlin positive Auswirkungen zu. Denn in einem Unternehmen mit Quotenbindung sei der Anteil von Frauen in Aufsichtsräten konstant höher als in vergleichbaren Unternehmen.

    Außerdem meinen die Forscherinnen auch „Durchsickereffekte“ auszumachen: Es verdichten sich demnach die Anzeichen dafür, dass die gesetzliche Quote für Aufsichtsräte mehr und mehr auch auf die Vorstände ausstrahlt.

    Denn Aufsichtsratsmitglieder können die Besetzung von Vorstandsposten entsprechend beeinflussen, weil sie etwa direkt an Personalentscheidungen beteiligt sind oder Zielgrößen für den Frauenanteil in Vorständen festlegen.

    Die Zahlen: Unter den Top-200-Unternehmen ist der Frauenanteil im Vorstand jener Unternehmen, die der Quotenregelung für Aufsichtsräte unterliegen, im vergangenen Jahr deutlich gestiegen, und zwar von acht auf 12,3 Prozent. Sie liegt damit nun höher als bei jenen Unternehmen innerhalb der Top-200-Gruppe, die nicht an die Quote gebunden sind. Dort stagnierte der Anteil der Vorständinnen im vergangenen Jahr bei gut neun Prozent.

    „Die neuen Zahlen des DIW bestätigen, dass Handlungsbedarf besteht“, sagte Giffey am Mittwoch nach Veröffentlichung der neuen Daten. Bei den Vorständen, wo es keine verbindliche Regelung gebe, bleibe Deutschland auf extrem niedrigen Niveau. „Wir können es uns nicht leisten, nur im Schneckentempo voranzukommen“, sagte die Ministerin. Es gehe nicht nur um die einzelne Führungsposition, sondern um eine große Signalwirkung auf das ganze Unternehmen und die Gesellschaft.

    „Sorgenkind“ Finanzsektor
    Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
    Mehr zu: DIW-Managerinnen-Barometer - Der „Morgan-Faktor“: Frauenanteil in deutschen Vorständen steigt stärker
    0 Kommentare zu "DIW-Managerinnen-Barometer: Der „Morgan-Faktor“: Frauenanteil in deutschen Vorständen steigt stärker"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%