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GehaltSo viel verdienen die Aufsichtsräte der Dax-Konzerne

Die Aufsichtsräte der größten börsennotierten Konzerne haben 2022 rund 117 Millionen Euro erhalten – so viel wie noch nie. Und ihre Vergütung soll weiter steigen.Tanja Kewes 24.11.2023 - 10:06 Uhr Artikel anhören

Jim Hagemann Snabe (Siemens, l.), Doreen Nowotne (Brenntag) und Norbert Reithofer (BMW) zählen zu Deutschlands bestbezahlten Aufsichtsratschefs.

Foto: Handelsblatt

Düsseldorf. Unter den Chefkontrolleuren der Dax-Konzerne gibt es einen neuen Spitzenverdiener. Norbert Reithofer, der Aufsichtsratsvorsitzende von BMW, erhielt 2022 mit 610.000 Euro die höchste Vergütung. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Autobauers verdrängte damit Paul Achleitner, den ehemaligen Chefkontrolleur der Deutschen Bank, vom ersten Platz.

Auf Rang zwei folgt Jim Hagemann Snabe von Siemens mit 602.000 Euro. Die geringste Vergütung unter den Aufsichtsratsvorsitzenden im deutschen Leitindex erhielt Wolfgang Büchele von Merck mit 112.000 Euro. Topverdienerin unter den 2022 drei amtierenden Chefaufseherinnen war mit 285.000 Euro Doreen Nowotne von Brenntag.

Während die Spitzenverdiener Reithofer, Snabe und Nowotne nur minimal oder gar nicht zulegten, stiegen die Vergütungen für die Dax-40-Aufsichtsräte insgesamt deutlich – und zwar um 17,4 Prozent auf insgesamt rund 117,3 Millionen Euro.

Das sind einige Ergebnisse der „Aufsichtsratsvergütungsstudie 2023“, erstellt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), die dem Handelsblatt exklusiv vorab vorliegt. Für die Erhebung wurden alle relevanten Vergütungsberichte des Geschäftsjahrs 2022 ausgewertet.

Die Vereinigung untersucht seit mehr als 20 Jahren unter anderem, wie sich Vergütung, Transparenz und Arbeitsbelastung der Aufsichtsräte verändert haben – auch mit Blick auf eine Überdehnung, mit zu vielen Posten oder zu lange Zeiten im Aufsichtsrat. Aufsichtsräte kontrollieren die operative Arbeit der Vorstände und berufen unter anderem Vorstandsmitglieder sowie Konzernchefs.

Anlegerschützer sehen nach Fall Wirecard mehr Geld für Aufseher gerechtfertigt

Für Marc Tüngler, DSW-Hauptgeschäftsführer, ist die gestiegene Vergütung der Aufsichtsräte „richtig und wichtig“. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt er: „Die Zunahme ist eine Konsequenz der nach Finanzskandalen und Fällen wie der Pleite des Wirecard-Konzerns gestiegenen gesetzlichen Regulatorik und höheren Anforderungen an Aufsichtsräte durch Investoren.“ Ein Aufsichtsratsmandat sei heute kein Nebenjob mehr, sondern harte Arbeit und mit hohen Haftungsrisiken verbunden.

Tüngler ist selbst Aufsichtsratsvorsitzender, für die Tätigkeit bei der Freenet AG erhielt er im Geschäftsjahr 2022 rund 127.000 Euro. „Die neue Dynamik resultiert auch aus der höheren Taktung, mit der über die Aufsichtsratsvergütung diskutiert wird“, erläutert der Anwalt, der seit einigen Jahren auch Mitglied der Deutschen Corporate Governance Kommission ist.

Durch das Gesetz zur Umsetzung der zweiten Aktionärsrechterichtlinie (ARUG II) stehe die Aufsichtsratsvergütung nun alle vier Jahre auf der Tagesordnung der Hauptversammlung. Früher sei seltener und fast nie ohne Grund über die Vergütung der Kontrolleure gesprochen worden.

Der Studie zufolge zahlte die höchste Gesamtvergütung im Geschäftsjahr 2022 mit insgesamt rund 6,8 Millionen Euro an ihre 20 Aufsichtsräte erneut die Deutsche Bank. Auf den Rängen zwei und drei folgen Mercedes-Benz mit rund 6,5 Millionen Euro sowie BMW mit rund 5,5 Millionen Euro.

Den stärksten Anstieg der Gesamtvergütung im Dax bei vergleichbarer Vorjahresbasis gab es mit 68,2 Prozent bei MTU, dort ging es auf rund 1,8 Millionen Euro hoch. Die geringste Gesamtvergütung zahlte mit 967.900 Euro der Pharmakonzern Merck.

Höhere Vergütung nötig um Aufsichtsräte zu locken

Im kleineren Mittelwertindex MDax fielen die durchschnittlichen Gehälter 2022 mit rund 212.000 Euro für den Aufsichtsratsvorsitzenden und rund 68.000 Euro für ein ordentliches Mitglied deutlich geringer aus. Ein ähnliches Bild zeigt sich im Nebenwerteindex SDax: Hier verdient ein Aufsichtsratsvorsitzender rund 134.000 Euro, ein ordentliches Mitglied rund 50.000 Euro. Die Zuwachsraten bewegen sich im einstelligen Prozentpunktebereich – noch.

Für die kommenden Jahre erwarten Experten eine weitere Zunahme der Aufsichtsratsvergütungen. Besonders Aufsichtsratsmitglieder ohne Leitungsfunktion, die seltener im Rampenlicht stehen, sowie Kontrolleure in unteren Indizes wie MDax und SDax hätten Nachholbedarf bei der Vergütung, so Tüngler: „Es wird wohl zu einer Gehaltanpassung nach oben kommen.“

Ähnlich sieht es Sebastian Pacher, Partner und Vergütungsexperte der Personalberatung Kienbaum: „Wir erwarten keine sprunghafte, aber eine sehr kontinuierliche weitere Steigerung der Aufsichtsratsvergütung.“ Das sei ein notwendiger Schritt, um die gestiegenen Anforderungen abzubilden und gerade auch um die Attraktivität der Aufsichtsratstätigkeit zu erhöhen.

Es sei nötig, so Pacher weiter, dem Kandidatenmarkt ein entsprechendes Signal zu geben: „Kleinere Unternehmen tun sich schon heute schwer damit geeignete Kandidaten zu finden.“

2021 hatten die Manager und Managerinnen noch ein Einkommensplus von 24 Prozent verzeichnet. Die Gründe für den Rückgang waren die globalen Krisen und ihre Auswirkungen auf die Unternehmensbilanzen im Geschäftsjahr 2022.

Forderungen, dass die Gehälter der Kontrolleure auch wieder an die wirtschaftliche Entwicklung ihrer Konzerne geknüpft werden – etwa wie früher üblich am Aktienkurs hängen – sieht Tüngler eher zurückhaltend: „Das Fixgehalt mit funktionsbezogenen Zulagen für Ausschussarbeit und Sitzungsgeld ist richtig.“

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Ein Aufsichtsrat müsse vollkommen unabhängig agieren können, das sei das höchste Gut. Das sei allerdings kein Hindernis, mit der Aufsichtsratsvergütung auch Aktien zu erwerben.

Erstpublikation: 23.11.2023, 06:48 Uhr.

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