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Jean LiuDie Strategin hinter dem Aufstieg des Fahrdienstleisters Didi

Die Didi-Präsidentin ist vom Erfolg verwöhnt. Doch nun beendet ausgerechnet die chinesische Cyberaufsicht ihre ambitionierten Wachstumspläne.Sabine Gusbeth 15.07.2021 - 04:08 Uhr Artikel anhören

„Unsere Technik kann helfen, so ziemlich jedes Verkehrssystem auf der Welt zu verbessern“, sagt die Didi-Präsidentin.

Foto: picture alliance/dpa/HPIC

Düsseldorf. „Ich kann nicht glauben, dass du bei einer Taxifirma anfängst“: Diesen Vorwurf musste sich Jean Liu von ihrem Chef anhören, als sie 2014 ihren hochdotierten Job bei Goldman Sachs kündigte. Sieben Jahre später machte der Börsengang des chinesischen Taxivermittlers Didi seine Präsidentin Jean Liu zur Milliardärin. Doch die Freude währte nicht lange. Kurz darauf brach die Aktie ein, und die 43-Jährige verlor ihren Platz in den einschlägigen Milliardär-Rankings.

Die chinesische Cyberaufsicht CAC hatte ein Ermittlungsverfahren gegen Didi eröffnet. Der Vorwurf: Das Unternehmen habe illegal Nutzerdaten gesammelt und gefährde durch den Börsengang die nationale Sicherheit. Für die erfolgsverwöhnte Liu dürfte das harte Vorgehen der Behörden ein Schock gewesen sein.

Denn die Aufseher setzen den ambitionierten Wachstumsplänen der Managerin vorerst ein jähes Ende. Dabei sollte der Börsengang die finanzielle Grundlage für die weitere internationale Expansion schaffen. Bereits 2017 betonte Liu: „China ist erst der Anfang.“ Es gehe darum, Didi zu einem globalen Anbieter von Mobilitätslösungen auszubauen, der die Massen an Daten nutzt, die bei den Fahrten generiert werden.

„Unsere Technik kann helfen, so ziemlich jedes Verkehrssystem auf der Welt zu verbessern“, skizzierte die gebürtige Pekingerin damals ihre Vision. Dank Big Data und Künstlicher Intelligenz spielt Didi auch in Zukunftssektoren wie dem autonomen Fahren vorn mit. Seit Mitte 2020 können in einem Modellprojekt in Schanghai fahrerlose Didi-Taxis gebucht werden.

Der Datenschatz des Unternehmens ist gigantisch: 2020 haben mehr als 550 Millionen Menschen insgesamt mehr als zehn Milliarden Fahrten gebucht. Die dabei gesammelten Daten seien ein echter Wettbewerbsvorteil – davon war Liu bis zuletzt überzeugt.

Didis Datenschatz wird zum Risiko

Doch just jener Vorteil wurde Didi nun zum Verhängnis. China hat in den vergangenen Monaten durch neue Gesetze für mehr Wettbewerb und besseren Datenschutz den Druck auf die großen Tech-Konzerne erhöht. Denn sensible Daten, wie etwa exakte Karten von Städten, könnten missbraucht werden und dann ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen. Deshalb ist Didi ins Visier der Aufseher geraten.

Dabei ignorierte das Didi-Management offenbar Warnungen der Cyberaufsicht CAC, die schon im Vorfeld den Börsengang in den USA aus Datenschutzsicht kritisch bewertete. Ob die gewiefte Strategin Liu das geänderte politische Klima falsch einschätzte oder den Börsengang durchziehen wollte, bevor die strengeren Regeln in Kraft treten, ist unklar. Denn bislang konnten Chinas Tech-Konzerne nahezu unbehelligt wachsen. Davon hat Didi lange profitiert, wie der Marktanteil in China von fast 90 Prozent beweist.

Das Unternehmen und sein Gründer Cheng Wei verdanken dies vor allem Lius Ehrgeiz. Als Cheng und Liu sich 2013 zum ersten Mal begegneten, war die Mutter von drei Kindern gerade zu einer der jüngsten Managing Directors bei Goldman Sachs aufgestiegen und sollte im Namen ihres Arbeitgebers bei dem frisch gegründeten Taxi-Start-up einsteigen. Cheng habe ihr Werben ignoriert, weil die Investitionsprüfung bei Goldman als besonders streng gelte, mutmaßte die Harvard-Absolventin später.

Drei Anläufe nahm Liu – und blitzte dreimal ab. „Wenn du mich nicht investieren lässt, dann lass mich mitmachen“, sagte sie schließlich zu Cheng. Auf einem siebentägigen Selbsterfahrungstrip in Tibet wurden sie sich einig. Entgegen dem Rat von Freunden und Familie kündigte Liu bei Goldman und stieg bei Didi ein, damals nur einer von rund 30 Taxivermittlern auf dem hart umkämpften chinesischen Markt.

Liu gewinnt Alibaba und Apple als Investoren

Die bestens vernetzte Investmentbankerin holte schnell hochkarätige Investoren wie Alibaba, Baidu, Foxconn, Softbank und Tencent an Bord. Anschließend fädelte die Dealmakerin den Zusammenschluss mit dem größten Konkurrenten Kuaidi Dache ein, beendete so den ruinösen Preiswettbewerb und formte den neuen Marktführer Didi Chuxing.

Ihr beruflicher Erfolg wurde 2016 überschattet von einer Krebsdiagnose. Liu zog sich aus der Öffentlichkeit zurück, steuerte das Unternehmen aber weiter aus dem Homeoffice. Nach wenigen Monaten war sie wieder an Bord und lehrte Uber-Chef Travis Kalanick das Fürchten.

Liu holte Apple als Investor an Bord, der US-Konzern beteiligte sich mit einer Milliarde Dollar. Mit dem Geld finanzierte Liu den Abwehrkampf gegen Uber. Kalanick warf das Handtuch, verkaufte das Uber-Chinageschäft an Didi und erhielt im Gegenzug 17,7 Prozent der Anteile.

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„Ich wollte schon immer etwas Eigenes aufbauen, ich glaube, das liegt in meinen Genen“, sagte sie einmal. Ihr Vater Liu Chuanzhi ist der Gründer des Computerherstellers Legend, später Lenovo. Er habe ihr einen wichtigen Ratschlag mit auf den Weg gegeben, der ihr bisher in schwierigen Zeiten geholfen habe: „Das Leben muss hart sein.“ Das habe sie resilienter gemacht. Diese Widerstandskraft hat sie nun bitter nötig.

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