Unternehmensberater: „Wir sind die Ausnahme“ – Wie Alix Partners in der Krise floriert
Düsseldorf. Der neue Deutschlandchef der US-Beratung Alix Partners, Veit Bütterlin-Goldberg, erwartet im Gegensatz zu großen Konkurrenten weiterhin starkes Wachstum. „Wir expandieren weiter. Wir sind im vergangenen Jahr organisch fast 30 Prozent gewachsen und das aktuelle Jahr läuft bisher genauso gut“, sagte er dem Handelsblatt.
In seinem ersten Interview erklärte der 46-Jährige, der seit Februar die Geschäfte der auf Transformationen spezialisierten Partnerschaft hierzulande führt, selbstbewusst: „Wir sind das am stärksten wachsende Beratungshaus in der Region – und das hat gute Gründe.“ Zudem sei die Beratung durchaus bereit, bei passender Gelegenheit weitere Akquisitionen wie die der Automobilberatung Berylls zu tätigen.
Mit zweistelligen Wachstumszahlen setzt Alix im angespannten Beratungsmarkt gerade Ausrufezeichen. Die Konkurrenz hat durchaus zu kämpfen. So stagnierte das Geschäft der größten Managementberatung deutschen Ursprungs, Roland Berger, zuletzt. Auch die Stuttgarter Branchengröße Horvath meldete für 2024 „kein Wachstum“.
International machte Alix im Geschäftsjahr 2023 eigenen Angaben zufolge 1,9 Milliarden Dollar Umsatz. In den 25 Büros weltweit zählte Alix knapp 3000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. 2024 nahm das Geschäftsvolumen den Angaben zufolge auf 2,3 Milliarden Dollar zu, davon entfielen rund zehn Prozent auf Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Anders als die klassischen, reinen Strategieberater von McKinsey und Co sind die Berater von Alix überwiegend ehemalige Manager, die nach Jahren in der Industrie oder im Handel in die Beratung gewechselt sind. So startete Bütterlin-Goldberg seine berufliche Laufbahn bei Daimler und seine für Konsumgüter und Handel verantwortliche Partnerkollegin Esther Liesenberg ihre Karriere bei L'Oréal und Nike.
Konjunkturkrise belebt das Geschäft von Restrukturierern und Sanierern
Die von Jay Alix im Jahr 1981 in New York gegründete Partnerschaft ist seit 2003 in Deutschland vertreten. Bekanntheit hatte Alix durch prominente Fälle wie die Enron-Pleite in den 2000er-Jahren erlangt. Hierzulande tat sie sich zunächst schwer damit, Fuß zu fassen. Das gelang erst mit spektakulären Fällen wie dem Wirecard-Skandal, an dessen Aufarbeitung auch Berater von Alix beteiligt waren.
Zudem bescherte die seit drei Jahren andauernde Konjunkturkrise insbesondere den Restrukturierern und Sanierern der Beratung beste Geschäfte. So wirkte Alix-Partner Michael Baur von 2021 bis 2023 als Chief Restructuring Officer (CRO) beim Automobilzulieferer Benteler. Seit 2024 ist er nun als CRO beim Agrarkonzern Baywa aktiv.
Im Jahr 2024 landete der Vorgänger von Bütterlin-Goldberg in der Position des Deutschland-Chefs, Andreas Rüter, des weiteren mit der Übernahme der auf die Automobilindustrie spezialisierten Beratung Berylls aus München einen kleinen Coup.
Mit den rund 160 Beratern von Berylls hat Alix seitdem in Deutschland nicht nur mehr Berater als der ebenfalls auf die Restrukturierung und Transformation von Unternehmen konzentrierte Erzkonkurrent Alvarez & Marsal aus den USA.
Alix rückte mit der Übernahme von Berylls zudem näher an die in Deutschland dominierenden Beratungshäuser McKinsey, Boston Consulting Group, Bain sowie Roland Berger heran. Mit Berylls ist Alix außerdem nun tief in der deutschen Automobilindustrie verankert.
Insgesamt hat Alix in Deutschland, Österreich und der Schweiz nun rund 450 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und Büros in Düsseldorf, Frankfurt am Main, München und Zürich. Nach einem Intermezzo mit dem Finanzinvestor CVC gehört Alix heute wieder mehrheitlich dem Gründer Jay Alix und geschäftsführenden Partnern wie Bütterlin-Goldberg.
Anders als viele Wettbewerber entwickeln die Berater von Alix nicht nur Strategien für Restrukturierungen oder Transformationen. Sie setzen diese auch in den Kundenunternehmen mit um. Dabei lassen sich Partner auch auf Positionen verpflichten, so wie Alix-Partner Michael Baur bei Benteler und Baywa als CRO.
„Unser spezielles Modell der Strategie und Umsetzung ist in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten mindestens ebenso sehr gefragt wie in Phasen der konjunkturellen Erholung“, sagt Bütterlin-Goldberg.
So waren Alix-Teams in jüngerer Zeit nach Informationen des Handelsblatts bei den Transformationen der Automatisierungsspezialisten ABB und Dematic, beim Öl- und Gasunternehmen Gea, bei Heidelberger Druckmaschinen, beim Flugzeugbauer Airbus, beim Automobilzulieferer Bosch und beim Hygienepapierhersteller Wepa engagiert.