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Lichttechnik Designer-Leuchtenfirma Occhio will die 100-Millionen-Euro-Marke knacken

Occhio ist trotz Corona stark gewachsen. Nun will der Gründer mit abgespeckten Varianten das Geschäft erweitern - und die Führung ein wenig abgeben.
05.08.2020 - 18:04 Uhr Kommentieren
Das Führungs-Duo will den Umsatz bis zum nächsten Geschäftsjahr auf mehr als 100 Millionen Euro steigern. Quelle: Occhio
Occhio-Gründer Axel Meise (l.) und sein neuer Co-CEO Benno Zerlin

Das Führungs-Duo will den Umsatz bis zum nächsten Geschäftsjahr auf mehr als 100 Millionen Euro steigern.

(Foto: Occhio)

München In all den Jahren hat Licht nichts an seiner Faszination für Axel Meise verloren. Mit einer Geste dimmt der 57-Jährige in einem schicken Münchener Showroom gleich drei Lampen seiner Designer-Leuchtenfirma Occhio herunter. „Es ist der Traum von mir, Licht dirigieren zu können“, sagt er.

Der Leuchtenmarkt gilt als schwierig: Stark fragmentiert, mit wenigen globalen Marken, die meisten Anbieter verdienen kein Geld. Doch Occhio hat früh eine lukrative Nische gefunden. In den vergangenen drei Jahren wuchsen die Erlöse im Durchschnitt um 30 Prozent. Trotz Corona - die Fertigung in China stand ein paar Wochen still - stiegen die Umsätze auch im Geschäftsjahr 2019/20 weiter auf 72 Millionen Euro.

„Wir scheinen eine Sonderkonjunktur zu haben“, sagt der Gründer, der vor 30 Jahren ausrückte, eine „neue Kultur des Lichts“ zu schaffen. Manch wohlhabender Privatkunde nutzte während der Corona-Pandemie die Zeit im Homeoffice, um das Ambiente zu verschönern, auch das Geschäft mit Firmen, Bauherren und Architekten wuchs stabil.

Das liegt durchaus im Trend. Zwar rechnet die Möbelbranche wegen der zeitweise geschlossenen Häuser für 2020 mit einem Umsatzrückgang von bis zu zehn Prozent. Doch fällt das Minus damit geringer aus als anfangs befürchtet. „Viele Menschen haben während des Lockdowns ihr Zuhause renoviert und in der Folge den Wunsch nach einer neuen Möblierung entwickelt“, sagte Jan Kurth, Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Möbelindustrie (VDM). Gerade Premium-Anbieter konnten sich oft gut behaupten

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    Um das Wachstum zu beschleunigen, hatte Occhio-Gründer Meise vor zwei Jahren den Finanzinvestor EMH aufgenommen. Der auf Mittelstandsbeteiligungen spezialisierte Fonds der Brüder Sebastian und Maximilian Kuss übernahm 44 Prozent der Anteile von Occhio.

    Expansion birgt Gefahren

    In diesen Wochen nun wird der nächste Wachstumsschub vorbereitet. Occhio will künftig auch technisch etwas abgespeckte Basis-Varianten seiner Produktlinien anbieten. Künftig könnten so nicht nur das CEO-Büro ausgestattet werden, sondern ganze Unternehmenszentralen. Der Coworking-Space-Anbieter Design Offices hat in München bei seinem Lichtkonzept gerade erst auf Occhio gesetzt.

    Meise und sein neuer Co-CEO Benno Zerlin wissen um die Gefahren der Expansion kleiner Anbieter von Premium-Produkten. „Wir werden nicht so verrückt sein und die Marke verwässern“, beteuert Meise. Die Basic-Leuchten seien von derselben Qualität. Das nächste Etappenziel sind erstmals mehr als 100 Millionen Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2021/22.

    Der Markt für Lampen und Beleuchtung ist mit gut 50 Milliarden Euro allein in Europa zwar groß. Doch gibt es viele regionale Leuchten-Marken, aber kaum global starke Anbieter. „Premium funktioniert, doch darunter gibt es ziemlichen Wildwuchs“, drückt es Zerlin aus. Entsprechend gibt es in den Massenmärkten starken Preisdruck. „Da hält man sich besser raus“, sagt Meise.

    Die großen Anbieter tun sich denn auch schwer. Der Schweizer Zumtobel-Konzern zum Beispiel musste im Geschäftsjahr 2019/20 einen Umsatzrückgang um drei Prozent auf 1,1 Milliarden Euro hinnehmen, unter dem Strich stand ein schmaler Gewinn von 14 Millionen Euro. Auch Osram, das gerade von der österreichischen AMS übernommen wurde, ist mit seinem Leuchtengeschäft nicht sonderlich glücklich.

    Doch Meise schuf sich mit Occhio seine eigene Nische. „Lange gab es für jeden Raum ganz unterschiedliche Leuchten - nur, weil ich je nach Funktion ein anderes Licht brauche“, sagt er. Occhio habe als erster Anbieter ganzheitliche Systeme entwickelt - also Leuchten mit einem einheitlichen Design in einer Produktlinie von der Pendel- über eine Steh- bis zur Deckenleuchte. Das Licht kann dann, zum Beispiel durch Filter, individualisiert werden. Die Steuerung ist über Gesten oder per Bluetooth über eine App möglich.

    Verkauft werden die Systeme nicht in den oft biederen Lampenläden, sondern über Flagship- und Partnerstores sowie Shop-in-Shop-Lösungen bei auf Beratung spezialisierten Lichthäusern und Einrichtern. „Wir haben keinen direkten Konkurrenten“, ist Meise überzeugt.

    Italienische Konkurrenz

    Doch natürlich gibt es im Premiumsegment auch andere Anbieter. So setzt Tobias Grau seit mehr als 30 Jahren auf edle Leuchten im minimalistischen Design. Jede Leuchte solle „eine Synthese aus künstlerischer Formensprache und modernster Technologie“ darstellen, heißt es bei dem Hamburger Hersteller.

    Daneben gibt es unter anderem designorientierte Anbieter in Italien wie Catellani & Smith. Meise hatte mit Occhio (auf Deutsch Auge) sicherlich nicht ganz zufällig einen italienischen Namen für sein Unternehmen gewählt.

    Den Technologiewandel hat Occhio aus eigener Kraft gestemmt, bei der Skalierung und Internationalisierung des Geschäftsmodells hilft EMH. Bei dem Investor sind sie mit der Entwicklung zufrieden. „Occhio nutzt konsequent die Chancen der Digitalisierung und verfolgt eine kluge Produkt- und Expansionsstrategie, die sich trotz Covid-19 auch im abgelaufenen Geschäftsjahr bewährt und unsere Erwartungen weit übertroffen hat“, sagt Co-Founder Maximilian Kuss.

    Der Wandel soll weitergehen. Inzwischen sei Occhio eine Technologiefirma geworden, betont Meise. Der Wandel von Halogenbeleuchtung zu LED-Licht sei gelungen, nun gelte es, auch bei der Steuerung vorn mit dabei zu sein. Inzwischen beschäftigt Occhio dreimal so viele Techniker wie Designer.

    Und doch bleibt Design natürlich das zentrale Thema der Münchener Firma. Gründer Meise will sich künftig noch stärker auf sein Lieblingsthema konzentrieren und zunehmend operative Aufgaben an seinen neuen Co-CEO Zerlin übergeben. „Jeder Gründer ist ja Manager geworden, weil er musste.“ Nun könne er sich wieder verstärkt auf Dinge wie Design und Strategie konzentrieren, die ihm mehr liegen und die Firma weiterbringen.

    Der 44-jährige Zerlin kam von Westwing und war früher bei McKinsey. Mit Prozessen kennt er sich aus, und da gibt es bei vielen Unternehmen, die schnell wachsen und die Größe von Occhio erreichen, ja Probleme. Das anderswo nicht einfache Zusammenspiel mit dem Gründer, ist Zerlin überzeugt, kann funktionieren: „Ich weiß, dass das eine Herausforderung sein kann, doch wir haben uns genau geprüft.“

    Ein Eigentümerwechsel in fernerer Zukunft ist für Meise nicht ausgeschlossen. In seiner Familie, er hat vier Söhne, gibt es keine Nachfolgeambitionen. „Das war nie unser Plan.“ Doch erst einmal will er ja weiter das machen, was ihm Spaß macht.

    Mehr: Wie sich Luxushotels in der Schweiz neu erfinden.

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