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Nicolas Walewski Neuer Investor will die Schulden von Heckler & Koch abbauen

Der Franzose Nicolas Walewski ist der neue starke Mann hinter dem Waffenhersteller aus Oberndorf. Die Mitarbeiter hoffen, dass er für einen Neuanfang steht.
27.08.2020 - 16:04 Uhr Kommentieren
Ein Nachfahre von Napoleon: Der französische Fondsmanager ist der neue Schlüsselinvestor des Waffenherstellers Heckler&Koch. Quelle: imago/Eastnews
Nicolas Walewski bei einem Fototermin in Warschau

Ein Nachfahre von Napoleon: Der französische Fondsmanager ist der neue Schlüsselinvestor des Waffenherstellers Heckler&Koch.

(Foto: imago/Eastnews)

Berlin Der Machtwechsel bei Heckler & Koch (H&K) war in der Tagesordnung unter Punkt neun vermerkt. Die Aktionäre stimmten am Donnerstag bei der digitalen Hauptversammlung der Waffenschmiede dafür, den früheren Mehrheitseigner Andreas Heeschen nicht wie ursprünglich geplant in den Aufsichtsrat aufzunehmen. Sie hoben damit den Beschluss einer außerordentlichen Hauptversammlung aus vergangenem Dezember auf.

Monatelang hatte sich Finanzinvestor Heeschen einen Machtkampf mit einem Minderheitsaktionär und Kreditgeber geliefert und schließlich im Juli verloren. Mit Zustimmung der Bundesregierung realisierte die Compagnie de Développement de l'Eau (CDE) aus Luxemburg Pfandrechte und übernahm die Aktienmehrheit von 60 Prozent. Heeschens Aufsichtsratschef, der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr Harald Kujat, 78, trat nach nur einem Jahr im Amt zurück.

Hinter CDE steht der Franzose Nicolas Walewski. Der 55-Jährige ist der neue starke Mann hinter den Kulissen von H&K. Die CDE wird aus dem Vermögen von Walewski und seiner engsten Familie finanziert. In Oberndorf hoffen die Mitarbeiter, dass mit dem Einstieg des Franzosen ein Neuanfang verbunden ist.

In vergangenen Jahren lief bei H&K nur wenig rund. Den Waffenhersteller plagten Verluste und ein Schuldenberg. Skandale wie der Export von Sturmgewehren in Unruheregionen nach Mexiko beschädigten das Image. Abendfüllende Dokudramen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und ein Strafprozess am Landgericht Stuttgart rückten H&K ins Zwielicht. Zwei Mitarbeiter erhielten Bewährungsstrafen, die Firma soll 3,7 Millionen Euro Strafe zahlen, urteilten die Richter. Die finale Entscheidung des Bundesgerichtshofs steht noch aus.

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Standort erkennen

    Hohe Schulden und mangelnde Compliance – bei beidem sieht Walewski Handlungsbedarf. Seine Vorstellungen teilte der CDE-Verwaltungsrat am Mittwoch dem Handelsblatt mit. CDE verfolge am Standort Oberndorf einen langfristigen Investitionsansatz, schrieb er. Es gehe um eine dauerhafte wirtschaftliche Erholung, damit Raum für Investitionen und Entwicklung entstehe. „Wir wollen, dass das Unternehmen seinen technologischen Vorsprung wahrt und ausbaut.“

    „Grüne-Länder-Strategie“ soll fortgesetzt werden

    CDE stellt sich hinter den Kurs des Vorstandschefs Jens Bodo Koch. Der verkündete auf der Hauptversammlung nach zwei Verlustjahren für 2019 einen Gewinn nach Steuern von 1,6 Millionen Euro. Der Auftragseingang sei gut. „Die positive Trendwende hat sich verfestigt“, sagte Koch.

    Die Luxemburger Investoren unterstützen zudem die „Grüne-Länder-Strategie“. Demnach sollen die Waffen ausschließlich in demokratische und nicht korrupte Nato-Staaten oder Nato-nahe Staaten verkauft werden. Die Strategie sei „ethisch und wirtschaftlich richtig“, betonte Walewski. H&K soll zukünftig auf Märkten mit begrenzten Risiken und hohem Ertragspotenzial aktiv sein. „Wir werden dafür Sorge tragen, dass H&K diese Strategie weiterverfolgt - im Interesse aller Stakeholder.“

    Diese Botschaften dürften auch in Berlin gehört werden. Dort zieht sich die Ausschreibung für das neue Ordonanzgewehr der Bundeswehr - den Nachfolger das G36 - seit einigen Jahren zäh hin. Als einziger Wettbewerber ist Haenel noch im Rennen. Branchenkenner räumen den Thüringern jedoch nur geringe Chancen ein.

    Widerworte kamen zur Hauptversammlung, wie oft in der Vergangenheit, von der Minderheit „Kritischer Aktionäre“ um den Freiburger Friedensaktivisten Jürgen Grässlin. Sie lehnten die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat ab und missbilligten geplante Exporte nach Singapur und Südkorea.

    CDE-Verwaltungsrat Walewski wird genau verfolgen, wen H&K zukünftig beliefert und wen nicht. Er gilt als außen- und sicherheitspolitisch interessiert. Es gehe ihm auch um „wirtschaftliche und gesellschaftliche Verantwortung“, schreibt er. „Die Verbindung von beidem ist mir persönlich wichtig.“

    Fondsmanager und Nachfahre Napoleons

    Walewski ist ein Nachfahre des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte, auch wenn er ungern darüber redet. Geboren wurde er 1965 in Neuilly-sur-Seine, einem Vorort westlich von Paris. Er besuchte französische Elite-Schulen und arbeitete in den 1990er-Jahren als Portfoliomanager für Währungsoptionsgeschäfte bei Crédit Lyonnais. Auf der Suche nach neuen Herausforderungen wechselte er als Analyst ins Asset-Management.

    Seine Karriere führte ihn 1998 als Fondsmanager zur Banque Syz und dann 2005 weiter in die Selbstständigkeit. Seine Fondsboutique Alken Asset-Management betreut heute ein Kundenvermögen von rund 1,4 Milliarden Euro. Anders als CDE investiert Alken aber grundsätzlich nicht in Rüstungsfirmen.

    Walewski gilt als zurückhaltend. Einige Interviews auf der Videoplattform Youtube zeigen einen nachdenklichen Manager, der gewissenhaft seine Worte abwägt. Seine analytischen Stärken ließ die Alken-Fonds über Jahre besser abschneiden als vergleichbare Aktienindizes. Als positive Eigenschaft wird Walewski nachgesagt, dass er Investments sorgfältig analysiere, sich eine Meinung bilde und dann geduldig Kurs halte.

    Zuletzt ging das aber auch einmal schief. Seine Fonds waren früh beim Zahlungsdienstleister Wirecard eingestiegen. Zunächst profitierten sie vom steilen Wachstum. Als die Wirtschaftsprüfer am 18. Juni jedoch das Testat verweigerten und der Skandal in Aschheim losbrach, sei Walewski geschockt gewesen, heißt es aus seinem Umfeld.

    Er habe umgehend reagiert. Einen Tag später seien alle Wirecard-Investments aufgelöst gewesen. Bei Investoren habe sich Walewski persönlich entschuldigt, sagt jemand, der das Schreiben gesehen hat. Es sei falsch gewesen, die Aktien so lange zu halten, soll darin stehen.

    Obwohl Walewski als einer der 500 reichsten Franzosen gilt, findet der begeisterte Tennisspieler am barocken Leben der Oligarchen und Superreichen in seiner Londoner Wahlheimat offenbar nur wenig Gefallen. Jachten, Sportwagen, Privatjets brächten keine Freude, sagte Walewski 2019 der „Wirtschaftswoche". Er möge einfache Dinge. „Zu Hause sein mit meinen Kindern und mit Freunden. Bücher lesen. Ich trainiere ein bisschen und genieße die Natur.“

    Mehr: Machtkampf ist entschieden: Finanzinvestor übernimmt Heckler & Koch.

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