Pumpenhersteller will Pfeiffer Vacuum kaufen: Das Ende der Zurückhaltung bei Busch
„Ich wollte nie eine kleine Firma“, sagt Oberhaupt Karl Busch.
Foto: Jörg Gläscher/laifStuttgart/Düsseldorf. Es war lange ein Ziel von Karl Busch, nur in Fachkreisen für seine Produkte bekannt zu sein. Mit dem Übernahmeangebot für den hessischen Pumpenhersteller Pfeiffer Vacuum ist dieses Kapitel der Firmengeschichte des Familienunternehmens Geschichte.
Die Badener bieten den Pfeiffer-Aktionären 96,20 Euro je Aktie. Das entspricht einem Aufschlag von zwölf Prozent auf den Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate. Vordringliches Ziel sei aber nicht die Komplettübernahme des mehr als 125 Jahre alten Vakuumpumpenherstellers, sagte Busch-Sohn und Gesellschafter Sami Busch. „Wir wollen, dass beide Unternehmen selbstständig am Markt agieren und Pfeiffer börsennotiert bleibt.“ Beide bedienten andere Märkte.
Busch hat sich bereits 29,98 Prozent der Anteile gesichert und will die 30-Prozent-Hürde überschreiten, was dann ein Pflichtübernahmeangebot für die übrigen Aktionäre auslöst. „Wir sind mit jeder Beteiligungshöhe zufrieden“, betonte Sami Busch. An der Börse ist Pfeiffer mit 950 Millionen Euro bewertet. Der Aktienkurs legte um acht Prozent auf 101,5 Euro zu.
Das Pfeiffer-Management wurde von dem Angebot überrascht. Das Unternehmen mit 450 Millionen Euro Umsatz und 60 Millionen Euro Betriebsergebnis ist etwa so groß wie Busch und nach dreijähriger Durststrecke wieder auf Wachstumskurs zurückgekehrt.
Die Basis für den Erfolg der Firma Busch hatte der Gründer Karl Busch mit der Entwicklung der R 5 Vakuumpumpe im Jahr 1963 gelegt. „Wäre es nach meiner Frau gegangen, hätten wir in der Türkei eine Kühlschrankfabrik aufgemacht“, erinnerte sich der Senior einmal in einem Beitrag für das Handelsblatt. Doch die Pumpe für die Verpackung von Lebensmitteln brachte Busch den Durchbruch.
In Maulburg im äußersten Südwesten Deutschlands erwuchs über Jahrzehnte ein Konzern mit mittlerweile 3.000 Mitarbeitern und Kunden aus den unterschiedlichsten Branchen. Karl Busch und seine selbstbewusste türkische Ehefrau Ayhan Busch („Ich wollte nie eine kleine Firma“) führten das Unternehmen mit harter Hand – und ohne die Übernahme von Tarifverträgen.
Seit einigen Jahren sind die drei Kinder auf einer Etage im Stammwerk mit den Eltern in der Firmenführung vereint. Die Söhne Sami (43) und Kaya (42) sowie auch Tochter Ayla (47) haben in Harvard studiert und ziehen jetzt die Strippen bei der Übernahme. Und mit der Zurückhaltung ist es vorbei: Man strebe „eine angemessene Vertretung im Aufsichtsrat“ von Pfeiffer an, teilt die Familie mit. Die Übernahme erfolgt in einer Phase der Branchenkonsolidierung. So hat der schwedische Konzern Atlas Copco die beiden Spezialisten Edwards und Leybold gekauft.
Der 87-jährige Seniorchef hatte aufhören wollen, wenn die Firma eine Milliarde Dollar Umsatz macht. Mit Pfeiffer wird diese Hürde wohl übersprungen. „Und was sagt meine Frau? Hätten wir uns damals für Kühlschränke entschieden, wären es jetzt mehrere Milliarden“, sagte Karl Busch schon vor einigen Jahren.