USA: So gehen deutsche Unternehmen mit Trumps Zöllen um
Düsseldorf. Der Aachener Maschinenbauer RNA kämpft mit den Strafzöllen auf Importe in die USA, weil er seine Komponenten in dem wichtigen Markt über eine Vertriebsgesellschaft verkauft. Unternehmenschef Christopher Pavel würde gern eine eigene Fabrik auf der anderen Seite des Atlantiks aufbauen.
Für ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 75 Millionen Euro ist das aber ein großes Risiko. Damit sich das lohnt, müsste die Firma dort noch weitere Kunden finden, sagt Pavel.
Viele deutsche Firmen stehen vor vergleichbaren Problemen. Rund 42 Prozent der Industrieunternehmen in Deutschland sind vom zunehmenden Protektionismus stark oder sehr stark betroffen.
Zu diesem Ergebnis kommt die Allensbach-Erhebung unter 169 Unternehmen in Deutschland im Auftrag der Restrukturierungsberatung FTI-Andersch. Sie liegt dem Handelsblatt exklusiv vor. Aber nur ein Drittel der befragten Unternehmen hat aktive Maßnahmen gegen diesen Zustand ergriffen.
Seit US-Präsident Donald Trump im Amt ist, haben die Handelshemmnisse durch Strafzölle bekanntlich erheblich zugenommen. Nachdem es in der Folge in Europa zu einer Welle von Billigimporten von China nach Europa gekommen ist, reagiert auch die Europäische Union mit protektionistischen Eingriffen in den Markt. Die EU erwägt nicht nur, Schutzzölle zu erheben, sondern plant auch, öffentliche Aufträge an sogenannte „Buy European“-Regeln zu koppeln.
„Die neue Zollpolitik der US-Regierung stellt für eine große Zahl an Unternehmen eine signifikante Herausforderung dar“, sagt Christian Säuberlich, Vorstandssprecher von FTI-Andersch. Es sei zwar richtig, nicht hektisch auf tagesaktuelle Entwicklungen zu reagieren, aber wenn Unternehmen gar keine Maßnahmen gegen Handelshemmnisse ergreifen würden, bekämen sie noch größere Probleme.
47 Prozent der Firmen, die handeln, reagieren laut der Allensbach- Umfrage auf die Lage, indem sie identische Produktionslinien in einem anderen Land aufbauen oder diesen Schritt planen. Der Hausgerätehersteller Miele beispielsweise hatte sich bereits 2023 auf die Standortsuche in den USA begeben und 2024 die Produktion der in den USA üblichen großen Backöfen in Opelika, Alabama, aufgebaut.
Firmen suchen neue Absatzregionen
Aus Sicht von Gregor Greinert, Beiratsvorsitzender des Kunststoffherstellers Röchling, ist es aktuell leichter, Übernahmeziele in den USA zu suchen, weil der Aufbau einer eigenen Produktion schwierig ist, „auch aufgrund des akuten Fachkräftemangels“. Langfristig erwägt das Familienunternehmen, in den USA die Produktion zu steigern.
Doch für viele kleinere Mittelständler lohnt sich dieser Schritt oftmals nicht – oder er ist nicht zu bezahlen. Zugleich ist angesichts der oft erratischen zollpolitischen Entscheidungen der US-Regierung weiterhin bei vielen Firmen die Unsicherheit groß, ob sich dieser riskante Schritt lohnen würde.
Laut der Allensbach-Erhebung konzentriert sich fast jedes zweite Unternehmen deshalb darauf, weniger von Handelshemmnissen betroffene Regionen zu beliefern. Allerdings kann es mitunter mehrere Jahre dauern, stabile Handelsbeziehungen in neuen Ländern aufzubauen.
39 Prozent der Firmen setzen verstärkt auf Produkte, die weniger stark von Strafzöllen betroffen sind. Und jedes fünfte Unternehmen zieht angesichts der Strafzölle Investitionen aus betroffenen Ländern ab und gibt das Geld lieber anderswo aus.