Uniper: Energieversorger braucht weiteren vier Milliarden Euro Staathilfen
Der Ukraine-Krieg und das ausbleibende russische Gas haben Uniper in eine schwere Krise gestürzt.
Foto: ReutersDüsseldorf. Das in Schieflage geratene Energieunternehmen Uniper braucht eine weitere Kreditfazilität über vier Milliarden Euro. Das gab das Unternehmen am Montag in einer Ad-hoc-Mitteilung bekannt.
Zudem hat Uniper den bereits gewährten Kreditrahmen der bundeseigenen Förderbank KfW über neun Milliarden Euro vollständig in Anspruch genommen. Bereits in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass Uniper mit den bisherigen Mitteln nicht auskommen würde.
Erst im Juli hatte der Bund ein 15 Milliarden Euro schweres Hilfspaket für den größten deutschen Gasimporteur gezurrt. Dies sah neben den KfW-Milliarden auch den Einstieg des Staates mit rund 30 Prozent vor. Die Details müssen der Bund und Uniper unter anderem noch mit dem finnischen Mutterkonzern Fortum klären.
Uniper hofft auf Geld aus Gasumlage
Ab Oktober erhofft sich Uniper Erleichterung durch die geplante Gasumlage, mit der die Gaskunden Uniper und weitere unter Druck geratene Versorger stützen sollen.
Der Düsseldorfer Konzern muss wegen der Drosselung der russischen Lieferungen über die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 Gas am Markt teurer einkaufen, um Verträge zu erfüllen. Das führt zu Liquiditätsproblemen. Der Konzern spielt eine zentrale Rolle für die deutsche Energieversorgung und beliefert über 100 Stadtwerke und Industrieunternehmen.
Uniper macht mehr als 100 Millionen Verlust pro Tag
Seit dem 14. Juni erhalte Uniper nur einen Teil der vertraglichen Gasliefermengen aus Russland, erklärte das Unternehmen Die Minderlieferungen belaufen sich mittlerweile auf 80 Prozent. Durch die hohen Preise für Ersatz fahre der Konzern täglich Verluste von deutlich über 100 Millionen Euro am Tag ein. „Uniper trägt die anfallenden Verluste nahezu allein seit Beginn der Lieferkürzungen im Juni dieses Jahres“, sagte Vorstandschef Klaus-Dieter Maubach. „Wir sprechen Stand Mitte August von insgesamt über fünf Milliarden Euro – und seitdem weiter anwachsend.“
Der Konzern arbeite mit der Bundesregierung mit Hochdruck an der dauerhaften Lösung für diese Notlage, weil Uniper sonst seine systemkritische Funktion für Deutschland und Europa nicht weiter erfüllen könne.
Uniper: Strompreise und Gaspreise beeinflussen Sicherheitsleistungen
Hinzu komme, dass Uniper für einen großen Teil seiner Verkaufsgeschäfte für Gas und Strom Sicherheitsleistungen, so genanntes Margining hinterlegen müsse, betonte der Versorger. Deren Höhe hänge vom aktuellen Energiepreisniveau im Vergleich zum Preisniveau bei Abschluss des Verkaufgeschäfts ab.
Durch die stark gestiegenen Preise sowohl für Gas als auch für Strom seien auch die Sicherheitsleistungen in die Höhe geschossen. Auch wenn diese Zahlungsmittelabflüsse nur temporär seien – Uniper erhält die geleisteten Sicherheitsleistungen zum Zeitpunkt der Lieferung zurück – werde Unipers Liquidität hierdurch stark beeinflusst.
Erstpublikation: 29.08.2022, 13:17 Uhr (zuletzt aktualisiert am 29.08.2022, 14:39 Uhr).