Wochenend-NewsletterWarum Feministinnen heimlich Hausfrauen-Videos schauen

Außerdem: Neue Enthüllungen um Cum-Ex-Ex-Ermittlerin Brorhilker, auswandern wegen der AfD und viel viel Tiktok.Charlotte Morré 30.08.2024 - 15:59 Uhr

Liebe Leserin,
Lieber Leser,

ich verbringe schon qua Beruf sehr viel Zeit im Internet. Vieles, was ich dort sehe, vergesse ich direkt wieder. Aber eine Sache beschäftigt mich seit Längerem: Tradwives. So werden „traditional wives“ genannt, also Frauen, die, anstatt zu arbeiten, zu Hause bleiben. Sie kneten gerne Teig in ihrer perfekt ausgeleuchteten Küche, servieren ihrem Mann abends Sauerbraten und sehen dabei auch noch aus wie frisch aus der „Cosmopolitan“. Perfekte Nägel, perfekte Haare, perfekte Figur.

Oft haben sie noch eine Schar manierlicherer, in Erdtönen gekleideter Kinder, die nichts lieber tun, als ihrer Mutter beim Teig kneten zu helfen. Sollten Sie es an dieser Stelle noch nicht ahnen: Das Tradwife-Dasein ist finanziell selten eine gute Idee. Annika Keilen erklärt Ihnen diese Woche, warum.

Einer der erfolgreichsten Tradwife-Accounts der Welt, „Ballerinafarm“ aus den USA, hat mehr als 10 Millionen Follower. Ich bezweifle, dass es sich dabei ausschließlich um Tradwives handelt. Ich denke, das sind Menschen wie ich. Auch ich schaue mir gerne die Videos der Tradwives an. Ich, die die Eigenbezeichnung Feministin völlig in Ordnung findet, Vollzeit arbeitet und Bücher wie „Ein Mann ist keine Altersvorsorge“ im Schrank stehen hat.

Wäre man Sympathisantin einer blauen Partei, die dieses Wochenende vermutlich viele Stimmen bei den Landtagswahlen holen wird, könnte man das sicher so interpretieren, dass ich auch gerne zu Hause bleiben möchte. Dass ich nur darauf warte, dass mein Mann mich von der Arbeit erlöst, ich noch mehr Kinder in die Welt setzen kann, die dann mit mir Teig kneten. So würde dann nicht nur unser aller Rente, sondern auch die deutsche Wirtschaft gerettet werden. Mehr Kinder gilt ja zuweilen als prima Lösung des Fachkräftemangels.

Als Nicht-Sympathisantin der blauen Partei muss ich allerdings sagen: Das Gegenteil ist der Fall. Ich will nicht das Leben der Tradwife. Ich will vielleicht eine halbe Stunde von ihrem Tag. In einer sauberen Küche stehen und mit Kindern gut gelaunt Teig kneten. Dafür bräuchte es allerdings eine funktionierende Kinderbetreuung, bessere Ideen gegen den Fachkräftemangel, das Ende des Gender-Pay-Gaps, damit Männer mehr Elternzeit nehmen und generell mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt. Also politische Lösungen für die Probleme unserer Zeit. Wobei – eine zuverlässige Reinigungskraft hilft sicher auch.

Sich regelmäßig über Frauen in der „Teilzeitfalle“ zu echauffieren, oder vermeintlich „faule“ Hausfrauen, die sich nicht begeistert auf den Arbeitsmarkt werfen, eher nicht. Es muss in Deutschland genauso okay sein, nicht zu arbeiten und Kinder zu betreuen wie ein 60-Stunden-die-Woche-Business-Life zu leben – trotz Kindern.

Da es auf mich aber nicht so wirkt, als würde jemand dieses Problem lösen, bevor sich meine Söhne in müffelnde Teenager verwandeln, werde ich Tradwife-Videos schauen müssen. Sollte Sie dieser Trend nicht ansprechen: Wir haben noch neun weitere Textempfehlungen diese Woche.

Haben Sie ein schönes Wochenende,

Ihre Charlotte Haunhorst

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