
Wochenende: Was Urlaub im Regen über trübe Wahlergebnisse lehrt – das Handelsblatt-Wochenende
Liebe Leserin, lieber Leser,
vor Kurzem habe ich eine Woche Familienurlaub in Dänemark gemacht. Es hat, wie das meistens in Dänemark der Fall ist, quasi durchgehend geregnet. Dazu muss man wissen, dass meine Familie diese Art von Urlauben seit jeher liebt.
Fuhren andere Kinder mit ihren Eltern in All-Inclusive-Buden nach Mallorca oder in die „Dom Rep“ (so nannte man die Dominikanische Republik in den Nullerjahren), fuhren wir in ein Ferienhaus nach Dänemark oder in die Bretagne. Übrigens einer der anderen Orte in Europa mit Regengarantie im Sommer.
Das liegt an meiner Mutter und ihrem unerschütterlichen Optimismus. Ihr Satz „Kinder, dort hinten! Die Sonne bricht durch“ hat in unserer Familie Kultstatus. Selbst an Tagen, an denen es durchgehend schüttet und noch eine Runde Monopoly mit mindestens einem Toten enden wird, meint sie am Horizont die Sonne zu sehen. Die Stimmung stieg danach meistens. Doch noch mal den Friesennerz anziehen, doch noch mal rausgehen und sich über die wilden Wellen im Sommersturm freuen.
Nun fiel jener Dänemark-Urlaub mit der Europawahl zusammen, deren Ergebnis als verregneten Sommer zu bezeichnen eine Untertreibung wäre. Über die Gründe, warum die AfD hier knapp 16 Prozent geholt hat, wurde viel geschrieben und gesagt. Was mich allerdings wirklich betrübt hat, war die Resignation, mit der auf das Ergebnis vielerorts reagiert wurde. Zu viel „Da kann man jetzt eh nichts mehr machen“, also lieber drinnen bleiben bei Monopoly und sich gegenseitig des Schummelns beschuldigen. Zu wenig gemeinsam doch noch mal rausgehen und schauen, ob sich die Situation nicht drehen lässt.
Deswegen entlasse ich Sie an dieser Stelle in unsere zehn Wochenendempfehlungen mit der Stimme meiner Mutter: „Kinder, dort hinten, die Sonne bricht durch.“ Wenn es draußen dann doch Mist wird, kann man sich immer noch sagen: besser als Monopoly!

Wer hat das größte Donut-Reich im ganzen Land?
Die Geschichte von Enes Seker klingt erst mal toll: Ein gläubiger Muslim aus Köln investiert 12.000 Euro in einen Donut-Shop und erobert daraufhin mit dem Franchise-Konzept „Royal Donuts“ die Republik. Schade nur, dass die Geschichte wohl doch eher ein Märchen ist, wie Sebastian Dalkowski und Michael Verfürden recherchiert haben. Denn anders als nach außen dargestellt, geht es Royal Donuts schlecht, und das liegt auch an schlechtem Management. Und Enes Seker? Macht einfach weiter mit neuen Geschäftsideen.
Vom Alkoholiker zum Coach
Früher trank Fabian Weihrauch fast zwei Flaschen Korn pro Tag. Heute ist er trocken und berät Unternehmen, wie sie mit Alkoholismus bei ihren Mitarbeitenden umgehen können. Teresa Stiens hat seine atemberaubende Lebensgeschichte aufgeschrieben.
Warum will niemand mein Münzgeld?
Nach meiner Hochzeit hatte ich einmal die Situation, die Thorsten Firlus diese Woche beschreibt: Gäste hatten es lustig gefunden, uns Geld in möglichst kleinen Münzen zu schenken. Viel Geld. Als ich damit allerdings zu einer Bank wanderte, kamen die knallharten Absagen: Nehmen wir nicht! Können Sie hier nicht einzahlen. Am Ende rettete mich eine dubiose Reisebank, gegen Gebühr selbstredend. Aber was haben Banken eigentlich gegen das Münzgeld, das wir Deutschen doch so lieben?

Die Litschi wird zum Streaming-Star
Das chinesische Internet wird derzeit mit Videos von Litschi-Bauern überschwemmt. Auch wenn die Litschi natürlich eine besonders attraktive Frucht ist – der Hintergrund ist ein anderer. So will der umstrittene chinesische Konzern Huawei anhand der Videos zeigen, wie super sein 5.5G-Netz auch in der Provinz funktioniert. Die Landbevölkerung hofft wiederum auf Arbeitsplätze durch ein wachsendes E-Commerce-Geschäft und bildet deshalb Bauern zu Influencern aus, wie unser Korrespondent Martin Benninghoff berichtet.
Porsche macht einen auf E-Bike
Den folgenden Text darf mein Sohn nie lesen. Er ist sechs und derart auf Porsche im Straßenverkehr fixiert, dass ich bei jedem seiner „MAMA, PORSCHE!“-Schreie drohe, einen Auffahrunfall zu verursachen vor Schreck. Deshalb ganz leise hier: Porsche stellt auch E-Bikes her, und der Kollege Thorsten Firlus hat eines getestet.

Was die Biografie von Ludwig Erhard über die Politik von heute verrät
Erster Wirtschaftsminister der Republik, Vater der Sozialen Marktwirtschaft, Pate des deutschen Wirtschaftswunders. Das alles ist bekannt über Ludwig Erhard. Seine zehn Jahre nach der Kanzlerschaft verfassten Notizen erscheinen nun allerdings als Memoiren, editiert vom Bonner Historiker Ulrich Schlie. Sven Prange hat darin überraschende Parallelen zur Politik von heute gefunden.
Wie professionelle Kommunikation auf LinkedIn wirklich geht
Gibt es für dieses Phänomen eigentlich ein Wort? Wenn Menschen vermeintliche Weisheiten auf LinkedIn mit einem Selfie von sich garnieren? Einfach, um mal wieder das eigene Gesicht gezeigt zu haben? Wenn nein: Ich nehme Vorschläge dafür entgegen.
Damit wir allerdings jetzt nicht alle weiterhin kontextlose Selfies posten müssen, haben wir eine neue Kolumne: Die Kommunikationsberaterinnen Tijen Onaran und Kristina Faßler berichten alle zwei Wochen, wie professionelle Business-Kommunikation auf LinkedIn wirklich funktioniert. Ein Foto direkt aus dem Kreißsaal posten halten sie für schon mal keine gute Idee.
Welche fünf Sportbücher Sie lesen sollten (wenn Sie motiviert sind)
Ich persönlich habe es nicht so mit Selbstoptimierungsliteratur. Mir machen all die „Du könntest ja mal“ vor allem schlechte Laune. Da ich aber neulich die schockierende Erkenntnis hatte, dass man mit 35 der 50 näher ist als der 20, sollte ich vielleicht doch auf die Empfehlungen des Kollegen Thorsten Firlus hören. Der hat nämlich für uns viele Sportbücher gelesen und sagt, was sich wirklich lohnt.

Hotelduell: Wo auf Mallorca Touristen noch erwünscht sind
Dass Mallorca weniger Sauftouristen (und -touristinnen!) möchte, hat sich mittlerweile rumgesprochen. Aber auch abseits vom Ballermann hat die Insel einiges zu bieten. Im dieswöchigen Hotelduell zeigen wir zwei Möglichkeiten.
Zehn erprobte Tipps für mehr Me-Time
Zeit für sich selbst ist wichtig, das wissen wir mittlerweile alle. Nur, wie nimmt man sie sich wirklich und lässt nicht doch das x-mal aufgeschobene Meeting dazwischenkommen? Unsere Kolumnistin Patricia Thielemann weiß Rat.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende,
Ihre Charlotte Haunhorst
Head of Digital in der Handelsblatt Chefredaktion
PS: Sollten Sie wissen, wie es heißt, wenn Menschen Selfies ohne Kontext auf LinkedIn posten, oder sonst Anmerkungen zu diesem Newsletter haben, melden Sie sich gern unter newsletter@handelsblatt.com.