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BilanzskandalStaatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Wirecards Ex-Finanzchef Burkhard Ley

Zwölf Jahre lang war der Manager Vorstand des Unternehmens. Nun wirft ihm die Staatsanwaltschaft Untreue, Marktmanipulation und bandenmäßigen Betrug vor.René Bender, Michael Verfürden 14.12.2023 - 15:10 Uhr aktualisiert

Düsseldorf. Die Staatsanwaltschaft München I hat Anklage gegen den früheren Wirecard-Finanzchef Burkhard Ley erhoben. Das gab die Strafverfolgungsbehörde in einer Mitteilung am Donnerstag bekannt. Nun muss zunächst das Münchener Landgericht über die Zulassung der Anklage entscheiden. Es ist die zweite Anklage im Skandal um den Finanzdienstleister und früheren Dax-Konzern.

Konkret wirft die Staatsanwaltschaft Ley Marktmanipulation, unrichtige Darstellung sowie gewerbs- und bandenmäßigen Betrug und die Beihilfe dazu vor. Er soll zusammen mit dem bereits angeklagten Ex-Vorstandschef Markus Braun, dem früheren Chefbuchalter Stephan von Erffa, dem ehemaligen Wirecard-Statthalter in Dubai, Oliver Bellenhaus, sowie dem flüchtigen Ex-Vorstand Jan Marsalek mithilfe vorgetäuschter Geschäfte Wirecards Umsätze und Erlöse manipuliert haben.

Zugleich seien diese „unrichtigen Zahlen gegenüber dem Kapitalmarkt mit dem Ziel kommuniziert“ worden, den Kursverlauf der Wirecard-Aktie „durch die fingierten Finanzkennzahlen zu beeinflussen“. Durch die unrichtigen Bilanzzahlen sei „ein Schaden in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro entstanden.“

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Darüber hinaus habe Ley sich durch die Übernahme einer Bürgschaft für ein Darlehen der Wirecard Bank durch die Wirecard AG der Untreue schuldig gemacht. Die Bürgschaftsübernahme sei ohne „jegliche Prüfung und Absicherung“ geschehen. Der Wirecard AG sei dadurch ein Schaden von „mehreren Millionen Euro“ entstanden.

Auf Nachfrage teilte Leys Strafverteidiger Norbert Scharf mit: „Unser Mandant weist die in der Anklage erhobenen Verdachtsbehauptungen zurück. Sie sind unbegründet. Er hatte keinen Anteil an den in der Anklage behaupteten Straftaten.“ Ley sei mit „hoher krimineller Energie und digitaler Raffinesse über Jahre hinweg über tatsächliche Vorgänge bei Wirecard getäuscht“ worden, so Scharf.

Burkhard Ley: Image als Sparkassendirektor

Geboren 1959 in Solingen, machte Ley nach dem Abitur eine Ausbildung in der örtlichen Stadtsparkasse. 1988 wechselte er zur Kölner Privatbank Sal. Oppenheim. Im Jahr 2000 trat Ley als Finanzvorstand bei Kirch New Media an, nur ein Jahr später wieder ab. Er wurde selbstständiger Berater. 2006 kam er zu Wirecard.

Sein Image als Sparkassendirektor behielt Ley. Hochgewachsen, mit grauen Haaren und dem Charme eines Buchhalters wirkte der Solinger bei Wirecard wie ein Mann alten Schlags. Als stocksteif bezeichnete ihn mancher damalige Mitarbeiter, nicht nur aufgrund seines besonders aufrechten Ganges.

Noch im Mai 2016 gab der Finanzvorstand dem Branchenmagazin „Finance“ ein Interview. „Bei uns werden keine illegalen Geschäfte gemacht“, betonte Ley dort. Wirecard habe ein Risikomanagement, das so etwas verhindere.

Im Dezember 2017 trat Ley als Vorstand ab. Wirecard stellte ihn aber anschließend als Berater an, sicherte ihm ein Jahresbruttogehalt von 900.000 Euro zu, plus Dienstwagen und Bonus. Er behielt ein Büro und eine persönliche Assistentin in der Wirecard-Zentrale. Konzerninsider geben an, Leys Einfluss sei auch nach 2017 nicht zu überschätzen gewesen.

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Das sieht offenbar auch die Staatsanwaltschaft so. Ley habe zwischen „2015 bis einschließlich 2017 aufgrund seiner Stellung und Einbindung in die Tathandlungen im Wirecard-Konzern täterschaftlich“ gehandelt. Nach seinem Ausscheiden aus dem Unternehmen habe er den Ermittlern zufolge durch Beratungsleistungen für die im Jahr 2018 durch die restlichen Bandenmitglieder begangenen Straftaten weiterhin Beihilfe geleistet.

Wesentliche Taten erst nach Ausscheiden aus dem Vorstand

Nach dem Zusammenbruch Wirecards im Sommer 2020 saß Ley zwischenzeitlich in Untersuchungshaft, wurde aber nach rund drei Monaten gegen strenge Auflagen wieder entlassen. Die Staatsanwaltschaft begründete dies damals damit, dass Ley „im Unterschied zu den weiteren in Haft befindlichen Beschuldigten nur bis Ende 2017 an möglichen Taten beteiligt“ gewesen sei. Wesentliche, insbesondere schadensträchtige Taten fanden nach Auffassung der Staatsanwaltschaft erst nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand statt.

Ex-CEO Braun sowie der frühere Wirecard-Statthalter in Dubai, Oliver Bellenhaus, denen bereits seit einem Jahr vor dem Landgericht München der Prozess gemacht wird, sind hingegen bis heute in Untersuchungshaft. Der ehemalige Chefbuchhalter Stephan von Erffa kam nach rund einem Jahr Untersuchungshaft im Sommer 2021 wieder auf freien Fuß.

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Die Staatsanwaltschaft München ermittelt in dem Komplex noch gegen Dutzende weitere Beschuldigte. Beobachter rechnen daher damit, dass die Anklage gegen Ley nicht die letzte im Wirecard-Komplex bleiben wird.

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