Kolumne Asia Techonomics: Elon Musk hat in Indien mächtige Gegner
Tesla-Chef Elon Musk lässt keinen Zweifel daran, dass er im drittgrößten Automarkt der Welt lieber heute als morgen durchstarten möchte. „So schnell wie nur irgendwie möglich“ wolle er seinen Elektroautohersteller nach Indien bringen, sagte Musk im Juni nach einem Treffen mit Regierungschef Narendra Modi. Er sei dafür zu „signifikanten Investitionen“ bereit, fügte der US-Milliardär hinzu.
Musks Äußerungen gaben den Startschuss für eine Debatte, ob Indien seinen Markt für ausländische Elektroautohersteller öffnen solle. Diese dauert seit Monaten an – und steuert nun auf eine entscheidende Phase zu.
Bisher spielten Elektroautoproduzenten aus Amerika und Europa im bevölkerungsreichsten Land der Welt nur eine Nebenrolle. Das liegt vor allem an den extrem hohen Zöllen, die Indien für Importe verlangt: Mit Aufschlägen von bis zu 100 Prozent ist ein Tesla in Indien doppelt so teuer wie in den USA – und damit nicht einmal ansatzweise konkurrenzfähig gegenüber örtlichen Herstellern wie Tata Motors.
Mit einer Fertigung vor Ort könnte Tesla dieses Problem umgehen. Nur ließ das Unternehmen immer wieder durchblicken, dass eine eigene Fabrik in Indien erst in einem zweiten Schritt Sinn ergibt. Zunächst sollten Fahrzeuge importiert werden, um die Nachfrage in dem Land zu testen, an dem sich schon viele ausländische Autohersteller die Finger verbrannt haben.
So lautete bereits vor rund drei Jahren der Plan. Doch Musks Lobbyarbeit für niedrigere Importzölle scheiterte immer wieder an Widerständen im Land. Mitte 2022 brach Tesla das Vorhaben vorläufig ab.
Kommt nun doch die Tesla-Fabrik?
Doch nun wittert man in Indien eine Kehrtwende: Örtliche Medien spekulieren seit Tagen darüber, dass das Unternehmen in Kürze die von Musk im Sommer angesprochenen Investitionspläne offiziell machen könnte.
Angetrieben werden die Berichte von lokalen Regierungsvertretern im Bundesstaat Gujarat, der angeblich in der Favoritenrolle für eine Tesla-Fabrik ist. „Möglicherweise gibt es sehr bald eine Ankündigung in dieser Sache“, ließ sich ein Minister kurz vor Jahreswechsel zitieren.
Den Meldungen ist jedoch mit größter Vorsicht zu begegnen: Es wäre nicht das erste Mal, dass sich Politiker und Medien in einem asiatischen Schwellenland mit vermeintlichen Investitionsentscheidungen Teslas zu weit aus dem Fenster lehnen. Auch in Indonesien war das bereits der Fall. Der prominente Name des US-Konzerns und seines Besitzers scheinen vorschnelle Erfolgsmeldungen geradezu anzuziehen.
Doch während sich die Modi-Regierung im Wahljahr 2024 wohl nur zu gern mit einer Einigung mit Musk schmücken würde, bleibt der Widerstand für den Konzern enorm – und damit auch für deutsche Hersteller, die ihr Indiengeschäft ausweiten wollen.
Einen Plan, wonach ausländische Elektroautoproduzenten für eine bestimmte Zeit deutlich niedrigere Importzölle von nur rund 15 Prozent zahlen könnten, wenn sie konkrete Investitionen zusagen, verwarf die Zentralregierung offenbar wieder. Kurz vor Jahreswechsel teilte sie mit, derzeit an keinen entsprechenden Nachlässen zu arbeiten.
Indien will Anteil der Elektroautos massiv erhöhen
Dahinter stehen mächtige Tesla-Gegner: So lief laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters der indische E-Auto-Marktführer Tata Motors bei der Regierung in Neu-Delhi Sturm gegen die Pläne, den Amerikanern einen leichteren Markteinstieg zu ermöglichen. Der Hersteller – Teil von Indiens größtem Konglomerat, der Tata-Gruppe – hatte damit, wie es aussieht, zumindest vorerst Erfolg.
Dennoch scheint man sich auch in Neu-Delhi im Klaren darüber zu sein, dass der Protektionismus mittelfristig den Plänen zur Verkehrswende im Weg steht: So hat sich das Land vorgenommen, dass Elektroautos bis 2030 knapp ein Drittel aller verkauften Neuwagen ausmachen sollen. Davon ist Indien noch weit entfernt. Im vergangenen Fiskaljahr lag der Anteil der Stromer bei weniger als zwei Prozent.
Einen Weg zu Zollvergünstigungen könnten Freihandelsgespräche eröffnen, die Indien derzeit mit Großbritannien und der EU führt. Bei den Gesprächen mit den Briten sind Elektroautos aktuell ein zentrales Thema – und die Regierung in Neu-Delhi gab bereits zu erkennen, dass sie zu Zugeständnissen bereit ist.
Gleichzeitig will Indien aber auch den Versuch nicht aufgeben, ausländische Elektroautofabriken ins eigene Land zu ziehen. Vergangene Woche teilte ein Regierungsvertreter mit, an neuen Rahmenbedingungen zu arbeiten, von denen unter anderem Hersteller aus Deutschland, Großbritannien und Südkorea profitieren sollen.
Details wurden noch nicht bekannt. Nur dass man heimische Autobauer keinesfalls benachteiligen werde, stellten die Behörden fest.
In der Kolumne Asia Techonomics schreiben Sabine Gusbeth, Dana Heide, Martin Kölling und Mathias Peer im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in der dynamischsten Region der Welt.