Konjunktur: Ökonomen erwarten drei Prozent Wirtschaftswachstum in der Ukraine
Düsseldorf. Die Ukraine kann trotz des mittlerweile fast zwei Jahre andauernden russischen Angriffskriegs weiter auf wirtschaftliche Erholung hoffen. Die Ökonominnen und Ökonomen des auf Osteuropa spezialisierten Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) erwarten in ihrer Frühjahrsprognose ein Wachstum von drei Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) für 2024. Im vergangenen Jahr wuchs das BIP noch um 5,5 Prozent, nach einem massiven Einbruch um fast 29 Prozent im ersten Kriegsjahr.
Abhängig ist das Wachstum der Prognose zufolge nicht nur vom Kriegsverlauf, sondern besonders von der westlichen Unterstützung. Die aktuellen Unklarheiten um die Fortsetzung der Finanzhilfen aus den USA und der EU sorgten für große ökonomische Verunsicherung, heißt es im WIIW-Papier weiter. Das Institut hat seine Prognose für das laufende Jahr daher bereits um 1,2 Prozentpunkte reduziert.
Prognosen anderer Institute bewegen sich in einem ähnlichen Bereich. Der Internationale Währungsfonds erwartet ein Wachstum von drei bis vier Prozent, die Weltbank geht von vier Prozent aus.
Besonders folgenreich wäre dem WIIW zufolge ein Sieg Donald Trumps bei den US-Präsidentschaftswahlen im November. Aktuell blockieren die Republikaner weitere Milliardenhilfen für die Ukraine – Medienberichten zufolge auch aufgrund einer Einmischung Trumps, der nach seinen Vorwahlsiegen in Iowa und New Hampshire wohl der Kandidat seiner Partei werden wird.
Trump hat zudem gute Chancen, die Präsidentschaftswahlen zu gewinnen. In Umfragen liegt er vor seinem wahrscheinlichen Konkurrenten, dem amtierenden Präsidenten Joe Biden.
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„Angesichts eines erwarteten Budgetdefizits von 25 Prozent des BIP, das primär über westliche Hilfsgelder finanziert wird, haben die anhaltenden Verzögerungen bei der Zusage und Auszahlung der Mittel einen äußerst negativen Effekt auf das Vertrauen in die ukrainische Wirtschaft“, warnte Olga Pindyuk, Ukraine-Expertin des Instituts.
Institut erwartet 2025 noch stärkeres Wirtschaftswachstum
Diese Unsicherheiten würden wahrscheinlich zum Normalzustand für die Ukraine, sagte Pindyuk. Dennoch zeigt sich das Institut auf längere Sicht optimistisch. Die Inflation in der Ukraine werde von 12,9 Prozent im vergangenen Jahr auf acht Prozent in diesem Jahr und 6,5 Prozent im kommenden Jahr zurückgehen, die Arbeitslosigkeit von 20 Prozent 2023 auf 13 Prozent 2025.
Zudem gehen die Ökonominnen und Ökonomen von einem Anstieg des BIP-Wachstums auf vier Prozent im kommenden Jahr und sechs Prozent 2026 aus. Voraussetzung dafür sei aber, dass sich die militärische Intensität des Kriegs reduziert und der Wiederaufbau des Landes mit internationalen Finanzhilfen beginnt.
Hoffnung kann sich die Ukraine mit Blick auf das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der EU am Donnerstag machen, bei dem erneut über ein 50 Milliarden Euro schweres Finanzhilfepaket für das Land gesprochen werden soll. Beim Gipfel im Dezember hatte der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban eine Einigung über das Paket blockiert.
Nun signalisierte er aber Entgegenkommen: Ungarn sei bereit, sich an einer Einigung der 27 EU-Mitgliedstaaten zu beteiligen, wenn garantiert sei, dass jedes Jahr entschieden werde, ob dieses Geld fließe oder nicht, sagte Orban dem französischen Magazin „Le Point“.