
Stimmung: Warum wir unser Glück falsch vermessen – das Handelsblatt-Wochenende
Liebe Leserin, lieber Leser,
dass ich mich zum Grumpy Old Man eigne, hätte ich bisher nicht gedacht. Rein biologisch geht der Trend zwar in Richtung old. Aber jetzt scheint es sich rein sozial auch noch in Richtung grumpy zu entwickeln.
Denn wir leben in Deutschland. Dem Land, in dem die Laune im vergangenen Jahr nicht unbedingt besser geworden ist. Das jedenfalls legt der Weltglücksbericht nahe. Demnach gehört Deutschland erstmals nicht mehr zu den 20 glücklichsten Nationen. Und natürlich gibt es allerlei Anlässe für schlechte Laune hier im Land.
Trotzdem müssen sich die Forschenden da irren.
Laut ihnen heißt Glück: soziale Unterstützung, Freiheit und die Abwesenheit von Korruption. Und da schneide Deutschland nicht gut ab. Ich habe dazu in den vergangenen Wochen Feldbeobachtungen gemacht. Ich glaube: Die denken das viel zu kompliziert.
Mein Forschungsobjekt ist 19 Monate alt, kommt aber dem durchschnittlichen Deutschen, wie er mir täglich im Büro, auf Social-Media-Kanälen oder in Zügen begegnet, sehr nahe. Er hat einen sehr kurzen Geduldsfaden, seine Kompromissneigung ist eher abnehmend und bekommt er seinen Willen nicht, schreit er einfach herum.
Aber ist er deswegen unglücklich?
Ich denke nicht. Hat er seine sozialen Auffälligkeiten drei bis fünf Minuten ausgelebt, wechselt die Gesichtsfarbe wieder von Rot auf Weiß und weichen die Zornesfalten einem breiten Lachen. Gelingt das nicht sofort, helfen drei Dinge: Etwas zu essen, man gibt ihm seinen Willen oder irgendein Spielzeug, das blinkt.
Er wollte nur einmal seinen Punkt machen und sich dann wieder seiner Lieblingsbeschäftigung widmen. Über Korruption denkt er eher nicht nach, seine Freiheit (machen zu können, was ihm gerade durch den Kopf geht) und seine soziale Absicherung (meine Frau und mich) sieht er als selbstverständlich an.
So ist es bei den meisten Deutschen auch. Aber das heißt noch lange nicht, dass sie unglücklich sind, wenn sie ein bisschen motzen.
Ich hoffe, Sie finden an Ostern Ihr Glück - vielleicht diesen zwölf Leseempfehlungen:

Feiern ohne Reue
Gut, die letzte total ausschweifende Party ist schon etwas her, Sie wissen schon … kleines Kind, zunehmendes Alter. Aber was Annika Keilen da recherchiert hat, hätte mir schon manchen Morgen verschönert: Der Pharmakonzern Stada hat ein Durchfallmittel am Markt, das auch gegen den Kater helfen soll. Annika hat mit der Erkenntnis zwei Dinge gemacht: Einen Markt entdeckt, der das Mittel nachzuahmen versucht. Und die Frage beantwortet, ob es wirklich hilft.
Boss, ist das noch cool?
Wenn ich aus meiner Heimat (in Schwaben) an meine Arbeitsstätte (im Rheinland) pendele, komme ich immer an der Firmenzentrale von Hugo Boss vorbei. Und da tut sich einiges in den vergangenen Monaten: Alles scheint größer und pompöser zu werden. Das kontrastiert etwas damit, dass mir die Mode im Kleiderschrank schon länger nicht mehr begegnete. Peter Brors ist hingefahren, hat den Chef Daniel Grieder getroffen und sich erklären lassen, warum es sich wieder lohnt, bei Boss genauer hinzuschauen – übrigens auch (und das ist wirklich neu) als Frau und als Tierbesitzer.
Der Traum vom Eigenheim
Die Frage, unter welchen Umständen ich mir eine Immobilie leisten kann, hat mich lange beschäftigt. Die vergangenen Jahre waren da ja ein Auf und Ab – zuletzt ging es angesichts hoher Zinsen und Preise eher weiter abwärts in Sachen Hoffnung aufs Heim. Doch jetzt scheint wieder etwas möglich zu sein. Benjamin Ansari hat jedenfalls drei Familien getroffen, die sich ihren Traum vom Eigenheim erfüllt haben – und hier ganz genau vorrechnen, wie das geht.
Schutzmacht der Steaks
Wenn Sie Ihr Geld lieber für Essen als Häuser ausgeben, interessiert Sie das: Immer mehr Menschen essen immer weniger Fleisch. Selbst in der großen Gourmet-Nation Frankreich. Doch dort formiert sich nun eine Gegenbewegung: Angestachelt vom Bauernverband will Frankreich die Bezeichnungen „Wurst“ oder „Steak“ nur für Produkte zulassen, die echtes totes Tier enthalten. Gregor Waschinski schildert, warum dieser Kulturkampf bald auch Deutschland treffen könnte.

Die wundersame Geschichte des Wunderwerbers
Die Geschichte von Toan Nguyen klingt so märchenhaft, als habe sie jemand erfunden. Doch sie ist echt. Die Familienmitglieder des Topmanagers der Werbeagentur Jung von Matt kamen einst als vietnamesische Bootsflüchtlinge nach Deutschland. Dort kämpfte sich Toan gegen alle Wahrscheinlichkeiten nach oben. Warum ihm das Land das so schwer gemacht hat und welche Fertigkeiten seiner Jugend ihm heute noch helfen, hat er Teresa Stiens verraten.
Die besten E-Bikes zum Pendeln
Ich sag’s Ihnen, wie es ist: Nichts an dieser Geschichte ist wahnsinnig schön, aber sie ist super praktisch. Mein Kollege Thorsten Firlus hat sich die Mühe gemacht, sich für Sie alle neuen E-Bike-Modelle anzuschauen. Und zwar unter dem Gesichtspunkt: Welche eignen sich für den täglichen Weg ins Büro. Herausgekommen ist eine Liste mit mehr als einem Dutzend Rädern, die Thorsten Ihnen empfiehlt.
Hotelduell: Amsterdam
Bei unserer nächsten Hotelduell-Destination kommen Sie dagegen auch mit muskelkraftbetriebenem Rad weiter: Amsterdam. In der Stadt der Tausenden Hotels werben unter anderem das Maison Elle und Andaz Prinsengracht um Gäste. Wir sagen Ihnen, welches Sie auswählen sollten – je nachdem, welche Erwartungen Sie an Ihre Herberge haben.
Warum eigentlich ist es so schwer, die private Krankenversicherung zu verlassen?
Wenn Sie an den Feiertagen ein eher trockenes Thema suchen, das aber dennoch Aufregerpotenzial hat, habe ich hier was. Vorausgesetzt, Sie haben sich einst verleiten lassen, in die private Krankenversicherung zu wechseln und ärgern sich nun über hohe Tarife. Tatsächlich ist es dann nicht ganz leicht, wieder ins gesetzliche System zurückzukehren. Aber ein paar Wege gibt es.
Der Mann, der alles kann
Wir versuchen, Ihnen hier jede Woche jemanden vorzustellen, der eine Sache besonders gut kann – und uns erklärt, wie wir auch so werden können. Zu Ostern hat Annika Keilen André Ortolf ausfindig gemacht. Der kann nicht irgendetwas gut – sondern fast alles. Kein Mensch hält so viele Rekorde weltweit wie er. Wie er sich immer wieder motiviert, die ungewöhnlichsten Dinge sehr gut zu können? Erzählt er hier.
Thielemanns Kopfsache: Warum Impulskontrolle so wichtig ist
Unsere Kolumnistin Patricia Thielemann hat ihre neueste Idee gefunden, als sie im Autohaus auf ihre Sommerreifen wartete. Dabei leistete sie einer Gesprächspartnerin mentale Erste Hilfe. Schnell ging es um das Thema Impulskontrolle – und wie selbige hilft, unnötigem Ärger aus dem Weg zu gehen. Spoiler: Das geht technisch – oder auf der Yogamatte.
Firlus Lebenslauf: Laufen und Saufen
Sollte Sie die oben genannte Geschichte über das Katermittel interessiert haben, sind Sie auch hier richtig: Gehen intensiver Sport und Alkoholkonsum eigentlich zusammen? Thorsten Firlus hat die Frage schon häufiger gehört. Und ist selbst prädestiniert für die Beantwortung: Er macht unfassbar viel Sport und hat einen wirklich, wirklich guten Weingeschmack. Hier erklärt er, dass sich beides eigentlich ausschließt – und wie er es doch zusammenbekommt.
Prüfers Kolumne: Die Schlüsselmomente des Lebens
Sie kennen das: Schlüssel? Sind meistens weg, wenn man sie braucht. Batterien? Sind meistens leer, wenn man sie braucht. Und dann? Unseren Kolumnisten Tillmann Prüfer haben beide Phänomene schon mehr Lebenszeit gekostet, als er eigentlich dafür bereitstellen würde. Nun macht er sich auf die Suche nach Lösungen – und findet sogar eine.
Was nächste Woche wichtig wird
Montag. Sollten Sie Ostermontag was anderes konsumieren wollen als Eier, hat der Bundesgesundheitsminister da was für Sie: Am 1. April tritt das neue Cannabis-Gesetz in Kraft.
Dienstag. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht die Inflationszahlen für März. Daraus leiten sich wichtige Impulse für die Geldpolitik ab.
Mittwoch. Das Verteidigungsbündnis Nato wird 75. Die Außenminister kommen zusammen und beraten vor allem über die künftige Unterstützung der Ukraine.
Danke, dass Sie wieder dabei waren. Ich hoffe, wir lesen uns nächste Woche wieder. Bis dahin wünsche ich Ihnen fröhliche Ostern.
Ihr
Sven Prange
Ressortleiter Wochenende & Report