Rente: Viele Deutsche sind am neuen Vorsorgedepot interessiert
Frankfurt. Viele Deutsche wollen mit ETFs und Aktien privat fürs Alter vorsorgen, selbst wenn sie bisher nicht am Aktienmarkt investiert waren. Das ergibt eine bevölkerungsrepräsentative Umfrage der Marktforschungsfirma Yougov im Auftrag der Postbank unter 2248 deutschen Erwachsenen.
Anlass für die Befragung ist die von der Bundesregierung geplante Förderung einer privaten Altersvorsorge mit ETFs und Aktien. Demnach würde die Mehrheit ein solches Altersvorsorgedepot nutzen. Und fast jeder zweite Nichtanleger würde Wertpapiere kaufen.
Von den Befragten, die bereits Fonds und Aktien für die Altersvorsorge nutzen, wollen 86 Prozent ihre Investitionen ausbauen. Jeder Fünfte aller Befragten gab dagegen an, keine Wertpapiere kaufen zu wollen.
Bis zum Ende des Jahres will die Bundesregierung das Gesetz ins Parlament einbringen, heißt es im Bundesfinanzministerium. Experten erwarten einen Schub für den Kapitalmarkt, wenn die Förderung wie geplant umgesetzt wird.
Für die private Vorsorge fördert der Staat bereits etwa im Rahmen der Riester-Rente bestimmte Altersvorsorgeverträge wie Rentenversicherungen, die an enge Bedingungen geknüpft sind. Bei dem nun geplanten Altersvorsorgedepot könnten zudem auch andere Produkte wie ETF-Sparpläne staatlich gefördert werden.
Den Vorschlag hatte eine von der Bundesregierung eingesetzte Fokusgruppe erarbeitet. Sie sollte Reformvorschläge für die private Altersvorsorge machen, um dem sinkenden gesetzlichen Rentenniveau etwas entgegenzusetzen. Vor gut einem Jahr hat die Gruppe aus Politikern, Wissenschaftlerinnen und Finanzexperten die Idee eines geförderten Depots präsentiert, über das die Deutschen ohne Kapitalgarantien zum Beispiel in Fonds für das Alter sparen können.
Private Altersvorsorge: Gefördertes Depot und Aktienrente
Die FDP treibt eine solche Reform der privaten Altersvorsorge voran, um das Rentensystem langfristig sicher finanzieren zu können, wie es in einem Papier aus dem Frühjahr heißt. Zudem hat die Bundesregierung zur Stabilisierung der gesetzlichen Rente Ende Mai die Aktienrente beschlossen. Geplant ist ein kreditfinanzierter Kapitalstock von 200 Milliarden Euro. Die Erträge sollen die Beitragszahler entlasten. Denn der Beitragssatz der gesetzlichen Rente steigt durch die Alterung der Gesellschaft immer mehr an.
Im FDP-geführten Bundesfinanzministerium (BMF) befindet man sich „aktuell in regierungsinternen Abstimmungen“ zum Gesetzentwurf, heißt es dort. „Das Ziel ist, dem Parlament noch in diesem Jahr einen im Kabinett beschlossenen Gesetzesentwurf zur Beratung vorzulegen“, sagte ein Sprecher.
Die Liberalen stellen sich konkret steuerfreie Sparpläne auf Wertpapiere vor, mit ETFs, Fonds, Aktien und Anleihen. Die Verträge sollen bis zu einer bestimmten Grenze aus dem Bruttoeinkommen bespart werden, auch die Kapitalerträge sollen zunächst steuerfrei bleiben. Im Rentenalter wird dann alles besteuert. Außerdem ist eine Förderung für Familien und Menschen mit geringerem Einkommen geplant.
Experten erwarten Schub für die Kapitalmärkte
Ob das Altersvorsorgedepot breite Bevölkerungsschichten erreichen kann, hängt Experten zufolge von verschiedenen Dingen ab. Philipp Bulis, Partner der Unternehmensberatung Oliver Wyman, sagt: „Man kann am Beispiel Schwedens erkennen, dass das Altersvorsorgedepot dem Kapitalmarkt einen Schub geben würde.“
Im Durchschnitt handelten die Schweden siebenmal so viel am Kapitalmarkt wie die Deutschen, ist seine Beobachtung. In Schweden fließen obligatorisch 2,5 Prozent des sozialversicherungspflichtigen Einkommens in eine geförderte private Vorsorge. Wenn sich die Schweden dafür keinen Fonds aussuchen, gelangt das Kapital in den staatlich organisierten Fonds AP7.
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Ein Altersvorsorgedepot nach dem Modell der FDP mit Steuerförderung und Zulage würde die Zahl der privaten Akteure am Kapitalmarkt auf Anhieb von heute rund sieben Millionen verdoppeln, schätzt Bulis. Die Kernfrage ist für ihn aktuell, welche Kompromisse nötig werden, um das Vorhaben politisch durchzusetzen.
Nach Ansicht von Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank, hängt der Erfolg auch davon ab, wie sich die Einstellung der Menschen zu Wertpapieranlagen entwickelt.
Erstpublikation: 25.08.2024, 17:49 Uhr.