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HobbysportSo vereinbaren Sie intensives Training mit Familie und Freunden

Hobbysport muss sich neben den Anforderungen des Berufs auch mit dem Familienleben arrangieren. Unser Kolumnist hat eine klare Strategie, um alles unter einen Hut zu bekommen.Thorsten Firlus 08.11.2024 - 04:00 Uhr Artikel anhören
Ausgleichsport mit Proviant – Bewegung und Familie vereinen. Foto: Privat

Zwei Jahre lang hatte ich mich auf meinen ersten Langdistanztriathlon vorbereitet und fieberte nun der Ziellinie entgegen. Etwa die Hälfte von sechs 30-Kilometer-Runden hatte ich geschafft und teilte meine Aufregung mit einem anderen Radfahrer. Doch der sah es entspannt.

Für ihn sei es nur ein Vorbereitungsrennen. Er plane demnächst einen dreifachen Ironman. Richtig: 540 Kilometer Radfahren, danach 126 Kilometer Laufen. Seine jetzige Frau hätte dafür Verständnis. Die erste Ehe sei allerdings wegen des Sports in die Brüche gegangen. Autsch.

Ich wiederum hatte die Einladung zur Hochzeit eines guten Freundes ausgeschlagen, um an dem Triathlon teilzunehmen. Ich hatte alles darauf fokussiert, es schien mir unmöglich, einen anderen Termin zu wählen, zu präzise waren Ort, Strecke und Trainingsplan gewählt. Absolut nachvollziehbar, oder?

Vor zwei Wochen ging es in dieser Kolumne um die Vereinbarkeit von intensivem Training und dem Job. Ich versprach dabei, auch die Frage nach der Vereinbarkeit von Freunden und Familie mit einem ambitionierten Sportziel zu beantworten.

Zwei Erkenntnisse vorab, gewonnen aus einer Dekade des Jonglierens mit Familie, Beruf und Hobbysport: Trainieren Sie nicht bis zur Trennung, sagen Sie nicht die Einladung zu einer Hochzeit ab.

Strudel in Klagenfurt: Wettbewerb ja, alle darben lassen, nein. Foto: Privat

Nachfolgend einige Tipps und Gedanken, wie Freunde von mir und ich selbst versuchen, die Dinge unter einen Hut zu bringen.

Die Familie kommt zuerst

Vielleicht war die Beziehung des oben erwähnten Triple-Ironman ohnehin schon ein wenig angezählt und die (zu) vielen Trainingsstunden und Wettbewerbe waren nur der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Wenn Ihnen aber die Partnerschaft, Ehe oder Familie wirklich wichtig ist und Sie diesen Anker in Ihrem Leben keinesfalls verlieren wollen, ist es wichtig, dass die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigt werden.

Auch Ihre. Sprechen Sie und erläutern Sie vor dem Start eines großartigen Sportabenteuers, dem Sie Zeit und Energie widmen wollen, Ihrem Umfeld Ihre Pläne. Es anderen erklären zu müssen, hilft auch ungemein dabei, sich selbst darüber klar zu werden, warum Sie nun unbedingt einen Marathon laufen oder einen 24-Stunden-Marsch bewältigen möchten.

Denn ohne die Familie im Rücken wird es nichts werden. Der Rückhalt der privaten Gemeinschaft ist essenziell für das Gelingen von ambitionierten Sportprojekten. Selbstverständlich – auch wenn das hier keine Partnerkolumne ist – hat jedes Mitglied das Recht, Zeit für sich zu nehmen. Und ein Stück weit wird es nicht ohne Kompromisse gehen. Auf allen Seiten.

Aber wer aus dem Blick verliert, dass es zunächst mal ein sehr egoistisches Projekt sein kann, sich einem Triathlon zu widmen, riskiert den Rückhalt. Ein Freund von mir bringt das so auf den Punkt: Wenn die Familie es erlaubt, bin ich dabei.

Urlaub um den Wettbewerb herum

Ob Skilanglauf, Segeln oder Laufen: Das Schöne an vielen Sportarten ist ja, dass sie in wunderbaren Regionen mit toller Natur auszuüben sind. Viele Trainingsratgeber unterscheiden zwischen A-, B- und C-Wettbewerben. A ist der eine große, auf den alles hinausläuft.

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Motivationssprüche helfen nicht – Was einen wirklich antreibt, wenn es hart wird

Warum nicht auch der Urlaub? Kurz vorm Rennen reißt ohnehin niemand mehr Wichtiges. Da gilt es zu „tapern“, wie das im Fachsprech heißt und eigentlich nur bedeutet, die antrainierte Form für gut eine oder gar zwei Wochen zu schonen und lediglich mit kurzen Einheiten munter zu bleiben.

Statt also am Gardasee zum Sportmonster zu mutieren oder sich in den schwedischen Schären laufend zu absentieren, ist es am besten, die Zeit in der Nähe des Wettkampforts gemeinsam zu genießen. Das lenkt auch von der Anspannung ab – und von der haben die allermeisten mehr als genug.

Verzicht auf eigene Zeit

Wenn Sie weder im Job noch bei Familie und Freunden Zeit sparen können – wo denn dann? Am Ende bei sich selbst. Ich wiederhole die Lektion der vorigen Kolumne: „Der Tag hat für jeden 24 Stunden.“ Verzichten Sie auf Dinge, die Sie sonst getan haben. Nur nicht auf die, die auf die persönlichen Beziehungen einzahlen.

Knapsen Sie zuerst bei den Dingen Zeit ab, die Sie bislang vor allem für sich gemacht haben. Sie bekommen ja etwas dafür, so wirkt der vermeintliche Verzicht nicht wie ein solcher. Das größte Potenzial, um Zeit zu gewinnen, steckt in der Verschiebung der Schlafzeiten. Wenn Sie um 5 Uhr die Laufschuhe anziehen, dann sind sie um 6.30 Uhr erfrischt dazu bereit, die Meute zu wecken. Dafür lösche ich allerdings auch normalerweise um 21 Uhr das Licht.

Neue Wege nutzen

Familienfeier bei Oma? Langes Wochenende bei den Schwiegereltern im entfernten Bundesland? Fahren Sie gegebenenfalls ganz oder teilweise mit dem Rad dorthin. Oder lassen Sie sich – Autofahrt vorausgesetzt – ein Stück vor dem Ziel absetzen und laufen die verbleibenden Kilometer. Nutzen Sie den Waldspaziergang für ein paar Klimmzüge am Ast oder auf dem Trimm-dich-Pfad.

Wer viel und gern im Fitnessstudio trainiert, wird mit ein wenig Planung und nur wenigen, gut zu transportierenden Mitteln auch unterwegs Krafttraining machen können. Das ist allemal sozialer, als ein Zusammentreffen abzukürzen oder gar ganz ausfallen zu lassen.

Motivation

Das meist unterschätzte Risiko im Hobbysport

Stur auf der Umsetzung des eigenen Trainingsplans zu beharren, erzeugt nur Stress, aber das wussten Sie. Viel wichtiger: Ohne schlechtes Gefühl trainiert es sich besser. Es hilft außerdem dabei, die Zeit effizienter einzuteilen und konzentriert zu arbeiten. Denn intensives Training ist Arbeit. Nur eben ohne Gehalt.

Sie sind auf einer Party eingeladen? Alkoholverzicht, etwas früher die Party verlassen und den Sport dafür dranhängen. Eine Stunde Mittagspause reicht locker für völlige Verausgabung. Keine Dienstreisen ohne Sporttasche. Und, und, und. Zeitfenster finden lautet die Devise.

Kinder mitnehmen und beteiligen

Wer in einer Familie mit Kindern lebt, braucht keinen intensiven Hobbysport, um quasi keine Zeit mehr zu haben. Leerlauf, gar Langeweile dürften das geringste Problem sein. Auf dem Weg zur besseren Form ist das zweifelsfrei eine weitere Herausforderung.

Da gilt es zunächst mal, die eigenen sportlichen Ziele zu überprüfen. Sind die realistisch oder dauert es unter Umständen eben etwas länger? Es ist ein Irrtum, dass sportlicher Fortschritt ein bestimmtes Tempo verlangt. Die Steigerung der eigenen Leistung lässt sich in längeren oder kürzeren Etappen erzielen. Es gilt, sich klarzumachen, was wichtig ist, und die entsprechenden Schlüsse zu ziehen.

Trainieren Sie in den Randstunden des Tages und Sie werden auch noch mit einzigartigen Stimmungen belohnt. Foto: Privat

Schließlich gibt es Wege, Zeit mit den Kindern und die eigene Sportbegeisterung zu vereinen. Wir haben alle schon Eltern gesehen, die mit Kinderwagen joggen oder die laufen, während sich die Kinder auf ihren Rädern abstrampeln. Vielleicht bieten sich auch Dinge an, die Kinder und Eltern gemeinsam ausüben können, so wie Bouldern für Kraft.

Gemeinsame Zeit ins Training einplanen

Im Idealfall teilen die Menschen in Ihrer Nähe Ihre Sportleidenschaft, dann lässt sich vieles leichter vereinbaren. Wenn das, wie es oft der Fall ist, nicht so ist, kann es hilfreich sein, die Zeit für Partner und Training im Kalender fix zu vereinbaren.

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Für mich passte eine eiserne Regel in den Alltag, die ich in mehr als zehn Jahren tatsächlich nicht einmal brechen musste: Wenn ich abends heimkomme, dann ist Feierabend mit Sport. Alles, was nötig ist und war, hat bis dahin stattgefunden. Das bedeutet natürlich, dass nicht jede Einheit optimal strukturiert ist, dass es länger dauert, bis sich ein Trainingsfortschritt einstellt – oder bisweilen auch gar nicht.

Am Ende war mir ein vorderer Rang bei einem Wettbewerb nie so wichtig, dass ich dem Sport dafür alles untergeordnet hätte. Dafür bin ich noch immer sehr gern mit der gleichen Frau verheiratet und mein Freund lädt mich auch weiter zu Feiern ein. Und ich gehe gern hin.

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