Nach der US-Wahl: „Den Ring küssen“ – wie Trump das Silicon Valley spaltet
San Francisco. Google-Chef Sundar Pichai bekommt gerade einen ersten Eindruck davon, was ihm und seinem Konzern in den kommenden vier Jahren drohen könnte. Erst grüßt ihn neben Donald Trump auch Konkurrent Elon Musk am Telefon, als Pichai dem künftigen US-Präsidenten Anfang November zu seinem Wahlsieg gratulieren will. So berichten es US-Medien – Pichai soll ziemlich irritiert gewesen sein.
Dann wurde in dieser Woche bekannt, dass das US-Justizministerium von ihm verlangt, Googles beliebten Internetbrowser Chrome zu verkaufen. Hintergrund ist ein Kartellverfahren, das die Einhegung von Googles immenser Marktmacht zum Ziel hat.
Die Abspaltungsforderung, über die ein Bundesrichter noch entscheiden muss, stammt zwar von Beamten der aktuellen Regierung. Initiiert wurde das Verfahren jedoch während Trumps erster Amtszeit. Und der neue Präsident hat bereits erkennen lassen, dass er Googles Einfluss abermals den Kampf ansagen will.
Tech-Konzernchefs wie Pichai stehen vor einem Dilemma: Zum einen dürfte es klug sein, Trump zu besänftigen. Er war die Branche bereits im Vorfeld der Wahl mehrmals angegangen, drohte mit Regulierung und anderen Repressalien. Zumal der Wiedergewählte, das ist bekannt, den öffentlichen Kotau von Wirtschaftsgrößen liebt und höchst empfänglich für Lob ist.
Trump-Wahlsieg: Google-Mitarbeiter sollen nicht mehr über Politik sprechen
Gleichzeitig müssen die CEOs zumindest etwas Rückgrat bewahren, um nicht den Respekt ihrer liberalen Belegschaft zu verlieren. Pichais Anrufe bei Trump stießen Mitarbeitern zufolge konzernintern bereits auf Kritik. Schließlich basiert das Selbstverständnis vieler Tech-Konzerne darauf, sich von mitunter zynisch agierenden Branchen wie Banken oder Industriekonzernen abzugrenzen.