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MusterdepotWie wir auf den Wahlsieg von Donald Trump reagieren

Ist es mittlerweile zu spät, in die „Trump Trades“ zu investieren? Und wie sind die Aussichten für europäische Aktien? Fondsmanagerin Gabriele Hartmann erklärt, wie sie ihr Depot anpasst.Gabriele Hartmann 14.11.2024 - 18:13 Uhr Artikel anhören
Die Strategen (v. l.): Gabriele Hartmann (Perspektive Asset Management), David Wehner (Do Investment) sowie Laetitia-Zarah Gerbes (Acatis Investment). Foto: Unternehmen

München. Seit dem Wahlsieg von Donald Trump sind die Kurse an den US-Börsen noch einmal deutlich gestiegen. Mit seinem Wahlsieg wurde ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor ausgeräumt.

Seit dieser Woche steht fest, dass die Republikaner auch eine Mehrheit in beiden Kammern erzielten. Trump hat bereits im Vorfeld die Erwartungen der Investoren an Deregulierung und Steuersenkungen geschürt, entsprechend verzeichnete der US-Standardwerteindex S&P 500 nach dem Wahlergebnis die beste Wochenperformance in diesem Jahr.

Ist es mittlerweile zu spät, in die sogenannten „Trump Trades“ zu investieren? Damit sind die Sektoren gemeint, die am stärksten von den Wahlversprechen Donald Trumps profitieren sollen, wie Versorger, Finanztitel und Nebenwerte. Und was bedeutet der Sieg der Republikaner für europäische Aktien? Die Antworten auf diese Fragen betreffen auch unser Musterdepot.

Die vergangenen Tage haben mich im Musterdepot Nachhaltigkeit zu ein paar Änderungen veranlasst: eine leichte Erhöhung des US-Anteils, bei einer etwas geringeren Kassequote. Momentan sprechen vor allem zwei Gründe für die USA: ein solides Wachstum sowie Zinssenkungen der US-Notenbank.

Vergleicht man die aktuellen Rahmenbedingungen jedoch mit dem Jahr 2016, als Trump seine erste Präsidentschaftswahl gewann, so befinden sich US-amerikanische Aktien heute in einem weniger vorteilhaften Umfeld: Sowohl Inflationsdaten als auch Anleiherenditen sind deutlich höher als vor acht Jahren, ebenso das Bewertungsniveau amerikanischer Aktien und die Staatsverschuldung.

Im Musterdepot haben sich die beiden US-Kreditkartenanbieter Mastercard sowie die im Oktober aufgenommene Visa positiv entwickelt. Auch Walt Disney und die in der Abfallwirtschaft tätige Waste Management haben im Umfeld der jüngsten Rally Kursgewinne verzeichnet.

Hinter dem Markt blieben jedoch der Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson, das Medizintechnikunternehmen Thermo Fisher und der Beautykonzern Estée Lauder. Letztere enttäuschten die Aktionäre mit einem schwachen Geschäft in China. Der Kurs brach am Tag der Veröffentlichung deutlich ein.

Neben Estée Lauder ist das Musterdepot auch im Einzelhändler Ulta Beauty engagiert. Deshalb trenne ich mich von Estée Lauder und gehe ein kleines Engagement in die Technologie- beziehungsweise Chipunternehmen Adobe und Advanced Micro Devices (AMD) ein. Damit wird der Anteil von US-Technologieunternehmen prozyklisch leicht erhöht.

Risiken könnten US-Anleger einholen

Kurzfristig wurde an den US-Börsen die Erwartung eines höheren Wachstums und einer Deregulierung gefeiert. Die Risiken einer steigenden Inflation durch mögliche Zölle könnten Marktteilnehmer jedoch bald einholen.

Europäische Automobilwerte haben im Zusammenhang mit drohenden Zöllen auf den Wahlsieg Donald Trumps mit weiteren Kursverlusten reagiert. Alle vier deutschen Automobilwerte BMW, Mercedes, Porsche und Volkswagen weisen im laufenden Jahr deutlich zweistellige Verluste auf, ihr Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt im mittleren einstelligen Bereich.

Im Gegensatz dazu verzeichnete der US-Autokonzern Tesla in den vergangenen vier Wochen über 50 Prozent Kursgewinne – mit Elon Musk steht der prominenteste Unterstützer Trumps an der Unternehmensspitze. Die Marktkapitalisierung des US-Elektromobilherstellers übertrifft damit erneut die Eine-Billion-US-Dollar-Marke.

Der Kursgewinn Teslas der vergangenen Monate übertrifft den Gesamtwert der vier deutschen Automobilunternehmen. Das ist eine Irrationalität an der Börse, die auch von der „Bild“-Zeitung aufgegriffen wurde: „Tesla so wertvoll wie 28 Autobauer zusammen“.

Für Anleger sehe ich darin eine Chance, sich mittels eines Korbs aus mehreren europäischen Automobilwerten zu positionieren. Im Musterdepot haben wir nun eine kleine Position in BMW und Volvo – zwei Titel, die unsere Nachhaltigkeitskriterien erfüllen.

Die Musterdepots
Die Manager der Musterdepots schreiben abwechselnd im Wochenrhythmus über ihre Sicht auf die Märkte. Die Beiträge der Expertinnen und Experten stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen lediglich einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben. >> Hier geht es zur Musterdepot-Seite
Leserinnen und Leser können den Profis quasi live über die Schulter schauen: Es gibt das „Zukunfts-Depot“ von Laetitia-Zarah Gerbes (Acatis Investment), das „Nachhaltigkeits-Depot“ von Gabriele Hartmann und das „Dynamik-Depot“ von David Wehner (FGTC Investment).
Hier gelangen Sie direkt zur Musterdepot-Seite: 
>> www.handelsblatt.com/boerse/musterdepots

Die europäischen Aktienindizes haben sich in diesem Jahr sehr heterogen entwickelt. So litt Frankreich unter den Präsidentschaftswahlen und der damit verbundenen Unsicherheit um die künftige Wirtschaftspolitik. Französische Konsum- und Luxuswerte kämpfen mit einer geringeren Nachfrage aus China.

In Europa ist viel Negatives eingepreist

Das Musterdepot ist gegenwärtig in sechs Unternehmen aus Frankreich investiert. Schneider Electric und Accor gehören zu den positiven Werttreibern, während der Luxuskonzern Kering mit der Marke Gucci weiterhin Geduld erfordert.

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Während der französische Aktienindex in diesem Jahr um die Nulllinie pendelt, zeigt sich der deutsche Aktienindex stark. Der Rüstungskonzern Rheinmetall, das Softwareunternehmen SAP und Siemens Energy führen den Index an.

Im Musterdepot befinden sich Fresenius und Infineon. Für beide Werte gibt es Aufwärtspotenzial, denn europäische Aktien gehören momentan nicht zu den Lieblingen der Investoren. Anders als in Amerika ist hierzulande aber viel Negatives eingepreist.

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