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Morning BriefingTrumps Mann für die Ukraine – es hätte schlimmer kommen können

Christian Rickens 28.11.2024 - 06:12 Uhr Artikel anhören
Handelsblatt Morning Briefing

Wissensmacht: Forschungsinvestitionen steigen

28.11.2024
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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

kaum eine Kennzahl sagt so viel über die Zukunftsfähigkeit einer reifen Volkswirtschaft aus wie die Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E). Was heute nicht erdacht wird, kann morgen nicht für Wachstum und Wohlstand sorgen.

Die gute Nachricht: Insgesamt investierten deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr 88,7 Milliarden Euro für F&E in den eigenen Betrieben – 8,4 Prozent mehr als 2022. Hinzu kommen noch Forschungsaufträge an Dritte im Umfang von knapp 32 Milliarden Euro, diese legten damit um 14,5 Prozent zu. Das zeigen Zahlen des Stifterverbands, die unserer Reporterin Barbara Gillmann vorliegen.

Allerdings betrug die Inflationsrate in Deutschland laut Statistischem Bundesamt 2023 hohe 5,9 Prozent, was die nominalen Ausgabensteigerungen relativiert. Aussagekräftiger ist der Anteil der F&E-Ausgaben an der Wirtschaftsleistung. Er stieg leicht auf 3,11 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Im Jahr zuvor waren es 3,07 Prozent.

Die Wirtschaft erbrachte davon einen Anteil von 2,12 Prozent, Hochschulen, Staat und nicht-kommerzielle Forschungseinrichtungen trugen 0,99 Prozent bei. Auch diese Steigerung relativiert sich, wenn man bedenkt, dass die Wirtschaftsleistung in Deutschland 2023 um 0,3 Prozent gesunken ist. Aber zumindest sind die F&E-Ausgaben nicht mit geschrumpft.

Das Ziel der Ampelkoalition war es, dass sich die F&E-Quote auf 3,5 Prozent erhöht. Wie notwendig das wäre, zeigt ein Blick aufs globale Spitzentrio: 2022 lagen die USA (6 Prozent des BIP), Israel (5,2 Prozent) und Südkorea (3,6 Prozent) in Sachen F&E vorne.

Was ebenfalls zu steigenden Forschungsinvestitionen beitragen dürfte: Die deutsche Biotechszene mit mehr als 780 Unternehmen arbeitet sich aus dem Finanzierungstief der Nach-Corona-Zeit und verzeichnet mit 1,6 Milliarden Euro Kapitalzufluss in den ersten neun Monaten dieses Jahres die höchsten Zuwächse seit Jahren. Unsere Pharma-Expertin Maike Telgheder hat führende Risikokapitalgeber befragt, welchen jungen Biotechunternehmen sie besonders viel Potenzial einräumen.

Forschungslabor von Tubulis: Das Biotechunternehmen entwickelt zielgerichtete Wirkstoffe gegen Krebs. Foto: Tubulis

Fünf Firmen wurden dabei besonders häufig genannt, wenn es um vielversprechende Projekte in frühen Forschungsphasen geht. Vier davon sind auf Therapien gegen Krebs spezialisiert. Die fünfte Biotechfirma erforscht einen neuen Behandlungsansatz gegen Rheuma.

Der Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND), Bruno Kahl, hat davor gewarnt, dass mit dem wachsenden Militärpotenzial Russlands „eine direkte militärische Konfrontation mit der Nato zu einer möglichen Handlungsoption für den Kreml“ werde. Auf einer Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin verwies Kahl darauf, dass es im russischen Verteidigungsministerium offensichtlich Zweifel daran gebe, ob die USA im Ernstfall zu ihrer Beistandsverpflichtung nach Artikel fünf des Nato-Vertrags stünden.

Derzeit lägen zwar noch keine Hinweise zu konkreten Kriegsabsichten Russlands vor. Aber es reiche für Moskau, „kleine grüne Männchen“ ins Baltikum zu schicken, um angeblich bedrohte russische Minderheiten zu schützen oder auf Spitzbergen „eine kurze territoriale Geländebereinigung“ gegenüber Norwegen vorzunehmen.

Der designierte US-Präsident Donald Trump hat den früheren Sicherheitsberater Keith Kellogg als Sondergesandten für die Ukraine und Russland ernannt. Der pensionierte Generalleutnant war während Trumps erster Amtszeit von 2017 bis 2021 als Stabschef im nationalen Sicherheitsrat tätig. Trump hat versprochen, den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine schnell zu beenden. Kellogg dürfte bei dem Vorhaben eine zentrale Rolle spielen.

Er soll bereits einen Plan vorgelegt haben, der vorsieht, den Frontverlauf einzufrieren und beide Seiten zu Verhandlungen zu zwingen. Als Druckmittel soll die Ukraine nur dann weitere Waffen von den USA bekommen, wenn sie Friedensgespräche aufnimmt. Gleichzeitig soll Russland klargemacht werden, dass die Ukraine mehr Unterstützung von den USA erhalten wird, falls sich Moskau Verhandlungen verweigert. Gelockt werden soll Moskau mit der Zusage, eine Nato-Mitgliedschaft der Ukraine für einen längeren Zeitraum aufzuschieben.

Der 80-jährige Ex-General Kellogg will Sondergesandter für die Ukraine werden. Foto: REUTERS

Aus europäischer Sicht ist Kelloggs Berufung nicht die schlechtestmögliche Nachricht. Nach allem, was wir wissen, gehört er zumindest nicht zu jenen in Trumps Umgebung, die die US-Hilfe für die Ukraine einfach einstellen und das Land seinem Schicksal überlassen wollen.

Vor einigen Tagen habe ich an dieser Stelle meiner Frustration über das jährliche Ritual der Weltklimakonferenzen Ausdruck verliehen. Statt den weltweiten Temperaturanstieg wirksam zu begrenzen, geht es dort, so mein Eindruck, zunehmend um einen modernen Ablasshandel: Die Industriestaaten überweisen den Staaten des globalen Südens Geld zur „Klimafolgenanpassung“. Angesichts der schwachen politischen Institutionen in vielen dieser Länder darf man durchaus pessimistisch sein, wie viel von dem Geld tatsächlich bei der von Dürre geplagten Kleinbäuerin ankommt.

Moritz Kraemer, Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg, hat meine Polemik zum Anlass genommen für einen Gastbeitrag, wie sich Hilfe für den Süden mit effektivem Klimaschutz verbinden lässt. Die Grundidee ist bekannt – Klimaschutz sollte als Erstes dort erfolgen, wo er am billigsten ist:

„Die Vermeidung einer Tonne CO2 ist in Entwicklungsländern billiger als im reichen Norden, der die einfachen Einsparungen bereits abgearbeitet hat. Und fürs Klima ist es völlig egal, ob die Emission in Bayern oder Bangladesch entstand.“

Der Autor Moritz Kraemer ist Chefvolkswirt und Leiter des Bereichs Research der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und Co-Vorsitzender der internationalen Expertengruppe zu Verschuldung, Klima und Natur. Foto: picture alliance / Zoonar [M]

Kraemer schlägt einen separaten Schuldentopf vor, der über langlaufende Anleihen mit privatem Kapitel gefüllt wird, um dem globalen Süden sofort einen emissionsärmeren Wachstumspfad zu ermöglichen. Also zum Beispiel, um dort Kohlekraftwerke zu ersetzen oder neue gar nicht erst in Betrieb gehen zu lassen. Die Rückzahlung der Anleihen übernehmen in diesem Modell die Industriestaaten. Denn, so Kraemer, „auch wir im reichen Norden würden von den geringeren Emissionen und Klimarisiken profitieren“.

Über die Conference League, die Holzklasse unter den europäischen Fußballwettbewerben, gibt es an dieser Stelle eher selten etwas zu lesen. Doch eine Partie heute Abend dürfte bei den Gastgebern in die Vereins-, wenn nicht sogar die Stadtgeschichte eingehen: Durch eine Laune der Fußballgötter muss der zweifache Champions-League-Gewinner FC Chelsea aus London in der 50.000-Einwohner-Stadt Heidenheim an der Brenz gegen den dortigen Bundesligisten antreten.

Hat die britische Boulevardpresse eigentlich schon mitbekommen, dass Erwin Rommel, Befehlshaber von Hitlers Afrikakorps, aus Heidenheim stammt? Unabhängig vom Spielausgang sollte sich daraus doch eine hübsche Schlagzeile für morgen basteln lassen.

Ich wünsche Ihnen einen Donnerstag, an dem Sie so schnell nichts auf die Palme bringt.

Herzliche Grüße,

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Ihr

Christian Rickens

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